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Coronavirus

Das Impfen geht in Bälde in die dritte Runde

Österreich legt am 17. Oktober offiziell mit den Auffrischungsimpfungen los, wobei bestimmte Risikogruppen laut Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein ihre dritte Dosis bereits schon früher erhalten können. Aufgefrischt wird hierzulande jedenfalls ausschließlich mit mRNA-Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna. In Israel, wo bereits mit dem dritten Durchgang gestartet wurde, fühlten sich einer Umfrage zufolge 88 Prozent in der Woche nach der dritten Spritze ähnlich oder besser.

mil/Agenturen

Ab 17. Oktober wird in Österreich offiziell mit den Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus begonnen, gab Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) vor einigen Tagen bekannt. Dies ist zumindest der großangelegte Start der Auffrischungskampagne. Da jene Menschen, die als erstes geimpft worden sind, am 17. Jänner die zweite Dosis erhielten, bekommen diese neun Monate später ihre Auffrischung. Bestimmte Risikogruppen können die dritte Dosis auch schon früher erhalten, meinte der Minister und erklärte:

„Es gibt gewisse Gruppen, zum Beispiel Immunsupprimierte, wo man nach Rücksprache mit dem Arzt eventuell auch früher impfen kann. Da kann man auch einen Test auf neutralisierende Antikörper machen. Würde ich nicht generell empfehlen, aber für gewisse Risikogruppen ist das möglich und da eventuell auch früher“, sagte Mückstein jüngst im „Morgenjournal“.

Die ersten Impfungen gegen SARS-CoV-2 haben im Dezember 2020 Menschen in Alters- und Pflegeheimen sowie medizinisches Personal erhalten, die zweite Dosis wurde diesen Menschen dann im Jänner verabreicht. So erhielt etwa Christoph Wenisch, der Leiter der Infektionsabteilung in der Klinik Favoriten, am 27. Dezember 2020 als einer der ersten das Vakzin. Das Bild seiner Impfung ging um die Welt.

Auffrischungsimpfung vielleicht nicht für alle notwendig

Ob und wann die Auffrischungsimpfung tatsächlich für alle gesunden Personen notwendig sein wird, ist laut Gesundheitsministerium auf Basis der aktuellen Studienlage aber noch nicht abschließend beurteilbar. „Das Nationale Impfgremium beobachtet hier laufend die Entwicklungen“, wird gegenüber der APA betont.

Aktuell sei besonders wichtig, dass sich noch ungeimpfte Menschen immunisieren lassen und so viele wie möglich ihren Impfschutz vervollständigen, um sich bestmöglich vor Delta zu schützen. Bei den Auffrischungsimpfungen soll jedenfalls mit Bewohnerinnen und Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen sowie bei Hochrisikogruppen begonnen werden. Details wie der Einsatz von Kreuzimpfungen, Intervalle und Zielgruppen sollen noch auf Basis von Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums (NIG) geklärt werden.

Das NIG wird etwa jenes Zeitfenster vorgeben, in dem die dritte Impfung idealerweise erfolgen sollte. Dasselbe gilt für die Definition jener Gruppen, die überhaupt eine Auffrischung benötigen. Aus heutiger Sicht wird davon ausgegangen, dass nach einer vollständigen Impfserie - das sind abgesehen von Einmal-Impfstoff von Johnson & Johnson zwei Stiche - rund neun Monate eine Schutzwirkung gegeben ist. Dementsprechend wird bei der Auffrischungsimpfung auch mit jenen vulnerablen Gruppen begonnen, die in Österreich als erste gegen das Coronavirus geimpft wurden.

Drittimpfung nur mit Biontech/Pfizer und Moderna

Die Auffrischungsimpfungen werden jedenfalls nur mit den modernen mRNA-Impfstoffen von Pfizer und Moderna durchgeführt werden. Als erstes erhalten sollen die „Drittimpfung“ Seniorinnen und Senioren ab 65, Risikopatienten sowie all jene, die ursprünglich die Vektorimpfstoffe von AstraZeneca sowie Johnson & Johnson erhalten haben.

 „Für diese weitere Dosis wird in allen Fällen ein mRNA-Impfstoff empfohlen“, schreibt das Impfgremium. Für ihre Empfehlung haben die Experten drei Gruppen definiert: Als erstes erhalten sollen die Auffrischung Seniorinnen und Senioren, Personen mit Vorerkrankungen wie Krebs oder Herzschwäche sowie alle mit AstraZeneca oder Johnson & Johnson Geimpften. Sie sollen die „dritte Dosis“ sechs bis neun Monate nach der ersten Vollimmunisierung erhalten. Danach sollen alle Erwachsenen folgen, die bereits mit Pfizer oder Moderna geimpft wurden. Hier soll der „dritte Stich“ neun bis zwölf Monate nach der Vollimmunisierung erfolgen. Für die dritte Gruppe der 12- bis 18-Jährigen wird vorerst noch keine Auffrischung empfohlen. Hier ist die Impfung aber ohnehin erst Ende Mai angelaufen.

Infektiologe Weiss rät zur Auffrischung für über 70-Jährige

Der Innsbrucker Infektiologe Günter Weiss riet im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung im Herbst sicherzustellen, dass über 70-Jährige und Risikopatienten eine Auffrischungsimpfung bekommen. Diese soll einen besseren Schutz gegen die Delta-Variante gewähren, erhoffte sich der Experte. Um gut durch den Herbst zu kommen, sollte die Immunisierung auf 80 Prozent steigen, war Weiss der Meinung, wobei nicht nur Geimpfte, sondern auch Genese gemeint seien.

