Corona-Impfstoff

Tschechien und Slowakei setzen weiter auf Sputnik V

Tschechien und die Slowakei rechnen in ihren Impfstrategien fest mit dem russischen Impfstoff Sputnik V. Dies bestätigten der tschechische Regierungschef Andrej Babis und sein slowakischer Amtskollege Eduard Heger auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag in Prag. Die Slowakei wolle Sputnik schon Anfang Mai einsetzen, sobald die Prüfung des eingelangten Impfstoffs abgeschlossen sei, sagte Heger bei seinem Antrittsbesuch im Nachbarland.

red/Agenturen

Die Kontrolle durch das staatliche Labor sei ein standardgemäßer Prozess, so der slowakische Regierungschef. „Viele Menschen wollen diesen Impfstoff“, erklärte Heger und fordert die Anerkennung der Impfung mit Sputnik V bei grenzüberschreitenden Reisen auch bevor es eine Zulassung durch die Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) gibt. Man sollte „den gesunden Menschenverstand bewahren“, so Heger.

Der neue slowakische Regierungschef ist seit dem 1. April im Amt. Sein Vorgänger Igor Matovic musste wegen des Managements in der Coronakrise auf Druck seiner Koalitionspartner den Hut nehmen. Die Slowakei ist unter den Ländern mit den höchsten Zahlen der Corona-Toten im Verhältnis zur Bevölkerungszahl weltweit. Das Land hatte am 1. März eine erste Lieferung von 200.000 Impfdosen Sputnik V erhalten. Bisher wurde der Impfstoff aber nicht genutzt und muss noch vom staatlichen Institut für Arzneimittelkontrolle SUKL geprüft werden. Das SUKL kritisiert in einem Bericht, die gelieferten Impfstoffe seien nicht in allen Details identisch mit den zuvor in der renommierten Fachzeitschrift Lancet beschriebenen.

„Wir hoffen, dass die EMA es zulassen wird“

Tschechien rechnet laut Babis mit dem Einsatz von Sputnik V erst nachdem der Impfstoff von der EMA offiziell zugelassen ist. Tschechien habe von Russland das Angebot einer sofortigen Lieferung von 300.000 Impfdosen und danach weitere 150.000 Impfdosen pro Monat. „Wir hoffen, dass die EMA es zulassen wird“, meinte der tschechische Regierungschef. Gleichzeitig stellte er ein Projekt des Prager Gesundheitsministeriums in Aussicht, dass private Firmen Sputnik V einkaufen und einsetzen könnten.

Heger kündigte an, die Slowakei werde Tschechien als Zeichen der Solidarität 10.000 Impfdosen des Impfstoffs Moderna schenken. Tschechien und die Slowakei bildeten bis Ende 1992 den gemeinsamen Staat der Tschechoslowakei.