Adipositas
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Therapien werden zunehmend Privatleistungen

Anlässlich ihrer Jahrestagung am kommenden Wochenende wünscht sich die Österreichische Adipositas Gesellschaft (ÖAG) einen niederschwelligeren Zugang zu Therapieangeboten. Die Zahl der Plätze steigt, die Therapie muss aber oft aus eigener Tasche bezahlt werden.

red

In Österreich ist jede dritte Frau und jeder zweite Mann übergewichtig – jede zehnte Frau und jeder siebente Mann sogar adipös, also krankhaft übergewichtig. Besonders bedenklich ist der beträchtliche Anstieg von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter.“, so Friedrich Hoppichler. Der Internist ist Präsident der  Österreichischen Adipositas Gesellschaft (ÖAG), Vorstand des vorsorgemedizinischen Instituts SIPCAN sowie ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Salzburg. Adipositas wurde 1996 von der WHO als eigenständiges Krankheitsbild definiert.

Generell mehr Therapieplätze

Hoppichler weist auf eine besondere Problematik hin: „Die Suche nach einer Therapieeinrichtung stellt Betroffene oft vor Probleme. Die Angebote sind in ihrer Struktur und Finanzierung sehr unterschiedlich und nur schwer zu überschauen. Das erhöht die Zugangsschwelle und schwächt die Motivation, eine Therapie zu beginnen.“  

SIPCAN durchleuchtet das Therapieangebot in Österreich regelmäßig, zuletzt im heurigen Jahr. 202 Institutionen wurden österreichweit via Online-Befragung zu quantitativen Eckpunkten und qualitativen Aspekten befragt.

Die Untersuchung zeigt, dass die Ernährungstherapie nach wie vor die Hauptrolle in der Adipositas-Therapie spielt. 73,7 Prozent der untersuchten Institutionen bieten diese derzeit an. „Es ist bedenklich, dass neben der Ernährungstherapie die Bewegungstherapie nur in 30,7 Prozent aller befragten Einrichtungen und die Verhaltenstherapie nur in 31,2 Prozent angeboten werden“ erklärt Hoppichler. Dies spiegelt sich auch in der unterrepräsentierten Beteiligung von Psychologen (47,8 Prozent) und Psychotherapeuten (20 Prozent) wieder. „Dennoch ist es erfreulich, dass bereits an 74,6 Prozent der Institutionen interdisziplinär gearbeitet wird und an 44,4 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen auch zusätzlich Präventionsmaßnahmen angeboten werden“ so Hoppichler weiter.

Zu den Zahlen bei den Therapieplätzen ist zu sagen, dass diese im Steigen begriffen sind. Das spiegelt sich auch darin, dass ein Drittel (32,3 Prozent) aller Einrichtungen erst innerhalb der letzten fünf Jahre begonnen haben, Therapien bei Adipositas anzubieten. 31 Prozent aller Einrichtungen bieten Therapien für Kinder, 56,9 Prozent für Jugendliche und 82,4 Prozent für Erwachsene an.

Private Medizin auf dem Vormarsch

Angebote zur Adipositas-Therapie sind in Österreich am häufigsten in privaten Praxen (42,9 Prozent) zu finden, gefolgt von ambulanten Angeboten in Kliniken (25,9 Prozent) und bei niedergelassenen Diätologen (24,9 Prozent). Angebote von Gemeinden (6,8 Prozent), Reha-Zentren (4,4 Prozent) oder Kuranstalten (3,9 Prozent) spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Bei der Finanzierung besteht eine steigende Tendenz zur privaten Kostenübernahme: 71,7 Prozent der befragten Institutionen gaben an, dass die Patienten zumindest einen Teil der Therapiekosten privat zahlen. Eine gänzliche Übernahme der Kosten durch die Krankenkassen wurde von 39,1 Prozent der Einrichtungen genannt.

Übergewicht und Adipositas sozial ungleich verteilt
„Vor dem Hintergrund, dass ein niedriger Sozialstatus mit einem erhöhten Adipositas-Risiko einhergeht, ist der Anstieg von privatfinanzierten Behandlungsangeboten mit Sorge zu beobachten“, warnt Hoppichler. Er betont, dass die möglichen Folgen von Übergewicht und Adipositas dabei bedacht werden müssten, denn Begleiterkrankungen wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes Mellitus, Gelenksbeschwerden oder Depressionen seien große Belastungen für das Gesundheitswesen.

 

Waage Gewicht
Die Studie deutet auf die größte Zunahme von durch Fettsucht bedingte Krebsleiden bei Erwachsenen zwischen 25 und 29 Jahren hin.
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© medinlive | 18.05.2019 | Link: https://www.medinlive.at/gesundheitspolitik/therapien-werden-zunehmend-privatleistungen