Coronavirus
Coronavirus

Status der SARS-CoV-2-Impfstoffentwicklung

Biotech- und Pharmaunternehmen forschen nach Impfstoffen und Medikamenten gegen das Coronavirus. Laut WHO werden 28 potenzielle Impfstoffe bereits an Menschen getestet, sechs davon in groß angelegten Wirksamkeitsstudien mit tausenden Probanden. Hier ein Überblick, welche erfolgsversprechende Vakzine derzeit im Rennen sind.

red/Agenturen

Vor allem kommt es darauf an, dass eine Vakzine wirkungsvoll und möglichst ohne Nebenwirkungen gegen eine SARS-CoV-2-Infektion schützen soll. In klinischen Studien der Phase I werden Sicherheit und Immunogenität an einer kleinen Gruppe getestet. In Phase-II-Studien mit meist 100 bis 300 Teilnehmern werden weiterhin Sicherheit, Immunogenität und Dosierungen getestet. Die sogenannte Phase III ist das letzte Stadium der klinischen Entwicklung. Dabei wird an tausenden Probanden mit Placebo-Kontrolle untersucht, ob wirklich eine Schutzwirkung gegeben ist. Die Sicherheit bzw. Nebenwirkungen sind ein gleich wichtiges Kriterium.

Hier der gegenwärtige Status zu den möglichen SARS-CoV-2-Impfstoffen:

Gamaleya-Institut (Moskau)

Das russische Gesundheitsministerium hat den Impfstoff, der im Ausland unter dem Namen "Sputnik V" auf den Markt gebracht werden soll, am 11. August freigegeben, noch bevor die Ergebnisse der Phase III-Studien vorliegen. Der Impfstoff basiert auf modifizierten Erkältungsviren.

AstraZeneca

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet den Impfstoff-Kandidat, der von dem britischen Pharmakonzern zusammen mit der Universität Oxford entwickelt wird, als einen der führenden Kandidaten im globalen Wettlauf gegen die Corona-Pandemie. Er befindet sich in der klinischen Studie der Phase III und wird in Großbritannien, Brasilien und in Südafrika getestet. Eine weitere Studie soll bald in den USA starten. Erste Ergebnisse werden ab August erwartet. Die Vakzine (AZD1222) hat in einem Test mit mehr als 1.000 Immunisierten positive Ergebnisse erzielt – die Probanden bildeten Antikörper und sogenannte T-Zellen, welche die Immunabwehr unterstützen. Dabei traten keine ernsthaften Nebenwirkungen auf. Das Antigen ist ein modifiziertes Adenovirus mit Antigenen des SARS-CoV-2-Virus an der Oberfläche.

Biontech/Pfizer

Die beiden Unternehmen haben den Impfstoff-Kandidaten BNT162b2 entwickelt, der bei einer insgesamt 60 Personen umfassenden Studie der Phase I/II zur Bildung von Antikörpern und T-Zellen bei den Probanden führte. Inzwischen wurde bereits eine weltweite Studie zur Untersuchung der Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffes mit mehr als 30.000 gesunden Menschen im Alter von 18 bis 85 Jahren gestartet. Bei einem Erfolg soll im Oktober ein Zulassungsverfahren beantragt werden. Es handelt sich um einen mRNA-Impfstoff. Dabei werden Erbgutteile des Virus injiziert, die Zellen des Geimpften zur Produktion von Virus-Proteinen bringen sollen. Gegen diese soll sich dann eine Immunantwort richten.

Moderna

Das US-Biotechnikunternehmen hatte als erstes Mitte März eine klinische Studie der Phase I mit einem potenziellen Impfstoff auf mRNA-Basis gestartet. Bei allen 45 Freiwilligen, die an der Untersuchung teilnahmen, habe der Impfstoff eine Immunantwort hervorgerufen, teilte Moderna Mitte Juli mit. Nun begann die entscheidende Wirksamkeitsstudie der Phase III mit 30.000 Teilnehmern. Getestet wird in 30 US-Bundesstaaten, darunter in den vom Virus stark betroffenen Staaten Texas, Kalifornien und Florida. Die US-Regierung unterstützt das Projekt mit fast einer Milliarde Dollar.

