Corona-Impfstoff

Ärztekammer-Vize Mayer sieht „deutliche Schieflage“

Kritik an fehlender Organisation im Corona-Impfmanagement und die Forderung nach Konsequenzen, sollte die Prioritätenliste nicht eingehalten werden, kommt vom Vizepräsidenten der Österreichischen Ärztekammer, Harald Mayer. Fehlende Organisation im Impfmanagement sei mitunter ein Grund dafür, dass manche nun bereits geimpft seien, obwohl sie nicht der aktuell zu impfenden Gruppe zugeordnet sind.

red/Agenturen

„Hier zeigt sich eine deutliche Schieflage: Während in manchen Regionen Spitäler auf ihre Impfdosen warten, werden gleichzeitig in denselben Regionen andere geimpft, die in der Prioritätenliste weiter unten stehen“, kritisierte der Bundeskurienobmann der angestellten Ärzte. Wichtig sei, dass das Gesundheitspersonal und die vulnerablen Gruppen durchgeimpft würden, bevor andere an die Reihe kommen.

Der Impfstoff ist knapp, von BioNTech/Pfizer steht kurzfristig rund 20 Prozent weniger Vakzine zur Verfügung als erwartet wegen einer Umstellung der Produktion, und die Nachfrage ist groß. „In so einer Situation, in der wir zu wenig Impfstoffe haben, ist es besonders wichtig, dass die Prioritätenliste eingehalten wird. Ist das nicht der Fall, dann darf das nicht ohne Konsequenzen bleiben“, forderte Mayer.

Entscheidungsträger müssen Vorbilder sein

Im heimischen Gesundheitswesen habe man wenig Erfahrungen mit Mangelsituationen wie aktuell, sagte Gerald Bachinger, Sprecher der PatientenanwältInnen, im Mittagsjournal des ORF-Radios. Entscheidungsträger müssten jetzt Vorbilder sein, viel Sensibilität zeigen und jeden Eindruck verhindern, dass „man sich vorreiht“. Dass die Verteilung der Impfungen nunmehr bei den Ländern liegt, hält er grundsätzlich für positiv, es müsse aber nachjustiert werden. Und der Bund habe sich womöglich zu stark zurückgenommen.

Die Impfstoff-Knappheit sei aber auch selbst verschuldet, meinte Mayer. „Die EU hat bei den Bestellungen der Impfdosen gezögert und zu spät zu wenig nachbestellt“, kritisierte er. Aus einzelnen Ländern sei berichtet worden, dass abseits der EU-Vereinbarungen zusätzlicher Impfstoff gekauft wurde: „Es sind jetzt alle Entscheidungsträger gefordert, das Impfmanagement endlich auf Schiene zu bringen. Der wirtschaftliche, soziale und psychische Schaden in der Bevölkerung darf nicht größer gemacht werden, weil das Management versagt“, betonte Mayer.

 

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