Dann „sollte es ohne Lockdown gehen“, blickte Weiss vorsichtig optimistisch in den Herbst. „Wenn man davon ausgeht, dass bei der Delta-Variante die Ansteckung bei 1:5 liegt, dann braucht es eine hohe Immunisierung, wenn man einen Schneeballeffekt verhindern will“, betonte der Experte im TT-Interview. Zu einer Impfpflicht wollte er sich nicht äußern, das sei „eine politische Entscheidung“. Er finde es jedenfalls besser, „Menschen zu überzeugen und die Motivation, sich impfen zu lassen, zu verbessern“.

Denn „je mehr Geimpfte, desto besser. Je ansteckender das Virus ist, desto höher sollte die Impfrate sein“, stellte Weiss eine einfache Gleichung auf. Zur 80-Prozent-Quote zählte er auch Genesene. Unklar sei allerdings, wie hoch die Dunkelziffer jener ist, die die Infektion durchgemacht haben, ohne sie als solche zu erkennen.

Israel hat mit dritter Impfung bereits begonnen

In Israel werden bereits seit Ende Juli Drittimpfungen verabreicht. Dazu hatte sich das Land im Mittleren Osten entschlossen, nachdem Studien zu dem Schluss gekommen waren, dass der Infektionsschutz bei Älteren und Vorerkrankten mit der Zeit nachlässt. Besonders mit Blick auf die als besonders ansteckend geltende Delta-Variante soll die erneute Impfung weitere Covid-19-Infektionen verhindern.

Die Kampagne Israels, als erstes Land der Welt den über 60-jährigen eine dritte Impfung anzubieten, sei ein voller Erfolg gewesen, so der Regierungschef. „Bis jetzt sind mehr als 750 000 Menschen geimpft worden und wir machen den nächsten Schritt.“ Im Kampf gegen die sich immer schneller verbreitende Delta-Variante sei dies die richtige Maßnahme. Die israelische Regierung habe eine große Anzahl von Impfstoffen für die neue Impfkampagne bereitgestellt. Er rufe alle über 50-jährigen auf, von Freitag an die Möglichkeit einer dritten Impfung wahrzunehmen.

Nach dritter Corona-Impfung ähnliche Reaktion

Nach der dritten Corona-Impfung hat eine Mehrheit von Befragten in Israel über ähnliche Impfreaktionen wie nach der zweiten Spritze berichtet. 88 Prozent fühlten sich in der Woche nach der Auffrischungsimpfung ähnlich oder besser, wie eine Umfrage der Krankenkasse Clalit ergab. Zehn Prozent hätten sich schlechter gefühlt als nach der zweiten Impfung. Insgesamt berichteten demnach 31 Prozent der Befragten über mindestens eine Impfreaktion, die meisten über Schmerzen an der Einstichstelle.

Die israelische Krankenkasse hat nach eigenen Angaben mehr als 240 000 Mitglieder bereits zum dritten Mal geimpft. Rund 4.500 Personen hätten sich an der Umfrage beteiligt, hieß es. Neun Prozent der Befragten gaben demnach Müdigkeit als Reaktion auf die dritte Impfung an, rund sechs Prozent Unwohlsein. Ein Prozent nahm nach eigenen Angaben wegen der Impfreaktion medizinische Hilfe in Anspruch. Israel vergibt Auffrischungsimpfungen für 60-Jährige und ältere Jahrgänge - als erstes Land weltweit.

USA lassen dritte Impfung zu

Auch die US-Regierung wird voraussichtlich ab September die amerikanische Bevölkerung mit Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus versorgen. Es sei ein Plan entwickelt worden, um Bürgern rund acht Monate nach Abschluss ihrer ersten beiden Impfungen mit den Präparaten von Moderna oder Pfizer/Biontech eine dritte Dosis zu verabreichen, teilten hochrangige Gesundheitsbeamte mit.

Hintergrund seien die Ausbreitung der besonders ansteckenden Delta-Variante sowie Datenauswertungen, wonach der Schutz durch die Impfstoffe mit der Zeit abnehme, hieß es am Mittwoch in einer gemeinsamen Stellungnahmen unter anderem der Direktorin der US-Gesundheitsbehörde CDC, Rochelle Walensky, und des Immunologen Anthony Fauci. Die Auffrischungsimpfungen könnten demnach Ende September starten.

Der gesamte Plan stehe noch unter Vorbehalt weiterer Prüfungen durch die Arzneimittelbehörde FDA. Die Gesundheitsbehörden seien jedoch vorbereitet, ab dem 20. September Auffrischungsimpfungen anzubieten. Vermutlich seien solche „booster shots“ auch für jene Amerikaner nötig, die mit dem Präparat von Johnson & Johnson geimpft wurden. Die Impfungen damit hätten jedoch später begonnen, daher lägen weniger Daten vor und die Analysen seien hier noch nicht abgeschlossen. Die US-Gesundheitsbehörden hatten kürzlich angekündigt, dass Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine dritte Impfung bekommen sollen, weil die Impfstoffe bei ihnen weniger wirksam sind.

Impfung Spritzen
Biontech/Pfizer sei für die breite Massen in Sachen Boosterimpfung ungeeignet, so eine Falschinformation, die kürzlich kursierte.
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„Es gibt gewisse Gruppen, zum Beispiel Immunsupprimierte, wo man nach Rücksprache mit dem Arzt eventuell auch früher impfen kann.“ Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein