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IHS Studie: Milliardenkosten für Österreich durch Rauchen

Bei einer Angleichung an Finnland könnte ein Einsparungspotenzial von einer Mrd. Euro erreicht werden, wie es von der Kassenreform erhofft wird.

red/Agenturen
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Mit 800.000 Unterstützern ist „Don't Smoke“ bereits ein Platz unter den zehn stärksten Volksbegehren seit 1945 sicher.
Stefan Seelig

Rauchen schädigt Österreich pro Jahr um rund 2,4 Milliarden Euro oder 0,68 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Bei Abzug der Tabaksteuereinnahmen von rund 1,8 Milliarden Euro bleiben rund 665 Millionen Euro an Nettokosten pro Jahr (Datenbasis 2016) übrig. Das zeigen Berechnungen von Experten des Instituts für Höhere Studien (IHS) um Thomas Czypionka vor dem „Don't Smoke“-Volksbegehren.

„Rauchen ist für 16 Prozent der Sterbefälle in Österreich verantwortlich, darunter auch für 230 Sterbefälle jährlich durch das Passivrauchen. Rauchen verursacht erhebliche Kosten für die Gesellschaft: rund 2,41 Mrd. Euro oder 0,7 Prozent des BIP. Selbst bei Gegenrechnung mit Einsparung bei Alterspensionen (weil Raucher und Passivraucher früher sterben; Anm.) sowie Tabaksteuereinnahmen verbleiben jährliche Nettokosten von rund 665 Mio. Euro oder 0,2 Prozent des BIP“, stellen die Gesundheitsökonomen in ihrer am Freitag präsentierten Untersuchung fest.

In einer Vorgängerstudie im Jahr 2008 hatte das IHS die Gesamtkosten für das Rauchen in Österreich für das Jahr 2003 mit 1,64 Mrd. Euro taxiert. Seither sind die Berechnungsmethoden aber besser geworden.

Pro Jahr sterben demnach geschätzte 12.840 Menschen in Österreich direkt oder indirekt am Tabakkonsum (8.010 Männer, 4.830 Frauen). Davon entfallen rund 230 Sterbefälle auf Passivrauchen inklusive der Tod von elf Kindern innerhalb des ersten Lebensjahres, wie die Gesundheitsökonomen feststellten. Männer, die rauchen, haben eine um durchschnittlich 7,5 Jahre verringerte Lebenserwartung, Frauen eine um 6,3 Jahre reduzierte Lebenserwartung. Bei den Passivrauchern - um deren Schutz geht es vor allem beim am 1. Oktober startenden „Don't Smoke“-Volksbegehren - ist die Lebenserwartung immerhin auch noch um 0,6 Jahre reduziert.

Die türkis-blaue Bundesregierung, welche das von der ÖVP ehemals mitbeschlossene Gastro-Rauchverbot wieder gekippt hat, erwartet von der von ihr geplanten Zusammenlegung der Krankenkassen auf fünf Sozialversicherungsträger in den kommenden Jahren Einsparungen von einer Milliarde Euro, was von Kritikern bezweifelt wird. Allein aber 630,5 Mio. Euro kostete laut dem IHS das Rauchen im Jahr 2016 in Österreich an direkten medizinischen Kosten. Direkte nicht-medizinische Kosten (z.B. Krankengeld, Pflegeausgaben, Invaliditätspension etc.) machten 197,5 Mio. Euro aus. Die indirekten Aufwendungen (Krankenstände, verminderte Erwerbstätigkeit, vorzeitige Sterblichkeit etc.) machten schließlich 1,492 Mrd. Euro aus. Damit erreichen die volkswirtschaftlichen Verluste, welche durch den Tabakkonsum in Österreich zu verbuchen sind, 2,411 Mrd. Euro. Die Tabaksteuereinnahmen betrugen 2016 hingegen knapp 1,835 Mrd. Euro. Die Nettokosten betragen somit rund 665 Mio. Euro.

Die IHS-Gesundheitsökonomen haben auch eine Modellrechnung mit einem Vergleich zu Finnland durchgeführt. In dem skandinavischen Land rauchten 2014 14,4 Prozent der Männer und 10,9 Prozent der Frauen, hingegen 26,5 Prozent der österreichischen Männer und 22,1 Prozent der Österreicherinnen. In Finnland waren in jenem Jahr 2,3 Prozent der Männer Passivraucher, ebenso 1,5 Prozent der Frauen (Österreich: 9,8 Prozent der Männer und 7,1 Prozent der Frauen). Eine Angleichung des Raucherniveaus in Österreich auf jenes von Finnland würde in etwa jenes Einsparungspotenzial bringen, das die österreichische Bundesregierung von ihren Sozialversicherungs-Strukturreformen erwartet. „Durch Senkung der Prävalenzraten (Anteil der Raucher/Passivraucher; Anm.) auf Niveau Finnland könnten jährliche 1,05 Mrd. Euro (...) eingespart werden (...).“

Ärztekammer appelliert an Regierung

Die Studienergebnisse bestärken die Initiatoren des Nichtraucherschutz-Volksbegehrens Don't Smoke (1. bis 8. Oktober 2018) – Ärztekammer und Krebshilfe – in ihrem Anliegen, auch nach der Eintragungswoche weiterhin vehement für die Umsetzung von umfassenden Nichtraucherschutzmaßnahmen durch die Politik einzutreten. „Denn abseits aller nicht wegzuredenden negativen gesundheitlichen Aspekte kosten Tabakkonsumenten dem Staat mehr an Pflege- und Gesundheitsausgaben, als sie dem Staat durch die Einnahmen durch die Tabaksteuer letztendlich bringen“, so Thomas Szekeres, Präsident der Wiener Ärztekammer. Außerdem verursachen Tabakkonsumenten wegen Arbeitsausfällen durch häufigere Krankenstände zusätzliche Kosten für die Wirtschaft. Szekeres appelliert daher an alle Österreicherinnen und Österreicher, die das Nichtraucherschutz-Volksbegehren Don't Smoke in der Unterstützungsphase noch nicht unterschrieben haben, dies in der offiziellen Eintragungswoche in einem beliebigen österreichischen Gemeinde- oder Bezirksamt oder auch per digitaler Handysignatur zu tun, denn: „Nichtraucherschutz rettet Leben!“

Das Volksbegehren Don't Smoke läuft vom 1. bis 8. Oktober 2018. Die gesetzlich vorgegebenen Öffnungszeiten der Gemeinde-/Bezirksämter sind an Werktagen von 8.00 bis 16.00 Uhr (zweimal bis 20.00 Uhr, jedenfalls am letzten Tag des Eintragungszeitraums) sowie am Samstag von 8.00 bis 12.00 Uhr (bei Gemeinden unter 2500 Einwohnern nur zwei Stunden innerhalb dieser Zeitspanne). Mehr Informationen und Details erfahren Sie unter www.dontsmoke.at.

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APA