Wiener Forscher arbeiten an verbesserter CAR-T-Zelltherapie

Im Christian Doppler (CD) Labor für CAR-T-Zellen einer nächsten Generation entwickeln Wissenschafter der St. Anna Kinderkrebsforschung und der Universität für Bodenkultur Wien einen komplett neuartigen CAR-T-Zell-Prototypen, der präziser gegen Tumorzellen und schonender für gesundes Gewebe eingesetzt werden kann. Ergebnisse dazu wurden jetzt in „Nature Communications“ publiziert.

red/Agenturen

Die Krebstherapie mit Chimeric Antigen Receptor (CAR) -T-Zellen greift Tumorzellen an und wird bereits erfolgreich bei bestimmten Arten von Blutkrebs eingesetzt. CARs sind künstlich hergestellte Rezeptor-Moleküle, deren genetische Bauanleitung bestimmten weißen Blutzellen, den T-Lymphozyten, eines Patienten verabreicht wird.

Die auf diese Weise im CD-Labor „scharf“ gemachten Blutzellen nennt man CAR-T-Zellen. Sie werden dem Patienten injiziert und tragen nun den neuen Rezeptor (CAR) an ihrer Oberfläche. Damit erkennen und attackieren sie Tumorzellen, welche die entsprechenden Andockstellen für die CAR-Rezeptoren aufweisen. Diese Andockstellen, nämlich Tumor-assoziierte Antigene, sind aber auch häufig auf gesunden Körperzellen vorhanden. Werden sie ebenfalls angegriffen, kann das fatale Nebenwirkungen haben (=on-target/off-tumor-Toxizität).

Um die Therapie spezifischer gegen Krebszellen zu richten, entwickelten die Wiener Wissenschafter „Aviditäts-kontrollierte CARs“ (AvidCARs). „Dafür verwenden wir für unsere CARs Antigen-Bindungsstellen, deren Bindungsstärke zu den Andockstellen auf den Krebszellen stark verringert ist. Diese verminderte Bindungsstärke bewirkt, dass das CAR-Molekül erst nach einer zweifachen Wechselwirkung aktiviert wird“, wurde Michael Traxlmayr, Biochemiker an der Universität für Bodenkultur Wien, in einer Aussendung zitiert.

Er fügte hinzu: „Dieses neuartige Design erlaubt es, CARs zu konstruieren, die mit zwei unterschiedlichen Bindungsarmen eine tumorspezifische Kombination aus zwei verschiedenen Andockstellen erkennen. Zusätzlich kann der Zusammenbau - und somit die Funktion - des neuen CAR-Moleküls auch noch über ein Medikament reguliert werden. Dies könnte in Zukunft die Kontrolle der CAR-T-Zell-Aktivität sogar noch nach der Verabreichung ermöglichen.“

 
© medinlive | 26.11.2020 | Link: https://www.medinlive.at/wissenschaft/wiener-forscher-arbeiten-verbesserter-car-t-zelltherapie