Hochrisiko-Tumore bei Kindern: Enzym sorgt für Wachstum

Neuroblastome, die häufigsten soliden Tumore außerhalb des Gehirns bei Kindern, gehen mit einer schlechteren Überlebenschance einher, wenn sie genetische Veränderungen im sogenannten ALK-Gen aufweisen. Als Behandlungsmethode der Zukunft gelten ALK-Hemmer. Zu diesem Ergebnis kam ein Team der St. Anna Kinderkrebsforschung gemeinsam mit dem St. Anna Kinderspital und Forschungsgruppen in Europa und Israel.

red/Agenturen

Die Studie wurde im „Journal of Clinical Oncology“ veröffentlicht. Das ALK-Gen (anaplastisches Lymphokinase-Gen) gilt als Treiber-Gen bei der Entstehung von Krebs. Genetische Veränderungen im sogenannten ALK-Gen und dem dazugehörigen Protein können das Wachstum von bösartigen Nerventumoren bei Kindern bedingen. Sie wachsen außerhalb des Gehirns und entstehen bereits im Embryoalter. Bei einer sehr aggressiven Form von Neuroblastomen (Hochrisiko-Neuroblastome) wurde bei genetischen Veränderungen ein Zusammenhang mit einem kürzeren Leben erwiesen.

ALK ist ein Enzym, das bei Aktivierung das Tumorwachstum fördert. „Unsere Ergebnisse sprechen für den Einsatz eines ALK-Hemmers gemeinsam mit Chemotherapie und Immuntherapie am Beginn der Behandlung. Das Vorhandensein einer ALK-Mutation oder ALK-Amplifikation (Vermehrung des betroffenen DNA-Abschnitts) verschlechtert die Überlebenschance. Diese (Patienten, Anm.) sollten daher in zukünftigen Studien ganz gezielt einen ALK-Hemmer erhalten“, erklärte Ruth Ladenstein, Senior-Autorin der Studie und Leiterin der Gruppe „Studien & Statistik für integrierte Forschung und Projekte (S2IRP)“.

Die Studie schloss 3.334 Personen im Alter von zwölf Monaten bis 20 Jahren mit einem Hochrisiko-Neuroblastom ein. 762 davon wurden auf eine ALK-Mutation untersucht und 901 auf eine ALK-Amplifikation. ALK-Mutationen fanden sich bei 14 Prozent und ALK-Amplifikationen bei 4,5 Prozent der Teilnehmer.

„Aber auch in einer späteren Phase der Behandlung, wenn Patientinnen und Patienten eine Immuntherapie bekommen, um den bisherigen Behandlungserfolg aufrechtzuerhalten, sind ALK-Veränderungen ein Risikofaktor für das Überleben“, ergänzte Erstautorin Ulrike Pötschger. Daher spricht sich Ladenstein dafür aus, eine Therapie mit ALK-Hemmern in alle Phasen der Behandlung zu integrieren.