Expertentalk
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Quo vadis, Forschung?

Beim Future Health&Science Talk debattierten Branchenkenner über die Zukunft der Medizin und den Konnex zwischen Grundlagenforschung und Wirtschaft.

red

Wie wird die Medizin der Zukunft aussehen? Wie korrespondieren Grundlagenforschung und Medikamentenentwicklung? Und wo steht die Forschung auf dem Gebiet der Heilung von HIV/AIDS konkret? Diese Fragen wurden beim aktuellen Future:Health&Science Talk an der TU Wien erörtert. Gastgeber des Gesprächs waren neben dem Institute of Molecular Biotechnology of the Austrian Academy of Sciences (IMBA) außerdem die US Commercial Service und die Amerikanischen Handelskammer, die Einladung erfolgte durch Gilead Sciences.

Es debattierten u.a. IMBA-Gründungsdirektor Josef Penninger, mittlerweile designierter Leiter des Life Science Institute an der University of British Columbia/Vancouver, HIV-Forscher Romas Geleziunas, Senior Director Biology, Gilead Inc. oder Michaela Fritz, Vizerektorin für Forschung und Innovation, MedUni Wien.

Junge Wissenschafter fehlen

Thema war etwa, wie es um die heimische Science Community bestellt ist:  „Die Grundlagenforschung ist in Österreich etwa ist fundamental unterdotiert. Um dem zu begegnen, wären wir gut beraten, hoch dotierte Förderungen aufzulegen, Anleihe zum Beispiel an der Deutschen Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften zu nehmen oder Fonds einzurichten, wie dies gerade Macron in Frankreich vorzeigt. Nur damit könnten wir die tollsten jungen Wissenschafter nach Österreich holen.“ so Penninger in der Expertenrunde.

Zum Thema HIV meinte Roman Gelezunias, dass „eine Heilung durch Eliminieren der Viren-Reservoirs sowie durch Immunkontrolle des HI-Virus erreicht werden könnte. HIV überlebt latent in den HI-Viren-Reservoirs der Memory CD4+ T-Zellen. In einer Studie, die Anfang Oktober in ‚Nature‘ präsentiert wurde, konnten wir nun erstmals in einem Affen-Modell mittels Anwendung eines TLR7-Agonisten sowie einem neutralisierenden Antikörper, welcher die Virenhülle angreift, bei etwa der Hälfte der behandelten Affen tatsächlich die Heilung von HIV skizzieren. Bis zur tatsächlichen Anwendung am Menschen haben wir allerdings noch einen weiten Weg vor uns – aber die ersten Schritte sind gemacht.“

Kritik an Budgetsituation heimischer Universitäten

Die Vizerektorin für Forschung und Innovation an der MedUniWien, Michaela Fritz, sieht Handlungsbedarf „bei der Durchführung klinischer Forschung und Studien ­- hier muss Österreich sicherstellen, international den Anschluss zu behalten. Um klinische Studien nach Österreich zu bringen, müssen Unis und auch die Pharmaindustrie an einem Strang ziehen. Unverändert bestehen strukturelle Hindernisse, und vor allem hoher finanzieller Bedarf. Zum Vergleich: Stanford hat mehr Budget als alle österreichischen Unis. Zusammen.“

Es bräuchte eine ganzheitliche Beurteilung von Arzneimitteln, die die Kosten auf der einen Seite und den Nutzen auf der anderen Seite miteinbeziehen würden, so Clemens Schödl, General Manager von Gilead Sciences Österreich. Und zwar durchaus auch den Nutzen im Spitals-, im Pensions- oder im Sozialbereich. Damit einhergehen müsse auf jeden Fall eine politische Diskussion: „Wie viel sind uns Gesundheit und gesunde Lebensjahre wert – worauf wollen wir als Gesellschaft für uns selbst und nachfolgende Generationen den Fokus legen?“ so Schödls Fazit.

Podiumsdebatte TU Wien Science Talk
v. l.n. r.: Herwig Ostermann, Josef Penninger, Moderatorin Sonja Kato, Clemens Schödl, Michaela Fritz
Fine Facts Health Communication/APA-Fotoservice/Hörmandinger / OTS
 
© medinlive | 28.10.2020 | Link: https://www.medinlive.at/wissenschaft/quo-vadis-forschung