Sinovac

Der chinesische Impfstoffentwickler befindet sich mit seinem potenziellen Wirkstoff gegen das Coronavirus ebenfalls in der klinischen Phase III. Tests mit tausenden Freiwilligen laufen in Brasilien, einem der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder.

Sinopharm

Der staatliche chinesische Biotechkonzern hat Mitte Juli in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 15.000 Freiwilligen mit der Phase-III-Studie begonnen. Dabei setzt die Firma auf einen inaktivierten Impfstoff, also auf abgetötete Krankheitserreger. Diese werden vom Körper als fremd erkannt und regen das körpereigene Abwehrsystem an, damit Antikörper und T-Zellen gebildet werden. Solche Impfstoffe kommen unter anderem gegen Influenza und Masern zum Einsatz.

Janssen-Cilag

Der US-Pharmakonzern testet seinen potenziellen Corona-Impfstoff am Menschen, nachdem Studien mit Affen erfolgreich verlaufen waren. Rund 1.000 gesunde Erwachsene in den USA und in Belgien sollen an der Untersuchung teilnehmen. Getestet werde eine einmalige und eine zweimalige Gabe des Impfstoffes. Im September sollen dann zwei Phase-III-Studien mit den jeweiligen Dosierungen beginnen. Die US-Regierung fördert die Entwicklung und Produktion des Kandidat-Vakzines, das abgeschwächte Viren benutzt, mit einer Milliarde Dollar. Das Unternehmen ist auch mit der Europäischen Union in Gesprächen über eine Liefervereinbarung.

Curevac

Der Tübinger Impfstoffentwickler hat im Juni mit der klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten begonnen. Ergebnisse daraus erwartet das Unternehmen im vierten Quartal 2020. Bis Mitte nächsten Jahres soll der Impfstoff marktreif sein, wenn alle Studien erfolgreich sind. Die Tübinger setzen bei ihren Forschungsarbeiten ebenfalls auf Impfstoffe auf Basis der sogenannten Boten-RNA (mRNA).

Cansino Biologics

Der chinesische Entwickler will seinen Impfstoff-Kandidaten nach vielversprechenden Testdaten in einer frühen Studie weiter entwickeln. Kandidat Ad5-nCOV wurde an 508 Probanden getestet und zeigte eine Wirkung bei den meisten der Probanden. Rund 77 Prozent hatten leichte Nebenwirkungen wie Fieber oder eine Reizung der Einstichstelle. Das Mittel solle bald an 5.000 Menschen in Saudi-Arabien gestestet werden, erklärte das saudische Gesundheitsministerium. Der Impfstoff verwendet ein modifiziertes Adenovirus als Antigen, ähnlich jenem von AstraZeneca.

Novavax

Dieses amerikanische Biotechunternehmen will seinen Impfstoff-Kandidaten ab Ende September in einer großen klinischen Studie der entscheidenden Phase III testen. In ersten Untersuchungen habe sich gezeigt, dass die Probanden Antikörper gegen das Coronavirus ausgebildet hätten.

Inovio

Das US-Biotechunternehmen, das in den Vereinigten Staaten seit Jahren in Kritik wegen seiner überzogenen Ankündigungen steht, hat in einer frühen Studie vielversprechende Ergebnisse erzielt. Der Impfstoff rief bei 34 der 36 gesunden Freiwilligen im Alter von 18 bis 50 Jahren Immunantworten hervor. Der Beginn einer Phase -II-Studie verzögert sich jedoch nun auf September; ursprünglich war der Sommer als Startpunkt genannt worden. Inovio wartet noch auf die Freigabe der Untersuchung durch die US-Aufsicht.
 

 
© medinlive | 24.11.2020 | Link: https://www.medinlive.at/wissenschaft/status-der-sars-cov-2-impfstoffentwicklung