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Coronavirus

Tirols südafrikanisches Problem

Die Verbreitung der südafrikanischen Mutation des Coronavirus in Tirol könnte zu einer Abschottung einzelner Gebiete führen. Es ist aber auch nicht ausgeschlossen, dass das ganze Land unter Quarantäne gestellt wird. Die Regierung prüft derzeit mit Experten alle Optionen. Mit eben dieser Meinung sorgte die Virologin Dorothee von Laer von der Medi-Uni Innsbruck gestern Abend für Aufsehen. Gleichzeitig übt die Beraterin der Bundesregierung scharfe Kritik am Land Tirol im Umgang mit den Corona-Mutanten und warnt vor einem „zweiten Ischgl“.

red/Agenturen

Tirol gilt inzwischen als europäischer Hotspot der südafrikanischen Mutante des Coronavirus. Diese ist nicht nur ansteckender, sondern könnte auch zu Re-Infektionen führen bzw. könnte die Impfung nicht so gut gegen sie wirken. Dazu kommen weitere beunruhigende Neuigkeiten: Laut von Laer sind zumindest zwei bis drei eigenständige Tiroler Mutationen der südafrikanischen Variante aufgetreten. Welche Eigenschaften diese haben, weiß man aber noch nicht.

Auch im Gesundheitsministerium ist man besorgt und schließt Reisebeschränkungen nicht aus: „Derzeit werden die Verdachtsproben aus Tirol endausgewertet. Sobald diese Ergebnisse vorliegen, werden wir mit dem Land Tirol auf Basis dieser Ergebnisse sofort das Gespräch über weitere notwendige Maßnahmen zur Eingrenzung führen. Eine möglichst breite Testung in der betroffenen Region ist der erste Schritt dazu“, heißt es auf „Presse“-Nachfrage.

Die Verbreitung der südafrikanischen Mutation des Coronavirus in Tirol ist laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) „ernst". Das Land Tirol hat, wie der Minister am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien sagte, noch am Mittwoch ein „sehr straffes Fünf-Punkte-Programm aufgestellt, mit dem die Situation genau untersucht werden soll". Am Sonntag werden die Ergebnisse noch einmal analytisch angesehen.

Expertin warnt vor „zweitem Ischgl“

„Es gibt einen starken Anstieg. Aber das Land Tirol mauert und verschleiert wieder“, wird von Laer in „Kurier“ zitiert. Die Virologin wirft dem Land Tirol Untätigkeit beim Einfangen der Virusvariante vor und warnt vor einem „zweiten Ischgl“. „Sie habe bereits vor einer Woche angeboten, Sequenzierungen durchzuführen. „Stattdessen werden die Proben weiter an die AGES geschickt, von wo sie dann nach ein bis zwei Wochen wiederkommen. Wir sequenzieren hier in zwei bis drei Tagen“, erklärt die Virologin.

Geht es nach ihr, müssten drastische Maßnahmen ergriffen werden, über die von einer Taskforce beraten werden müsste. „Aber ich bin der Meinung, man müsste Tirol für ein Monat isolieren - vom Rest von Österreich und dem Ausland.“

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sieht bisher aber keine „exponentielle Ausbreitung“ der Mutationen, die Corona-Zahlen seien außerdem konstant. Bei 75 PCR-Proben wurde die südafrikanische Variante nachgewiesen, in 21 Fällen dagegen die britische, hieß es seitens des Landes am Abend.

Platter: „Situation ist ernst“

Reagieren will das Land nun auf diese Entwicklung mit einer Intensivierung der Coronatests und der Kontaktnachverfolgung. Zudem setze man auf eine „eigene Analyse-Laborinfrastruktur“. Schon bisher konnte man auf eine „umfassende Datenlage zurückgreifen“, nachdem in Tirol „retrospektiv alle seit Anfang Jänner vorliegenden positiven Corona-Tests auf Auffälligkeiten untersucht werden“.

Für Platter stand jedenfalls fest, dass die aktuelle Situation „ernst“ sei und „unsere volle Aufmerksamkeit“ erfordere. Von jenen Personen, die mit der südafrikanischen Variante infiziert waren, galten noch fünf Personen als aktiv positiv - im Falle der britischen Variante war es nur mehr eine Person.

Auch für LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) sei jetzt „ein genaues Hinsehen auf die Entwicklungen“ erforderlich, nachdem hinsichtlich der Mutationen noch viele Fragen ungeklärt seien. Wie etwa „welchen Wirkungsgrad eine Covid-Impfung“ habe oder „wie sich eine bereits durchgemachte Infektion mit einer Mutation verhält“.

Das Land will nun die Testkapazitäten in den nächsten Tagen auf 50.000 Testungen pro Tag erhöhen. „Wir bitten alle Tirolerinnen und Tiroler, dieses Angebot zum eigenen Schutz und Schutz anderer anzunehmen und damit die Ausbreitung des Coronavirus in Tirol einzudämmen“, sagte Elmar Rizzoli, Leiter des Corona-Einsatzstabes. Dies betreffe besonders die Bevölkerung im Tiroler Unterland, wo die Mutationen aufgetaucht sind. Beim Contact-Tracing sollen außerdem mehr Mitarbeiter eingesetzt werden, zudem sollen die Hygiene- und Sicherheitskonzepte in den Alten- und Pflegeheimen geprüft und allenfalls nachgeschärft werden.

 

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