Appell aus NÖ

In der Pandemie versäumte Kinderimpfungen nachholen

Durch die Corona-Pandemie sind weniger Kinder und Jugendliche gegen die im Impfprogramm vorgesehenen Krankheiten wie Masern, Pneumokokken oder Polio immunisiert worden. Der Vergleich zu den Vorjahren ließe auf Impflücken vor allem im Schulbereich schließen, sagte Karl Zwiauer, Mitglied des Impfgremiums des Gesundheitsministeriums, am Montag in St. Pölten. An Eltern wurde appelliert, versäumte Injektionen bei Kindern nachzuholen, sonst drohe ein Anstieg der Infektionen.

red/Agenturen

In Niederösterreich wurden im Jahr 2019 insgesamt 66.403 Kinder und Jugendliche geimpft, 2020 waren es nur 51.705. In den Schulen wurden 2019 im Bundesland 22.172 Injektionen verabreicht, 2020 waren es durch die Corona-bedingten Schließungen von Bildungseinrichtungen nur 842. Die versäumten Stiche ließen sich im heurigen Schuljahr nicht mehr aufholen, hieß es bei einem Pressegespräch. Zwiauer ortete hier eine „riesige Lücke".

Bei Sechsfach-Impfungen, Pneumokokken und Masern-Mumps-Röteln wurden den Angaben zufolge in Österreich im Vorjahr über 90 Prozent des Bedarfs abgerufen. Im Schulbereich lagen die verwendeten Vakzinmengen bei der Vierfach-Impfung, bei HPV9, Meningokokken ACWY und Hepatitis B unter dem Jahr 2019.

Vor allem während des ersten Lockdowns seien Besuche in Ambulanzen und bei Ärzten aus Angst vor Ansteckungen massiv zurückgegangen, berichtete Zwiauer. Derzeit wirken sich die versäumten Impfungen aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen wie Maske und Social Distancing noch nicht aus, „aber wenn diese Maßnahmen wegfallen, werden wir spätestens im Winter oder 2022 wie ein Bumerang das Anstiegen der Infektionszahlen sehen", betonte der Mediziner. Auch Sanitätsdirektorin Irmgard Lechner warnte vor einem „bösen Erwachen spätestens nächstes Jahr", wenn versäumte Impfungen nicht aufgeholt werden.

Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) appellierte an Eltern, bei jedem Arztbesuch den Impfstatus kontrollieren zu lassen, „damit wir Lücken schließen können". Auch in Zeiten der Pandemie dürfe auf wichtige andere Präventivprogramme nicht vergessen werden. „Impfen ist eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen zum Schutz vor schweren Krankheiten", betonte die Landesrätin.

Die Zulassung von Covid-19-Impfstoffen für Kinder werde noch einige Monate dauern, so Zwiauer, frühestens heuer im dritten oder eher vierten Quartal werde es wohl so weit sein. „Kinder und Jugendliche erkranken zwar nicht so häufig und nicht so schwer an Corona, aber sie nehmen am Infektionsgeschehen teil und sind Überträger", sagte der Mediziner. Um die Pandemie in den Griff zu bekommen, werde es nötig sein, auch Kinder und Jugendliche zu impfen.

Der Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) forderte in einer Aussendung am Montag abseits der Corona-Impfungen eine Erweiterung des Impfzuganges für alle Altersgruppen. Die Gesundheitspolitik solle ein „Impfbudgets sicherstellen, um die breite Bevölkerung zu erreichen". Es brauche rasche Umsetzungspläne und baldige Nachholkampagnen für alle in der Pandemie unter- oder abgebrochenen Impfprogramme. Der Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie (Pharmig) betonte in einer weiteren Aussendung, „dass Impfungen eine, wenn nicht die zentrale Präventionsmaßnahme im Kampf gegen Covid-19 und auch gegen andere Erkrankungen sind".