Indien

„Modicare“ soll 500 Millionen Inder versichern

Besonders Arme sollen von dem weltgrößten, staatlichen Programm, aufgefangen werden. 

ct/Agenturen

Die neue Sozialleistung für eine halbe Milliarde Inder sei „ein großer Schritt nach vorn auf dem Weg zu einer hochwertigen und bezahlbaren Gesundheitsversorgung für die Armen Indiens“, sagte Indiens Premierminister Narendra Modi, nach dem das Programm „Modicare“ benannt ist. Modi gab am Sonntag in Ranchi im Bundesstaat Jharkhand erste Gesundheitskarten an Versicherte aus.

In die Versicherung sollen nach Angaben der Regierung insgesamt bis zu 500 Millionen Inder aufgenommen werden. Es übernimmt Kosten von bis zu 500.000 Rupien (knapp 5.850 Euro) zur Behandlung schwerer Krankheiten. Die Regierung rechnet mit jährlichen Kosten von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro, die von der Zentralregierung und den Bundesstaaten getragen werden sollen.

Indiens Gesundheitsversorgung stark privatisiert

Indien gibt derzeit nur 1,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für die öffentliche Gesundheitsversorgung aus, so die Zahlen der Weltbank (2014). Es zählt damit zu den Schlusslichtern der weltweiten Statistik. Im Vergleich dazu gibt Österreich 8,7 Prozent des BIP für öffentliche Gesundheit aus.

In Indien gilt die öffentliche Gesundheitsversorgung weithin als katastrophal, es mangelt an Ärzten und Krankenhäusern. Die staatlich finanzierten Gesundheitseinrichtungen sind in einem maroden Zustand und deutlich unterrepräsentiert. 70 Prozent der Krankenhausbetten sind in privater Hand, so ein Report der Unternehmensberatung „McKinsey". Selbst wer Anspruch auf staatliche Gesundheitsleistungen hat, ist wegen Engpässen gezwungen, einen Teil der Kosten aus eigener Tasche zu bezahlen. So müssen Patienten beispielsweise Medikamente aus privaten Apotheken kaufen, weil Krankenhäuser nicht genügend Vorräte haben.

Medizinische Basisversorgung nicht abgedeckt

Die meisten Inder, die es sich leisten können, lassen sich daher in Privatkliniken behandeln. Für die ärmsten Bevölkerungsschichten sind solche Behandlungen aber nicht erschwinglich. Rund 69 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben werden von privaten Haushalten bezahlt. Infolge dieser Ausgaben rutschen jedes Jahr bis zu 64 Millionen Inder unter die Armutsgrenze, so die Angaben des Gesundheitsministeriums. Um diese Gruppe aufzufangen, wurde vor zehn Jahren das Nationale Krankenversicherungsprogramm (RSBY) gestartet, das nun von „Modicare“ ersetzt und ausgeweitet werden soll.

Nach Schätzungen der Regierung geben indische Familien durchschnittlich mehr als 60 Prozent ihrer Ausgaben für Medikamente und Gesundheitsversorgung aus. Experten haben den Aufbau der staatlichen Krankenversicherung daher begrüßt. Sie kritisieren aber, dass sie keine medizinische Basisversorgung, sondern nur die Behandlung schwerer und langwieriger Krankheiten abdeckt.

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Die Versicherung übernimmt Kosten von bis zu 500.000 Rupien (knapp 5.850 Euro) zur Behandlung schwerer Krankheiten.
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