Ein Jahr später: Wie die Schutzausrüstungsausgabe im Parkschlössl gelang

Als die Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 an Fahrt aufnahm, fehlte es in vielen Ordinationen und Spitälern am Notwendigsten: der Schutzausrüstung. Nachdem die Ärztekammer anfänglich selbst für Wien Material ankaufte, sollte auch die Verteilung gut abgewickelt werden. Das sogenannte „Parkschlössl“ im dritten Wiener Gemeindebezirk erwies sich dafür als passender Ort. Ein Jahr nachdem dort die Tore für die Ärzteschaft geöffnet wurden, zieht der Koordinator Andreas Kolm Bilanz.

ct/Agenturen
Stefan Seelig / Ärztekammer für Wien
Eindruck von der Maskenverteilung in der Landstraßer Hauptstraße.
Stefan Seelig / Ärztekammer für Wien

Dass die Liegenschaft gerade frei war, „war ein glücklicher Zufall“, so Kolm. Nachdem die ersten Ausgaben noch im Veranstaltungszentrum und in der Garage der Ärztekammer für Wien durchgeführt wurden, hatte man noch im März 2020 eine dauerhafte und gut geeignete Örtlichkeit gesucht, wo Schutzmaterial ausgegeben werden kann. Dabei erwies es sich als Glücksfall, dass der Wohlfahrtsfonds im Herbst 2019 die Liegenschaft Wien 3., Landstraßer Hauptstraße 138, das sogenannte „Parkschlössl“, angekauft hatte und die entsprechenden Umbauarbeiten zur Adaptation der Liegenschaft gerade im Planungsstadium waren.

Kurzfristig wurde entschieden, diese Liegenschaft, bis mit den Umbauarbeiten begonnen werden kann, zur Ausgabestelle umzufunktionieren – ab April 2020 bis heute, wird dort das Schutzmaterial ausgegeben, um so die Ärzt*innen vor Ansteckung bestmöglich zu schützen. „Das Parkschlössl bietet gute Erreichbarkeit, genug Platz um auch Schutzausrüstung zwischenzulagern. Gerade die Lagernotwendigkeit wird gerne unterschätzt“, so Kolm. Es komme eine wöchentliche Großlieferung von der Stadt Wien und man wisse im Vorhinein nicht, wie viele Ärzt*innen tatsächlich in der jeweiligen Woche kommen, um sich die Schutzausrüstung abzuholen.

„Gerade am Anfang sind wir auf Nummer sicher gegangen und haben uns zum Beispiel bei den Schutzanzügen massiv verschätzt und viel zu viele bestellt. Aber besser so, als wenn unsere Mitglieder nicht geschützt gewesen wären. Wir waren – was die Schutzausrüstung betrifft – auch gut auf den Herbst und die zweite Welle vorbereitet. Das dürfte für den niedergelassenen Bereich in Österreich ziemlich einzigartig gewesen sein“, so der Koordinator der Ausgabestelle.

Aus dem Boden gestampft

Die Vereinbarung mit der Stadt Wien lautete, dass erstere das Schutzmaterial zur Ausgabe an die freiberuflich tätigen Ärzt*innen zur Verfügung stellt und die Wiener Ärztekammer die Organisation der Ausgabe übernimmt. Die Zusammenarbeit habe sich laut Kolm schnell eingespielt. „Wir arbeiten im Wesentlichen mit dem Krisenstab des Landes Wien und der MA70 zusammen. Das sind absolut verlässliche Partner*innen. Wir wurden zu jedem Zeitpunkt mit allem, das verfügbar war, beliefert.“ Letzen Juni habe sich die Stadt Wien dann entschieden, einen Vorrat für drei Monate an Schutzausrüstung anzulegen und die Kammer nach deren Bedarf gefragt. „Dieser wurde – ohne, dass damals die Stadt gewusst hat, ob eine zweite Welle kommt oder oder sie die Kosten jemals vom Bund erstattet bekommt – ohne Murren beschafft“, so Kolm.

