Lungenkrebskonferenz

Onkologen für Gastro-Rauchverbot

Fortschritte in der Früherkennung und Behandlung von Lungenkrebs stehen dem Risikofaktor Rauchen gegenüber. Österreichische Onkologen stehen in Toronto für ein Gastro-Rauchverbot ein.

red/Agenturen

CT-Untersuchungen bei Risikopersonen können die Lungenkarzinom-Sterblichkeit reduzieren. Die Therapien werden wirksamer. Doch im Vergleich zum Haupt-Risikofaktor, dem Rauchen, sind die Effekte begrenzt. Dies sagten österreichische Onkologen bei der Welt-Lungenkarzinom-Konferenz in Toronto (23. bis 26. September).

„Natürlich brauchen wir auch das Rauchverbot in der Gastronomie. Wir brauchen generell die Prävention des Lungenkarzinoms. Für die Zukunft der nächste Schritt sollten in Österreich ein Screening-Programm für Risikopersonen auf Lungenkrebs und eine intensivierte Raucherberatung sein“, sagte Robert Pirker, Lungenkrebsspezialist am Wiener AKH (MedUni Wien). Im Jahr 2022 wird die Welt-Lungenkarzinom-Konferenz wieder nach Wien kommen (nach 2016). Dies konnte Pirker erreichen. Doch es gab Vorbehalte. Als Österreicher werde man in Fachkreisen international häufig auf die schlechte Stellung des Landes beim Nichtraucherschutz angesprochen.

Lungenkrebs-Sterblichkeit durch Screenings reduziert 

„Ich bin in Toronto auch gefragt worden, was denn da in Österreich los ist“, sagte der Wiener Onkologe Christoph Zielinski, Koordinator des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH. Die von der Wissenschaft in Sachen Krebs erzielten Erfolge dürften nicht über Probleme wie das Rauchen hinwegtäuschen. „Es ist eben so, dass wir bei allen unseren Anstrengungen bisher nur wenige Krebserkrankungen in den Status von chronischen Leiden bringen können.“ Er, Zielinski, halte auch die vor einigen Tagen veröffentlichte Studie, wonach das Tabakrauchen volkswirtschaftliche Schäden von 2,4 Mrd. Euro anrichte, für extrem wichtig. Der Onkologe, der sich bei einer Enquete im Parlament vehement für das später von der Regierung gekippte Gastro-Rauchverbot ausgesprochen hat: „Was die derzeitige Regierung diesem Land antut, das ist wirklich unglaublich.“

Medizinisch-wissenschaftlich gab es in Toronto mehrere bedeutsame Studienpräsentationen. Pirker: „In der niederländisch-belgischen Nelson-Studie mit 15.792 Teilnehmern, die im Jahr 1, 2, 4, nach 6,5 und nach zehn Jahren als Risikopersonen für Lungenkrebs ab 50 Jahren entweder eine Niedrigdosis-CT-Untersuchung oder keine bekamen, konnte die Sterblichkeit an einem Lungenkarzinom bei den Männern innerhalb von zehn Jahren um 26 Prozent und bei den Frauen um 39 bis 61 Prozent reduziert werden.“ Das spreche nach den Ergebnissen einer großen US-Studie vor einigen Jahren mit einer Verringerung der Lungenkrebs-Sterblichkeit um rund 20 Prozent durch regelmäßige Screening-Untersuchungen eindeutig für die Etablierung eines solchen Programms in Österreich. „Das wird jetzt unsere Aufgabe sein.“

Lungenkarzinom häufigste Krebsform weltweit

Keine Krebserkrankung ist tödlicher als das Lungenkarzinom. 1,6 Millionen Menschen sterben an der Krankheit. Jährlich werden weltweit 1,8 Millionen Neudiagnosen gestellt. Damit stellen die Lungenkarzinome die häufigste Krebsform weltweit dar. Die Zahlen steigen eher noch an. Die 1,8 Millionen Neuerkrankungen jährlich sind 12,9 Prozent aller Krebsleiden, die 1,6 Millionen Lungenkrebs-Todesfälle machen 19,4 Prozent der Krebs-Todesfälle aus.

Diese riesige Tragödie kann auch mit den modernsten Therapien nur bedingt beeinflusst werden, auch wenn es in der Behandlung weitere Fortschritte gibt. So hat eine Studie mit 713 Patienten im nicht-operablen Stadium III eines nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms ergeben, dass nach einer Chemo-Strahlentherapie durch eine dann zusätzlich erfolgende Immuntherapie (mit dem monoklonalen Antikörper Durvalumab) die Überlebensrate nach zwei Jahren von 55,6 Prozent (Placebogruppe) auf 66,3 Prozent erhöht werden kann. „In Zukunft werden wohl alle Patienten mit nicht-operablen Lungenkarzinomen dieser Art im Stadium III für eine solche Immuntherapie infrage kommen“, sagte Pirker. Doch in den meisten Fällen bleibt ein Lungenkarzinom unheilbar und tödlich.

Lungenkrebs
Das Team um Obeid konnten den Vorteil ihres Ansatzes bereits bei einem Lungenkrebs-Patienten unter Beweis stellen, der aufgrund der Immuntherapie eine Speiseröhrenentzündung mit Komplikationen entwickelt hatte, wie das CHUV schrieb.
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