Höhere Sterblichkeitsraten bei Vorhofflimmern in reicheren Ländern

In den wohlhabenderen Ländern Europas sind die Sterblichkeitsraten bei Patienten mit Vorhofflimmern höher als in den ärmsten Staaten. Diese Raten steigen zudem schneller an als die neudiagnostizierten Fälle der Herzrhythmusstörung. Das zeigt eine im "European Heart Journal" veröffentlichte Analyse von Daten in 20 europäischen Ländern zwischen 1990 und 2017. In Österreich, Dänemark und Schweden gab es zur Mitte des Untersuchungszeitraums Spitzenwerte bei den Neuerkrankungen.

red/Agenturen

Die Inzidenzen der drei Länder spiegelten sich laut dem Fachblatt auch in den Sterblichkeitsraten wieder. Schweden hatte die höchsten Raten bei Männern und Frauen: Neun pro 100.000 Einwohner im Jahr 2017, wobei die Sterblichkeitsrate bei Männern zwischen 2001 und 2006 jährlich um sechs Prozent stark anstieg. In Schweden und Dänemark sanken die Sterblichkeitsraten nach dem anfänglichen Zuwachs im Gegensatz zu den Inzidenzraten nicht und gehörten bis 2017 zu den höchsten in Europa.

In Ländern mit niedrigerem Bruttoinlandsprodukt (BIP) waren im Lauf der Jahre mit wenigen Ausnahmen eine geringere Abweichung und ein stetiger Rückgang der Neuerkrankungen zu verzeichnen. In Portugal gab es beispielsweise zwischen 2006 und 2009 ein großes Minus bei der Inzidenz. In Kroatien sanken die Inzidenzraten in den ersten zehn bis 20 analysierten Jahren auf die niedrigsten Werte in Europa, stiegen jedoch zwischen 2006 und 2010 bei Männern stark an (plus 2,5 Prozent pro Jahr) - und langsamer bei Frauen zwischen 2010 und 2017 (plus 1,2 Prozent pro Jahr).

Das Verhältnis von Mortalität zu Inzidenz blieb in vielen Ländern über die 28 Jahre des Untersuchungszeitraums ungefähr gleich. Die Analyse ergab jedoch, dass Frauen, die an Vorhofflimmern erkrankten, in allen 20 untersuchten europäischen Ländern häufiger als Männer daran starben. Die Unterschiede reichten von relativ gering in Bulgarien, wo das Verhältnis bei Frauen 5,4 Prozent höher war als bei Männern, bis groß in Deutschland mit einer Rate von 74,5 Prozent. In Österreich verringerte sich das Geschlechterverhältnis von 45,7 Prozent im Jahr 1990 auf 19 Prozent im Jahr 2017.

Markus Sikkel, der an zwei Universitäten in der kanadischen Stadt Victoria forscht, und Becker Al-Khayatt vom Croydon University Hospital in London leiteten das Forscherteam für die Studie. "Das Verhältnis der Todesfälle zu den neudiagnostizierten Fällen von Vorhofflimmern in Europa hat sich im Lauf der Zeit nicht verbessert und nimmt in vielen europäischen Ländern trotz offensichtlicher Fortschritte bei Behandlung und Pflege zu", erläuterte Sikkel.

"Wir glauben, dass dies auf unterschiedliche Lebensstile in wohlhabenderen westeuropäischen Ländern zurückzuführen sein könnte, in denen Risikofaktoren wie Fettleibigkeit, Alkoholkonsum und Bewegungsmangel häufiger auftreten als in weniger wohlhabenden osteuropäischen Ländern", sagte der Mediziner. Auch der sogenannte Überlebenseffekt, bei dem Menschen aufgrund besserer Behandlungen für andere Krankheiten wie zum Beispiel Krebs, eine längere Lebenserwartung haben, könnte dazu führen, dass mehr ältere Menschen an Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems sterben. Vorhofflimmern ist eine der am häufigsten diagnostizierten Herzrhythmusstörungen und kann zu Schlaganfall und Herzinsuffizienz führen.