Ärztin verschrieb zu viel morphinhaltige Medikamente: Bedingte Haft

Eine 52-jährige Allgemeinmedizinerin ist am Freitag am Landesgericht Klagenfurt wegen Suchtgifthandels zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt worden. Die Frau hatte morphinhaltige Medikamente in viel zu hohen Mengen an drogenabhängige Patienten verschrieben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

red/Agenturen

Der Prozess läuft bereits seit Dezember 2019: Damals hatte Richter Gernot Kugi der Frau eine Diversion angeboten, welche sie annahm. Das Oberlandesgericht Graz akzeptierte sie jedoch nicht, weshalb es zu der Schöffenverhandlung kam. In der Anklage war von „massiven Überschreitungen“ bezüglich der Menge der verschriebenen Opiate die Rede. Die Grenzmenge wurde demnach um das 42-Fache überschritten.

Die 52-Jährige war in der Verhandlung am Freitag geständig, die Medikamente verschrieben zu haben: „Ich habe aber immer in der Überzeugung gehandelt, meinen Patienten zu helfen.“ Diese seien mit starken Entzugserscheinungen zu ihr gekommen: „Ich hatte vor, sie an die Drogenambulanz zu überweisen. Aber da waren keine Plätze frei.“ Die Patienten hätten auch immer wieder gesagt, dass sie mit den Drogen aufhören wollten, so die Ärztin: „Ich wollte nicht, dass sie komplett absacken oder sich auf der Straße Drogen besorgen.“

„Da kommt jemand zu Ihnen, der seit Jahren Drogenprobleme hat und sagt, dass er sich ändern wird. Daraufhin verschreiben Sie ihm eine Großpackung. Das nennt man naiv“, konfrontierte Richter Kugi die Frau. Sie habe zu Beginn auch nie gedacht, dass ihre Patienten sie anlügen wollen, sagte die Angeklagte auf eine Frage der Staatsanwältin: „Erst später, im Kontakt mit dem Gesundheitsamt, ist mir der Gedanke gekommen.“ Auch beteuerte sie, dass sie niemals finanzielle Motive gehabt habe: „Egal, ob man Medikamente verschreibt oder nicht, man kann pro Quartal immer nur die gleichen Beträge abrechnen.“

Aufgefallen waren ihre Verschreibungspraktiken bei der Gebietskrankenkasse, weil die Menge der verschriebenen Suchtgiftpräparate ungewöhnlich hoch war. Bereits 2017 war die Ärztin darauf aufmerksam gemacht worden, dass sie ihre Verschreibungspraxis ändern soll, was sie aber nicht getan hatte, erklärte Richter Kugi in seiner Urteilsbegründung. Er verwies auch auf die hohe Strafdrohung von bis zu 15 Jahren Haft: „Wir glauben Ihnen, dass Sie helfen wollten. Nur geht das einfach nicht, dass man seine Position benützt, um derart hohe Mengen zu verschreiben.“

Die Kärntnerin nahm das Urteil an, die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab.