Deutliche Defizite in Österreich bei Wissen und Bewusstsein zu HPV

Einer von drei Befragten hatte noch nie von HPV gehört, in Österreich war es mit 54 Prozent sogar mehr als die Hälfte. Vornehmlich werden die Viren durch Geschlechtsverkehr übertragen und verursachen fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs.

red/Agenturen

Große Unterschiede im Wissens- und Bewusstseinsstand aus zehn europäischen Ländern über Humane Papillomviren (HPV) sind im Rahmen einer repräsentativen Befragung im Auftrag des Pharmaunternehmens MSD (Merck) aufgezeigt worden. Einer von drei Befragten hatte noch nie von HPV gehört, in Österreich war es mit 54 Prozent sogar mehr als die Hälfte.

15.000 Menschen befragt

Weniger Ahnung von der Existenz von HPV hatten nur die Befragten aus Deutschland (60 Prozent). Schlecht schnitt auch die Schweiz (52 Prozent) ab, wo ebenfalls weniger als die Hälfte der Befragten wussten, dass es HPV gibt.

Insgesamt sind 15.000 Menschen zwischen 16 und 60 Jahren befragt worden, neben Österreich in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Griechenland, Spanien, Belgien, Portugal und in der Schweiz. In Österreich wurden vom Marktforschungsinstitut Ipsos im Jänner dieses Jahres 1.000 Personen interviewt. Spanien hatte mit 87 Prozent den höchsten Bewusstseinsstand aller Umfrageländern.

Nur drei Prozent aller Interviewten, die von HPV gehört haben, wussten, dass die meisten Menschen - rund 75 Prozent - irgendwann im Leben mit HPV infiziert werden. Knapp mehr als die Hälfte aller Befragten (51 Prozent), denen HPV bekannt war, stimmte nicht zu oder wusste nicht, dass HPV auch bei Männern Krebs verursachen können. 54 Prozent aller Befragten, die vom HPV gehört hatten, hielten es für eher selten oder extrem selten.

HPV oft ohne Symptome

Mittlerweile werden HPV in mehr als 100 unterschiedliche Typen eingeteilt. Bei beiden Geschlechtern sind HPV für eine Reihe von Erkrankungen verantwortlich. In der großen Mehrheit der Fälle gibt es keine Symptome und die Infektion klingt von selbst ab, aber in einigen Fällen kann eine andauernde Infektion zu HPV-bedingten Krebsarten und Krankheiten führen. Nur rund ein Drittel der befragten Österreicher weiß, dass HPV zu Krebs führen kann.

Vornehmlich werden die Viren durch Geschlechtsverkehr übertragen und verursachen fast alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs (Hochrisiko-Typ). Diese Krebsart, an der weltweit alle zwei Minuten eine Frau stirbt, ist die vierttödlichste Krebsart für Frauen. Nach Einschätzung der IARC könnte Gebärmutterhalskrebs ohne eine deutliche Ausweitung der Vorsorgemaßnahmen bis zum Jahr 2040 etwa 460.000 Todesfälle verursachen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine HPV-Impfung für alle Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren. Um das Virus auszurotten, wird in manchen Ländern - wie auch in Österreich - auch zur Impfung von Buben geraten.

Welt-HPV-Tag am 4. März

In den zehn Umfrageländern war einer von fünf Befragten der Meinung, dass es für ihn nicht möglich ist, mit HPV infiziert zu werden. In Österreich glaubt dies jeder dritte Befragte (34 Prozent). Mehr als die Hälfte aller Befragten, die von HPV gehört hatten (51 Prozent), stimmten nicht zu oder wussten nicht, dass HPV auch bei Männern Krebs verursachen kann. Dieser Anteil beträgt in Frankreich 64 Prozent und in der Schweiz 63 Prozent. Die Quote derjenigen, die wussten, dass HPV bei Männern Krebs verursachen kann, war mit 40 Prozent in Portugal am höchsten. In Österreich weiß nur jeder Fünfte (21 Prozent), dass HPV bei Männern Krebs verursachen kann. Ein noch kleinerer Teil der hierzulande Befragten - neun Prozent - war informiert, dass das Risiko einer HPV-Infektion bei Frauen und Männern gleich hoch ist. Für die Studienautoren stellte dies einen besonders deutlichen Wissensmangel dar, wie sie betonten.

Den Welt-HPV-Tag (International HPV Awareness Day) gibt es seit 2018. Er wurde von der International Papillomavirus Society (IPVS) ins Leben gerufen, um auf die Risiken von HPV und HPV-assoziierten Krebserkrankungen aufmerksam zu machen. Ziel der Initiative ist es, das Thema HPV bei Frauen und Männern ins Bewusstsein zu rufen und präventive Maßnahmen zu setzen. In Österreich können sich Mädchen und Buben zwischen dem neunten und elften Geburtstag (bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres) kostenlos gegen HPV impfen lassen. Die Impfung wird in den Schulen sowie den öffentlichen Impfstellen der Bundesländer (Bezirkshauptmannschaften, Magistrate, Bezirksämter) und in einigen Bundesländern auch bei niedergelassenen Ärzten kostenfrei angeboten.

HPV
In Österreich können sich Mädchen und Buben zwischen dem neunten und elften Geburtstag (bis zur Vollendung des zwölften Lebensjahres) kostenlos gegen HPV impfen lassen.
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