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Coronavirus

Bürgermeister von Bad Gastein und Lienz ließen sich impfen

Die Liste der geimpften Lokalpolitiker wird trotz der aktuellen Debatte um Impfvordrängler länger. Am Donnerstag hat sich auch der ÖVP-Bürgermeister von Bad Gastein, Gerhard Steinbauer, impfen lassen. Auch die Lienzer Bürgermeisterin und ehemalige Tiroler SPÖ-Landesparteivorsitzende Elisabeth Blanik ist laut Medienberichten bereits gegen das Coronavirus geimpft worden. Blanik sah jedoch kein Fehlverhalten. Auch Steinbauer betonte, sich nicht vorgedrängt zu haben.

red/Agenturen

„Ich bin von Anfang an in meiner Funktion auf der Prioritätenliste der Gemeinde gestanden“, sagte der Bad Gasteiner Ortschef Steinbauer zur APA. „Keinesfalls habe ich mich für eine Impfung vorgedrängt.“ Steinbauer hat auch die Bürger der Gemeinde in einem Schreiben über seine Impfung informiert.“   „Das Salzburger Hilfswerk hat als Betreiber des Seniorenheimes bereits vor einigen Wochen eine Impfstrategie entwickelt und eine Prioritätenliste erstellt. Darauf standen neben den Bewohnern und Mitarbeitern auch das Personal vom Betreuten Wohnen, Ärzte und Apotheker und eben auch mein Name“, sagte der 59-jährige Steinbauer gegenüber der APA. Er sei als Bürgermeister Vertreter des Rechtsträgers des Seniorenheimes. In dieser Eigenschaft sei es auch seine Aufgabe, regelmäßige Besprechungen mit dem Betreiber zu führen.

„Mit der Impfung ist es mir nun auch endlich wieder möglich, unsere Seniorinnen und Senioren zu besuchen. Und zum Beispiel die in den letzten drei Monaten coronabedingt abgesagten Geburtstagsgratulationen wieder aufzunehmen“, erklärte er im Schreiben an die Bürger via Facebook. Und weiter: „Es war mir ein Anliegen mit gutem Beispiel voranzugehen und mit diesem - wohlüberlegten - Schritt Impfverweigerer und Impfskeptiker von der Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der Corona-Impfung zu überzeugen.“

Insgesamt seien zu den ersten Corona-Impfungen in Bad Gastein heute 163 oder 164 Personen angemeldet gewesen. „Ob alle gekommen sind, weiß ich noch nicht“, sagte Steinbauer zur APA. Er halte es aber für richtig, dass er heute geimpft wurde. „Nur weil ein paar Menschen glauben, es wäre ein Skandal, habe ich das nicht zurückgezogen. Ich will für mich sicher keine Ausnahme, aber es wäre auch eine Ausnahme gewesen, als einziger wieder von der Prioritätenliste genommen zu werden. So viel Selbstachtung und Achtung vor dem Amt habe ich.“

 

Auch in der oberösterreichischen Gemeinde St. Georgen im Attergau hat sich ÖVP-Bürgermeister Ferdinand Aigner mit einer Restdosis impfen lassen. Wegen einer schweren Darmerkrankung sei er ein „Hochrisikopatient“, sowohl sein Hausarzt als auch behandelnde Spitalsätze hätten ihm zu einer Impfung geraten. Als das Angebot von Seniorenheim kam, habe er es angenommen, betätigte er der APA einen Bericht der „Krone“ (Donnerstag-Ausgabe). Er habe aber weder eine Dosis für sich reservieren lassen noch sich vorgedrängt.

Lienzer Bürgermeisterin weist Kritik zurück

Die Lienzer Bürgermeisterin Blanik, die laut laut Medienberichten ebenfalls bereits geimpft worden ist, wies ein Fehlverhalten zurück, zumal sie als Obfrau im Gemeindeverband Bezirksaltenheime Lienz in Osttirol vier Heime führe. Sie sei „permanent vor Ort“ und habe dort auch ihr Büro, argumentierte sie gegenüber dem „Kurier“ und der „Tiroler Tageszeitung“ (Online-Ausgaben) am Donnerstag.

„Ich bin für über 400 Mitarbeiter zuständig und bin als Verantwortliche ganz klar im Impfplan des Bundes integriert“, meinte Blanik. Sie sei auf der Ersatzliste für übrig gebliebene Dosen gestanden. „Ich finde es richtig und wichtig, wenn die Leute, die dort tätig sind, geimpft werden“. Dies betreffe alle, wie etwa Seelsorger oder ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Debatte an sich bezeichnete sie zudem als „absurd“.

Nachdem Bewohner und Mitarbeiter geimpft wurden, sei das Verwaltungspersonal an der Reihe, zu dem sie schließlich auch gehöre. „Ich habe das nicht als Politikerin gemacht, sondern als Leiterin der Wohn- und Pflegeheime“. Kein Verständnis habe sie allerdings, wenn Verwandte oder Ehefrauen von Politikern geimpft werden.

Feldkircher Bürgermeister bittet um Entschuldigung

Unterdessen entschuldigte sich der Feldkircher Bürgermeister Wolfgang Matt (ÖVP), der nach seiner bekannt gewordenen Corona-Impfung und seinem viel diskutierten „ZiB2“-Auftritt in Kritik geraten war: „Im Nachhinein betrachtet, war mein Handeln unüberlegt und ich würde heute in derselben Situation anders handeln.“ Er bitte daher all jene, die den Eindruck gewonnen hätten, er habe sich vordrängen oder jemandem eine Impfdosis vorenthalten wollen, um Verzeihung.

In seiner ersten Stellungnahme am 19. Jänner, in der er versucht habe, seine Sicht der Dinge auf sachlicher Ebene einzubringen, habe etwas Entscheidendes gefehlt, das sich viele „von mir erwartet haben oder erwarten“, nämlich „Ein Wort des Bedauerns und der Entschuldigung“. Es sei zu keinem Zeitpunkt seine Absicht gewesen, seine Position als Bürgermeister auszunutzen. „Vielmehr war mir die Tragweite meiner Entscheidung, die übrig gebliebene Impfdosis anzunehmen, in diesem Moment schlicht und ergreifend nicht bewusst“, so Matt. Er werde sich bemühen, „die Rechtfertigung des in mich gesetzten Vertrauens der Feldkircherinnen und Feldkircher im Mittelpunkt meines Handelns zu behalten.“