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Gesundheitsministerium: Bundesländer sollen auf EMS-Zahlen umsteigen

Ein neuer Versuch des Gesundheitsministeriums für Transparenz im Sinne einer einheitlichen Kommunikation der Corona-Zahlen hat kurz vor den geplanten Änderungen des Lockdowns für Aufregung gesorgt. Einem Online-Bericht der Gratiszeitung „Heute“ zufolge habe das Ministerium die Länder am Dienstag gebeten, künftig die derzeit niedrigeren Werte aus dem Elektronischen Meldesystem (EMS) der Labore zu übermitteln. Bis dato blieben die Länder bei der bisherigen Vorgehensweise.

red/Agenturen

Aus Sicht des Gesundheitsministerium kam es jedoch zu einem Missverständnis. In Abstimmung mit den Bundesländern und dem Innenministerium (BMI) soll in den kommenden Tagen nun eine gemeinsame Vorgehensweise finalisiert werden, die neben der gewünschten Vereinheitlichung der Daten auch eine Arbeitsreduktion für die Länder bedeuten soll.

Laut Ministerium geht es darum, mit einer mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) seit einigen Wochen umgesetzten Bereinigung der Daten, die Doppelmeldungen oder fehlerhafte Einträge betreffe, mit einem einheitlichen Erhebungszeitpunkt die Unterschiede bei den Zahlen in Zukunft zu verhindern. Anfang Oktober hat die AGES bereits das Dashboard übernommen und dort ausschließlich das Labordiagnosedatum aus dem EMS herangezogen. Den Bundesländern sollen nun die von der AGES aufbereiteten Zahlen als Service angeboten werden, die Meldungen ins EMS von 0.00 bis 24.00 Uhr des jeweiligen Vortages umfassen.

Auch das Burgenland sei aus dem Gesundheitsministerium angewiesen worden, die Zahlen aus dem EMS zu übermitteln, war aus dem Koordinationsstab Coronavirus des Landes zu hören. Man werde aber weiterhin die amtlich bestätigten Zahlen weiterleiten, die man von den Bezirksbehörden erhalte, hieß es gegenüber der APA.

   In Niederösterreich werde man nach Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium vorerst ebenfalls nicht zu einem neuen System zur täglichen Auflistung der Corona-Zahlen übergehen. Aus dem Ministerium sei zunächst die Anweisung gekommen, dafür ab Dienstag die AGES-Morgenauswertung als Quelle zu verwenden, erklärte ein Sprecher von Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ). Bisher war der Wert des AGES-Dashboards herangezogen worden, der sich in Niederösterreich auf die Angaben des Landessanitätsstabes stütze. Aufgrund von Aktualisierungsproblemen habe sich aber am Dienstag gezeigt, dass die Zahlen "deutlich abweichen", erklärte der Sprecher. Dies gehe auf Stichtermine zur Einmeldung der jeweiligen Daten zurück. Nun soll künftig wieder das "bewährte System" zur Anwendung kommen. "Hinter jeder Zahl steht hier ein getesteter Mensch", hieß es aus dem Büro der Landesrätin. Warum das Ministerium umsteigen wollte, sei unklar.

   Im Rahmen der täglich stattfindenden Morgensitzung des Krisenstabs SKKM melden die Bundesländer derzeit zusätzlich die jeweiligen epidemiologischen Kennzahlen ein - diese werden dann per Originaltext-Service OTS publiziert und unter anderem auch von der APA medial aufbereitet. Ebenso publiziert seit Beginn der Pandemie auch das Gesundheitsressort Kennzahlen, wie später auch die AGES - Zahlen, die ebenfalls in den Medien verwertet werden. Diese Mehrgleisigkeit von offiziellen Zahlen habe zu Differenzen geführt und damit für Verwirrung gesorgt, hieß es vom Gesundheitsministerium. Dies spiegle sich aktuell auch in vorgeblich niedrigeren Zahlen bei Infizierten und Verstorbenen wider. Der Unterschied in den aktuellen Zahlen ergibt sich demnach durch Verzögerungen bei den Einmeldungen ins EMS und den unterschiedlichen Erhebungszeitpunkten.

   Zuletzt betrugt die Differenz zwischen SKKM- und EMS-Zahl gestern, Montag, etwa rund 1.700 Fälle bei den gesamten Infektionen seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Aktuell wären die EMS-Zahlen also geringer ausgefallen, jedoch waren beispielsweise im Zeitraum von 11. bis 14. November wiederum die EMS-Zahlen höher als jene, die vom SKKM übermittelt worden sind. Dass es auch bei den Todesfällen zu Unterschieden kommt, liegt wiederum daran, dass die AGES diese erst beurteilen kann, wenn sie im EMS eingemeldet wurden - auch hier kam es immer wieder zu Verzögerungen.
 

 
© medinlive | 14.06.2021 | Link: https://www.medinlive.at/gesellschaft/gesundheitsministerium-bundeslaender-sollen-auf-ems-zahlen-umsteigen