Vonseiten der Kammer wurde ein eigenes Team geschaffen, dass die Ausgabe der Schutzausrüstung fünf Tage die Woche bewältigt, gleichzeitig aber auch die Logistik und Lagerhaltung organisiert. „Dafür, dass wir das aus dem Boden gestampft haben, läuft es gut. Aber wir wären sicher alle froh, wenn die Pandemie vorbei wäre und wir uns wieder um unser normales „Tagesgeschäft“ kümmern könnten. Insbesondere werden wir vom Krisenstab des Landes Wien vorbildlich mit Schutzausrüstung versorgt“, so Kolm.

Auch die die Logistik und Bestückung des Ärztefunkdienstes und der sogenannten „Schnupfen-Check-Boxen“ wird über  das Parkschlössl abgewickelt. Insgesamt sind dort bis zu neun Personen beschäftigt, die im Rahmen einer Art Schichtplan vor Ort sind. Neben Kolm wird die Vorort-Verantwortung von Markus Nigmann (Mitarbeiter der Weihburggarage) und Jutta Neumeister (ehemals Mitarbeiterin der Kurie niedergelassene Ärzte) getragen.

Durchwegs positiv angenommen

Vom Start der Ausgabe- und Verteilaktion am 5. März 2020 bis zum 31. Dezember 2020 wurden 73.911 Pakete an niedergelassene Ärzt*innen verteilt. Seit 2021 werden wöchentlich 200 FFP2-Masken, drei Packungen Handschuhe (in Summe 300 Stück), zwei Liter Händedesinfektionsmittel, zwei Rollen Flächendesinfektionsmittel à 150 Blatt, Schutzanzüge, Schutzkittel, Plastikschürzen, Schutzbrille/Schutzvisier nach Bedarf ausgegeben.

Im Durchschnitt kamen und kommen pro Woche zwischen 1.500 und 3.000 Ärzt*innen ins „Parkschlössl“. Das Angebot sei in der Ärzteschaft mit wenigen Ausnahmen durchwegs auf positive Rückmeldungen gestoßen. Ausnahmen gab es „vor allem am Beginn der Pandemie, wenn einzelne Artikel einfach nicht verfügbar waren“, so Kolm. „Dass wir eigentlich immer Schutzausrüstung zur Verteilung hatten und dieses Angebot von den Wiener Ärzt*innen auch – immer noch – gut angenommen wird“ sieht er als Zeichen des Erfolgs. „Wir haben jetzt über ein Jahr Pandemie und es kommen immer noch über 1.500 Ärzt*innen pro Woche. Da dürften wir nicht so falsch liegen, mit dem Angebot“.

Zuletzt ging die Zahl der Besucher etwas zurück. „Das liegt nach meiner Einschätzung aber vor allem daran, dass wir relativ große Mengen ausgeben und die Ärzt*innen deshalb nicht mehr jede Woche kommen müssen. Für uns ist es trotzdem jede Woche eine Herausforderung genau so viel zu bestellen, wie vermutlich in der nächsten Woche abgeholt wird.“

Neben der Organisation und Verteilung von Schutzausrüstung stellte die Wiener Ärztekammer, ebenfalls im Areal des „Parkschlössls“, eine eigene Corona-Teststraße für Ärzt*innen und deren Ordinationspersonal auf die Beine. 2020 wurden dort 4.325 Corona-Testungen durchgeführt. 95 Prozent davon fielen negativ aus. Heuer wurden im Durchschnitt 30 Tests pro Tag durchgeführt.

 „Wir waren – was die Schutzausrüstung betrifft – auch gut auf den Herbst und die zweite Welle vorbereitet. Das dürfte für den niedergelassenen Bereich in Österreich ziemlich einzigartig gewesen sein“, so Andreas Kolm, Leiter der Ausgabestelle.