Coronavirus
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Ärztekammer mit Kritik an Teststrategie und Quarantäneregeln

Die Österreichische Ärztekammer hat am Mittwoch die vom neuen Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) angekündigte Reduktion der Gratis-Corona-Tests sowie die Lockerungen bei den Quarantäne-Bestimmungen scharf kritisiert. „Wenn man ganz offensichtlich eine mögliche Herdenimmunität erreichen und das Virus durchrauschen lassen will, dann sollte man das auch genauso kommunizieren“, sagte ÄÖK-Vizepräsident Harald Mayer in einer Aussendung.

red/Agenturen

Auch solle man dieses Ziel „nicht in ein neues Verordnungschaos verpacken, das niemand versteht“, betonte Mayer, der auch Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte ist. Mit diesem Schritt seien „sehr hohe Neuinfektionszahlen in Österreich weiter garantiert“. „So werden die Zahlen kaum nach unten gehen, was unsere Gesundheitsversorgung an den Rand des Kollaps bringen wird“, so der Vize-Präsident. Schon jetzt seien die „sogenannten COVID-Normalstationen überlastet“ - „einerseits, weil teilweise bis zu 20 Prozent des Spitalspersonals selbst infiziert sind und ausfallen und andererseits, weil uns aufgrund der vielen an Corona Erkrankten bereits die Betten ausgehen“. Das Anpeilen einer möglichen Herdenimmunität werde auf dem Rücken des Spitalspersonals ausgetragen und gehe zu Lasten der Qualität in der Patientenversorgung.

Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres forderte darüber hinaus, dass dafür gesorgt wird, „dass Ärztinnen und Ärzte automatisch sofort darüber informiert werden, wenn einer ihrer Risikopatienten an Corona erkrankt“. Nur so könnten die Ärzte ihren Patient*innen die verfügbaren Corona-Medikamente rasch und unkompliziert zukommen lassen, um schwere Verläufe mit Hospitalisierung zu verhindern. „Dass diese Information automatisch übermittelt wird, fordern wir seit zwei Jahren - umgesetzt wurde nichts.“

„Spitalspersonal kämpft seit zwei Jahren“

Mayer verwies auch auf internationale Daten: Schon jetzt liege Österreich laut aktuellen Zahlen des Statistikportals „Our World in Data“ mit über 300 hospitalisierten COVID-19-Erkrankten (pro Million Einwohner; Stichtag: 14. März 2022) europaweit betrachtet unter den Top 5. „Unser Spitalspersonal kämpft seit fast genau zwei Jahren mit übermenschlichem Einsatz gegen das Coronavirus und hat dafür gesorgt, dass Österreich bisher relativ gut durch die Pandemie gekommen ist, mit der Rücknahme fast aller Sicherheitsmaßnahmen gehen wir ein sehr hohes Risiko, das sich im Herbst noch als Bumerang erweisen könnte.“

Gesundheitsminister Rauch hatte am Vortag angekündigt, dass das Gratistestregime in der aktuellen Form mit Ende März endet. Stattdessen sollen künftig nur mehr je fünf PCR- und fünf Antigentests pro Person und Monat gratis sein. Die genaue Ausgestaltung des künftigen Test-Regimes war vorerst aber noch offen. Zudem kündigte der Minister eine Lockerung der Quarantäneregeln an: Bereits ab Montag (21. März) müssen sich nicht vollständig geschützte Kontaktpersonen nicht mehr zehn Tage absondern, es gelten dann nur noch Verkehrsbeschränkungen: Sie dürfen weiter arbeiten und einkaufen gehen (mit Maske), aber nicht zu anderen Einrichtungen wie Veranstaltungen oder in die Gastronomie.

Vorgangsweise bei den Schultests offen

Im Büro von Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP), der am Wochenende wegen der „gewaltigen“ Kosten für die Tests noch für eine massive Reduktion des Gratis-Angebots eingetreten war, zeigte man sich am Mittwoch auf APA-Anfrage „sehr zufrieden“ über die am Dienstag verkündete Lösung. Bezüglich der weiteren Vorgangsweise bei den Schultests - immerhin rund eine Mio. Tests pro Woche und damit ein bedeutender Kostenpunkt - wurde lediglich auf das Gesundheits-und Bildungsministerium verwiesen.

Aus dem Bildungsministerium hieß es dazu am Mittwoch, man sei derzeit noch in Abstimmungen, die Tests laufen vorerst weiter - bis wann, ist derzeit noch unklar. Seitens des Wiener Bildungsstadtrats Christoph Wiederkehr (NEOS) hieß es, die Entscheidung über das Testen in der Schule falle grundsätzlich auf Bundesebene. „Angesichts der noch sehr hohen Inzidenzen erscheint uns ein Weiterführen der Schultests zumindest bis Ostern als sinnvoll. Wenn sich die epidemiologische Lage bis dahin bessert, muss natürlich auch das Testregime in den Schulen dann neu bewertet werden.“

Für den Komplexitätsforscher Peter Klimek bringen die Schultests in der derzeitigen Lage und mit den derzeitigen Maßnahmen nur wenig. „Um hier wirkliche Sicherheit herzustellen, müsste man viel mehr Maßnahmen übereinanderstapeln als es jetzt getan wird“, so Klimek im Ö1-„Mittagsjournal“. Unter anderem nannte er die konsequente Absonderung von Verdachtsfällen. Testen alleine reiche da nicht: „Man schaut mit dem Testen in erster Linie dem Entstehen von Clustern etwas genauer zu, kann es aber nur beschränkt unterbinden.“ Die Entwicklung an den Schulen sei von jener in der Gesamtbevölkerung abhängig. „Wenn hier die Lage nicht unter Kontrolle ist, werden wir sie auch trotz der Schultestungen in der Schule nicht unter Kontrolle bekommen.“

 
© medinlive | 28.11.2022 | Link: https://www.medinlive.at/gesundheitspolitik/aerztekammer-mit-kritik-teststrategie-und-quarantaeneregeln