Vorhofflimmern geht mit Hirnveränderungen einher

Basler Forschende gehen der Frage nach, wie Herzrhythmusstörungen mit dem Verlust kognitiver Leistung zusammenhängen. Erste Ergebnisse zeigen, dass das Gehirn von Betroffenen mit Vorhofflimmern strukturell verändert ist.

 

red/Agenturen

Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmusstörung in der Schweiz. Sie steht mit verschiedenen Krankheiten in Zusammenhang, unter anderem mit dem Verlust kognitiver Fähigkeiten bis hin zur Demenz. Über welche Mechanismen Vorhofflimmern und Demenz zusammenhängen, könnten, untersucht ein Forschungsprojekt unter der Leitung von Stefan Osswald und Michael Kühne vom Universitätsspital Basel. Die „Swiss-AF"-Kohortenstudie wird vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt.

Erste Ergebnisse mit rund 1700 Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern zeigen, dass die Mehrheit der Betroffenen relevante Hirnläsionen aufweist, wie das Unispital am Dienstag mitteilte. Darunter fallen beispielsweise kleine Blutungen, Lakunen (Löcher), Narben von Hirninfarkten oder Verlust an weisser Hirnsubstanz. Läsionen in letzterer fanden sich sogar bei 99 Prozent der Teilnehmenden, wie die Forschenden im Fachblatt „Journal of the American College of Cardiology" schreiben.

Die meisten der beobachteten Hirnläsionen verliefen für Arzt und Patient unerkannt, seien also „klinisch stumm", hiess es weiter. Sie gehen jedoch mit einer tieferen kognitiven Leistungsfähigkeit einher. Der Umfang der Einbussen sei vergleichbar mit denen nach einem klinisch klar erkennbaren Hirnschlag.

An der Swiss-AF Studie (Swiss Atrial Fibrillation Cohort Study) nehmen 2415 Patientinnen und Patienten mit Vorhofflimmern teil, die an verschiedenen Studienzentren regelmässig per Fragebogen über ihre Krankheitsgeschichte, Medikamenteneinnahme und ihren Lebensstil befragt werden.

Zudem nehmen sie an verschiedenen Tests teil, wie beispielsweise Gedächtnistests, und unterzogen sich Hirnscans zu Beginn der Studie und nach zwei Jahren. Die Studie soll auch den Langzeitverlauf untersuchen, und so werden die Tests jährlich wiederholt.So hoffen die Forschenden auch, herauszufinden, ob Früherkennung von Risikopatienten und eine möglichst frühzeitige Behandlung des Vorhofflimmerns den Abbau kognitiver Leistungen verhindern können.

Gehirn Inside
Insbesondere sind bestimmte Gene wie „Zeitmarker“ nur während eines bestimmten Fensters der Hirnentwicklung aktiv.
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