40 Prozent weniger Asthma-Notfälle in USA

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie fürchteten viele Experten besonders schwere Krankheitsverläufe und hohe Mortalität unter Asthma-Patienten. Das Gegenteil trat ein. Laut einer US-Studie gingen in den Vereinigten Staaten die Asthma-Notfälle um rund 40 Prozent zurück.

red/Agenturen

„Es gab Berichte über einen signifikanten Rückgang der Inanspruchnahme von Notfallambulanzen wegen akuter Verschlechterung (Exazerbationen; Anm.) von Asthma. Auf der anderen Seite wurde auch von Vermeidungsverhalten, was Ambulanz- und Arztkontakte betrifft, gesprochen (...)“, schrieben Elliot Israel (Brigham and Women's Hospital/Boston) und seine Co-Autoren im Journal of Allergy and Clinical Immunology.

In der sogenannten PREPARE-Studie, die zur Untersuchung von Möglichkeiten eines besseren und auf Patienten-Empowerment beruhenden Managements der chronischen Lungenerkrankung bereits im November 2018 mit 1.178 Teilnehmern gestartet worden war, konnte der mögliche Effekt von Covid-19-bedingtem Vermeidungsverhalten ausgeschaltet werden. Die Teilnehmer sollten nämlich einfach regelmäßig über ihre Symptome ohne Beteiligung von Ärzten, Visiten etc. zu Hause Buch führen. Die Studie zielt auf das Selbstmanagement von Asthma ab. Dazu gehört die entsprechende Einnahme der Arzneimittel je nach Bedarf. Das sind vor allem inhalierbare Cortison-Sprays und Bronchien-erweiternde Mittel.

„An sich bereiteten wir uns mit dem Beginn von Covid-19 auf erhebliche Probleme für Millionen Asthma-Patienten vor. Das genaue Gegenteil trat ein. Es ist faszinierend“, erklärte beispielsweise David Stukus, Arzt am Nationwide Children's Hospital (Columbus/Ohio) gegenüber dem US-Magazin The Atlantic. Auch aus England, Schottland und Südkorea hätte es ähnliche Berichte gegeben.

Ergebnisse waren frappant

In den USA werden langfristig pro Jahr rund 1,6 Millionen Notfallambulanz-Visiten von Patienten mit Asthma-Exazerbationen registriert. Jährlich sterben dort etwa 3.500 Personen nach Asthma-Komplikationen. Die US-Wissenschafter konnten in ihre Studie jedenfalls die Häufigkeit von Asthma-Exazerbationen für die ersten beiden Quartale 2019 - also vor Covid-19 - und den Vergleichszeitraum von 2020 auswerten.

Die Ergebnisse waren frappant. Die Häufigkeit von akuter Verschlechterung der Asthma-Symptome nahm um 41 Prozent ab. An der Studie nahmen Patienten mit spanischstämmigem Hintergrund und Afroamerikaner teil. In der ersten Gruppe betrug die Reduktion 50 Prozent, in der zweiten 27 Prozent. Personen, die in Vor-Covid-Zeiten auswärts arbeiteten, hatten während der Pandemie-bedingten Restriktionen plötzlich um 65 Prozent weniger Asthma-Exazerbationen, bei „Heimarbeitern“ betrug der Rückgang 23 Prozent.

Für die Autoren gibt es vor allem eine Erklärung für den „Asthma-lindernden“ Effekt von Covid-19: Durch Social Distancing, Masken etc. kam es zu einem massiven Rückgang anderer banaler Atemwegsinfektionen. Sie sind offenbar sehr häufig die Auslöser von Asthma-Exazerbationen. Die Wissenschafter betonen, dass das Ausmaß der Reduktion der Asthma-Probleme so groß war, dass ein Zufall auszuschließen sei.

 
© medinlive | 02.12.2021 | Link: https://www.medinlive.at/gesundheitspolitik/40-prozent-weniger-asthma-notfaelle-usa