Zukunftsplan Pflege
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Zukunftsplan Pflege

Burgenlands Grüne sehen offene Fragen

Für Burgenlands Grüne sind beim „Zukunftsplan Pflege“ noch Fragen offen. Landessprecherin Regina Petrik forderte am Freitag eine Überarbeitung des Pflegekonzepts. Kritisch gesehen wird etwa die künftig als Bedingung für eine Tagsatzvereinbarung festgelegte Mindestgröße von 60 Betten für Pflegeeinrichtungen. Die Anstellung pflegender Angehöriger könne auch zu Nachteilen für Betroffene führen.

red/Agenturen

Es werde argumentiert, eine Größe ab 60 Betten sei „wirtschaftlich das einzige Sinnvolle“. Sie habe im Juni ein Praktikum in einem Pflegeheim mit zwölf Betten gemacht und dabei festgestellt: „Dieses Pflegeheim kann überleben“, berichtete Petrik.

Allen privaten Anbietern werde zudem unterstellt, dass sie gewinnorientiert arbeiten würden, kritisierte die Landessprecherin in Hinblick auf die künftig nach einer Übergangsfrist vorgeschriebene Gemeinnützigkeit für alle Pflegeeinrichtungen. „Mein Plädoyer ist, diesen Zukunftsplan Pflege nochmals zu überarbeiten und den weiteren Betrieb von kleinen Einheiten vor Ort auch möglich zu machen und zu genehmigen“, sagte Petrik. „Wenn jemand in einem 16-Betten-Heim, 20-Betten-Heim nachweisen kann, dass man mit diesem Taggeld qualitätvolle Arbeit leisten kann, dann bitte ich dringend, das nicht zu unterbinden.“

Anstellung von Angehörigen könne Nachteile mit sich bringen

Bezüglich der im Zukunftsplan vorgesehenen Anstellung pflegender Angehöriger müsse man sich „sehr vorsichtig ansehen, ob das nicht auch viele Benachteiligungen von pflegenden Angehörigen impliziert“, sagte Birgit Meinhard-Schiebel, Präsidentin der Interessensgemeinschaft pflegender Angehöriger. Sie wies auf das „schwierige Verhältnis“ hin, wenn innerhalb der Familie der pflegebedürftige Mensch plötzlich quasi der Chef der pflegenden Angehörigen sei.

Auch könne man im Hinblick auf die festgelegten Stundenzahl bei der Pflege als Angehöriger etwa nach 20 Stunden „nicht einfach nachher abdrehen und sagen: Jetzt bin ich einfach mit meiner Zeit zu Ende.“ Wichtig sei eine gute sozialrechtliche Absicherung: Es gebe die freiwillige Weiterversicherung für pflegende Angehörige, wo Arbeitgeber- bzw. Arbeitnehmerbeitrag vom Bund getragen werde. „Aber wir dringen darauf, dass das eine verbindliche Leistung wird“, so Meinhard-Schiebel.

Vom Thema Pflege seien österreichweit fast eine Million Menschen betroffen: „947.000 Erwachsene pflegen, dazu kommen noch 42.700 Kinder, die diese Aufgabe übernehmen.“ Pflege und Betreuung dürfe nicht krank machen: „Sie darf Menschen nicht verdrängen und zusätzlich darf sie nicht in die Altersarmut führen - und zwar egal, wie alt die Menschen sind. Auch wenn jüngere Menschen pflegen und betreuen, hat das irgendwann Auswirkungen“, stellte Meinhard-Schiebel fest. Für diese wichtigen Fragen kämpfe der Verein seit zehn Jahren.

SPÖ Burgenland weist Kritik der Grünen zurück

Die SPÖ Burgenland hat die Kritik der Grünen am „Zukunftsplan Pflege“ zurückgewiesen. „In den neu geplanten Einrichtungen leben die betreuten Menschen trotz der Mindestgröße von 60 Plätzen in kleinen Wohngruppen zu zwölf Personen mit familiärem Charakter“, stellte Klubobfrau Ingrid Salamon in einer Aussendung fest.

Dies sei „ein für ländliche Regionen maßgeschneidertes Konzept - es ermöglicht 'dörfliche Geborgenheit' bei größtmöglicher Pflegequalität“, so Salamon. Es könne keine Rede davon sein, dass der neue Typ von Pflegeheimen nur in den urbanen Raum passe - im Gegenteil.

Am „Zukunftsplan Pflege“ werde „mit Hochdruck“ gearbeitet. Mit dem Konzept werde die Betreuung daheim erleichtert, betreuende Angehörige würden sozial abgesichert und gleichzeitig werde durch gezielte Ausbildung auch zukünftiges Personal für den Pflegebereich gewonnen, argumentierte die Klubobfrau.

Alte Frau
Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) fordert ein neues System für die Pflegefinanzierung bis 2021.
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© medinlive | 16.11.2019 | Link: https://www.medinlive.at/gesundheitspolitik/burgenlands-gruene-sehen-offene-fragen