Corona-Impfung

Corona-Impfskandale erschüttern Spaniens Parteien

Spaniens Politiker werden nicht müde, die Bevölkerung zu ermahnen, sich strikt an Maßnahmen und Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie zu halten. Doch selber scheinen sich nicht alle Politiker an die Regeln zu halten. In den vergangenen Tagen wurden bereits zahlreiche Fälle aus verschiedenen Parteien bekannt, in denen sich Bürgermeister und Regionalpolitiker gegen Covid-19 impfen ließen, obwohl sie laut Impfprotokollen noch gar nicht an der Reihe waren.

red/Agenturen

Am Donnerstag schlossen Spaniens regierende Sozialisten erstmals eine sozialistische Bürgermeisterin aus der südspanischen Stadt Molina de Segura aus der Partei aus. Sie behauptete, Risikopatientin zu sein. In zwei katalanischen Kleinstädten waren zwei sozialistische Lokalpolitiker noch dreister. Angeblich waren Impfdosen übrig und mussten benutzt werden. Sie hätten sich freiwillig zur Verfügung gestellt.

Der Aufschrei war nicht nur in den Medien groß. Auch Spaniens konservative Volkspartei und die rechtspopulistische Vox wetterten gegen die Sozialisten. Doch nach einigen Tagen kamen auch Fälle in ihren Parteien ans Licht, in denen Parteikollegen sich impfen ließen, ohne ein Anrecht gehabt zu haben. Mehrere Fälle gab es auch in Kataloniens separatistischen Parteien ERC und JxCat. Ines Arrimadas von den liberalen Ciudadanos forderte alle Parteien zu einem Pakt auf, Politiker, die den Impfplan umgehen, umgehend aus den Fraktionen zu schmeißen. „Wir können so ein Verhalten nicht dulden“, stimmte ihr Spaniens stellvertretender Regierungschef Pablo Iglesias von der Linkspartei Podemos zu.

Am Mittwoch traten landesweit bereits acht Bürgermeister und vier regionale Gesundheitsräte zurück, weil sie sich anscheinend aufgrund von Freunderlwirtschaft oder politischem Druck vorzeitig gegen das Covid-19-Virus impfen ließen. Einige Politiker gaben sogar an, aufgrund ihres Arztberufs Anrecht darauf gehabt zu haben, obwohl in der derzeitigen Impfphase lediglich die Impfung praktizierender und mit Covid-Patienten arbeitender Mediziner vorgesehen ist. So traten sogar die Leiter zweier baskischer Krankenhäuser zurück, die sich impfen ließen ohne Covid-Patienten zu betreuen.

Unterdessen breitet sich das Coronavirus weiter ungebremst in Spanien aus. Am Donnerstag lag die 7-Tage-Infektionsinzidenz in Spanien bei 736 Fällen pro 100.000 Einwohner. Es wurden 41.576 Neuinfektionen registriert. Fast 20 Prozent aller spanischen Intensivstationsbetten sind bereits mit Covid-Patienten belegt. Am Donnerstag erlaubte das spanischen Gesundheitsministerien mehreren Regionalregierungen, wie von ihnen gewünscht, die Speerstunde auf 20.00 Uhr vorzuverlegen.
 

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