Steiermark setzt auf viele Aktionen bei Immunisierung

Die Steiermark verfolgt bei der Immunisierung der Bevölkerung gegen Corona weiter die Taktik der vielen Aktionen, um die Geimpften-Zahl zu heben. An Menschen, die noch zögerten, richte sich das niederschwellige Angebot der beiden Impfbusse, die nächste Woche in 16 Gemeinden und Städten sowie im Grazer Burghof Station machen. Die Impfmoral ist „ganz leicht nach oben gegangen“, wie der stellvertretende Landesamtsleiter, Wolfgang Wlattnig, am Freitag beim 28. Impf-Update sagte.

red/Agenturen

Impfkoordinator Michael Koren zufolge sind die Impfbusse ein weiterer Meilenstein: „Wenn die Busse in der Steiermark unterwegs sind, dann dient das auch dem aufmerksam machen. Dann heißt es 'Es tut sich was'". Nächste Woche am Freitag, 24. September haben Studierende und Mitarbeiter der Grazer Universitäten die Möglichkeit, sich in einer „Fast-lane" in der Impfstraße auf der Grazer Messe immunisieren zu lassen. 363 Personen seien bisher vorgesehen, bei einer weiteren solchen Aktion in zwei bis drei Wochen könnten es mehr werden. Die Möglichkeit zur Impfung von Schülerinnen und Schülern besteht über die Impfstraßen des Landes oder in den Schulen mit Schulärzten. Auch mit dem Impfbus vor Schulen sei das möglich. Auch niedergelassene Ärzte könnten Schülergruppen impfen. Koren schilderte Erfahrungen aus anderen Bundesländern: Manche Schulen hätten dabei nur drei bis fünf Kinder bzw. Jugendliche angemeldet.

Wlattnig sagte, mit Donnerstag habe man rund 5.600 Einladungen an Angehörige der Altersgruppe über 80 Jahre verschickt, zu einem dritten Stich zur Auffrischung des Impfschutzes. Die Einladung für andere Altersgruppen erfolge in den Kalenderwoche 40 bis 43. Die europaweite Ausschreibung der Fortführung der Impfstraßen des Landes habe ergeben, dass der bisherige Betreiber, die Privatklinik Kastanienhof GmbH, dies weiterführen werde. Laut Katastrophenschutz-Leiter Harald Eitner hätten zehn Unternehmen zwar die Ausschreibungsunterlagen angefordert, beworben habe sich dann aber nur der Kastanienhof.

Niedrige Durchimpfungsrate in der Gruppe 40 plus

Mit dem freien Impf-Dienstag sei man den Impf-Verantwortlichen zufolge sehr zufrieden gewesen, dieser habe über 5.000 Stiche gebracht, davon viele Zweitimpfungen. „Am heutigen Freitag wird es wohl nicht diese Resonanz geben“, schätzte Wlattnig. Im Moment habe die Steiermark 63,14 Prozent (Anteil an der Gesamtbevölkerung, Anm.) Erstgeimpfte und rund 60,3 Prozent Vollimmunisierte. Für die nächste Woche rechne man wieder mit einer höheren Teilnahme, da man neben Pfizer/Biontech auch Dosen des offenbar beliebten Herstellers Johnson & Johnson zur Verfügung habe, die nur einen Stich zur Vollimmunisierung erforderten.

Wlattnig bezog sich bei einer Journalistenfrage, wen in der Bevölkerung man noch erreiche könne, auf eine OGM-Umfrage für den „Kurier". Unter den Ungeimpften würden sich elf Prozent noch immunisieren lassen, 13 Prozent seien unentschlossen. Auf die Steiermark umgelegt entspreche dies rund 28.000 bzw. 33.000 Menschen.

Laut dem Virologen Klaus Vander mache „die niedrige Durchimpfungsrate in der Gruppe 40 plus Sorgen." Hier sei noch Luft nach oben. Dies sei genau die Gruppe, die aufgrund ihres Alters auch schon ein hohes Risiko habe, schwer zu erkranken und die die derzeitige Hospitalisierungsrate massiv steigen lasse. „Wie sehr das Gesundheitssystem an seine Grenzen stößt, wird auch davon abhängen, ob alle in der Gruppe der Hochbetagten und der Menschen mit schweren Grunderkrankungen die jetzt anlaufende Auffrischungsimpfung in Anspruch nehmen. Der sogenannte dritte Stich ist für diese Gruppen auf jeden Fall notwendig, um das schwache Immunsystem vor schweren Verläufen zu schützen. Und mehr hat die Impfung auch nie versprochen“, sagte Vander.

 
© medinlive | 02.12.2021 | Link: https://www.medinlive.at/gesundheitspolitik/steiermark-setzt-auf-viele-aktionen-bei-immunisierung