Weltgesundheitstag: SOS-Kinderdorf besorgt um Psyche von Jugendlichen

SOS-Kinderdorf hat zum Weltgesundheitstag am Mittwoch eine Offensive für psychische Gesundheit von Jugendlichen gefordert. „Immer mehr junge Menschen leiden an ernsten psychischen Erkrankungen. Sie brauchen Hilfe - rasch, professionell und leistbar", betonte SOS-Kinderdorf-Geschäftsführer Christian Moser am Dienstag in einer Aussendung. Es brauche den Aufbau einer „Übergangspsychiatrie", flächendeckende Therapie auf Krankenschein und die Förderung digitaler Angebote.

red/Agenturen

„Die psychische Verfassung von Jugendlichen ist dramatisch", kritisierte Moser. „Gerade bei jungen Menschen ist es wichtig, sofort zu reagieren, wenn sie therapeutische oder psychiatrische Unterstützung benötigen", erläuterte Christoph Schneidergruber, Leiter des Ambulatoriums für Kinder- und Jugendpsychiatrie von SOS-Kinderdorf in Kärnten. Derzeit fehle in Österreich jedoch die nötige Infrastruktur dafür.

Bereits vor der Coronakrise fehlten laut der Aussendung rund 70.000 kassenfinanzierte Therapieplätze für Kinder und Jugendliche. Die Auswirkungen der Pandemie hätten den Versorgungsnotstand weiter verschärft. SOS-Kinderdorf forderte innovative Ansätze wie etwa Krisenbehandlung zuhause oder digitale Therapieangebote. „Seit dem ersten Lockdown hat sich in unseren Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie gezeigt, dass Therapien über Telefon oder Videochat gerade von Jugendlichen sehr gut angenommen werden", berichtete Schneidergruber.

Das österreichische Gesundheitssystem unterscheidet zudem zwischen Kindern bis 18 Jahren sowie Erwachsenen. Der Wechsel von der Kinder- und Jugendpsychiatrie zur Erwachsenenpsychiatrie sei für viele junge Menschen ein schwieriger Schritt, hieß es von SOS-Kinderdorf. Die Organisation schlägt deshalb vor, 15- bis 25-Jährige am Weg zum Erwachsenwerden mit Übergangspsychiatrie zu begleiten, wie dies etwa bereits in Deutschland geschehe.