Weltkrebstag:

Anschober will psychologische Begleitung verstärken

Das Gesundheitsministerium will in Zukunft einen stärkeren Fokus auf die psychologische Begleitung von Krebspatienten legen. Eine Krebsdiagnose stelle für die Betroffenen ein krisenhaftes Ereignis dar, betonte Rudolf Anschober (Grüne) am Mittwoch einen Tag vor dem Weltkrebstag. Eine Umfrage ergab, dass Krebs den Österreichern mehr Angst als Corona macht.

red/Agenturen

„Rund 25 bis 30 Prozent aller Krebspatienten entwickeln zusätzlich eine behandlungsbedürftige psychische Störung, die auch den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst“, sagte Rudolf Anschober. „Daher ist es geboten, die psychoonkologische Versorgung verstärkt in den Fokus zu nehmen“, erläuterte der Gesundheitsminister. Es sei eine Bestandserhebung diesbezüglich in Österreich durchgeführt worden. In einer Studie wurde zudem die Versorgung mit psychosozialer Betreuung für Kinder und Jugendliche mit einer Krebserkrankung analysiert.

„Wir arbeiten auch mit vollem Einsatz an der Umsetzung des Krebsrahmenprogramms. 2021 wird ein Schwerpunkt auf Maßnahmen zur krebsspezifischen Gesundheitskompetenz gesetzt. Die Qualität von Gesundheitsinformation und -kommunikation ist enorm wichtig für persönliche Entscheidungen bezüglich der Inanspruchnahme von Vorsorge-Untersuchungen, aber auch hinsichtlich Behandlungsentscheidungen und der aktiven Mitwirkung an einer Krebstherapie“, erläuterte Anschober.

Auch am Survivorship Passport werde weitergearbeitet. In diesem werden - speziell bei Kindern und Jugendlichen - die onkologischen Diagnosen und Therapien zusammenfasst und individuelle Nachsorgeempfehlungen festgehalten. Dadurch soll die multidisziplinäre Versorgung und Nachsorge verbessert werden. „Auch, wenn Corona im Gesundheitsbereich derzeit das dominierende Thema ist: Krebserkrankungen sind für etwa ein Viertel der jährlichen Todesfälle verantwortlich. Daher braucht es Engagement und Initiative, um dazu beizutragen, diese Zahlen zu senken“, sagte Anschober.

Krebs macht Österreichern mehr Angst als Corona

In Österreich erkranken jedes Jahr etwa 40.000 Menschen an Krebs, jeder vierte Österreicher erhält im Laufe seines Lebens diese Diagnose. Einschlägige Vorsorgeuntersuchungen erfreuen sich zwar eines hohen Bekanntheitsgrades, werden aber zu selten genützt. Dabei macht den Österreichern eine mögliche Krebserkrankung mehr Sorge als etwa eine Infektion mit dem Coronavirus, ergab eine aktuelle Umfrage unter 1.000 Personen (TQS Marktforschung) im Auftrag der Donau Versicherung.

Obwohl sich mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer als zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem aktuellen Gesundheitszustand zeigten, gaben auch 42 Prozent der Befragten an, Sorge zu haben, im Laufe des Lebens an Krebs zu erkranken. Mit Abstand auf Platz zwei folgt erst die Sorge vor Corona (30 Prozent). „Wenig überraschend hat auch die Angst vor psychischen Erkrankungen, Platz drei mit 21 Prozent, stark zugenommen“, sagte TQS-Leiterin Angelika Sonnek, das sei eine direkte Auswirkung des Lockdowns.

Die Corona-Pandemie hatte auch negative Auswirkungen auf das Nutzungsverhalten von Gesundheitsuntersuchungen. 59 Prozent der Befragten gaben an, seit dem ersten Lockdown keine Vorsorgeuntersuchungen mehr in Anspruch genommen zu haben, 40 Prozent einen oder gar mehrere Termine bei Ärzten oder Krankenhäusern abgesagt oder ausgelassen zu haben. "Corona hat das Bewusstsein anderer Erkrankungen verdrängt", sagte Sonnek.

„Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass die Österreicher sehr gut auf ihre Gesundheit achten“. So hatte etwa die Hälfte der Befragten angegeben, regelmäßig Sport zu betreiben, über 50 Prozent wollten das Rauchen, genauso viele den Alkoholkonsum vermeiden, 46 Prozent achteten auf gesunde Ernährung. "Das ist eine absolut positive Entwicklung“, sagte Sonnek.