Medizin-Nobelpreis für US- und japanischen Forscher

James Allison und Tasuku Honjo wurden für Entdeckungen ausgezeichnet, die zur modernen Immuntherapie gegen Krebs führten, teilte das Karolinska-Institut in Stockholm mit.

red/Agenturen
Karolinka Institut - Nobelpreis
Die Nobelversammlung am Karolinska Institut bestimmt jährlich die Träger des Nobelpreises für Medizin.
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Der US-Forscher James Allison (M.D. Anderson Medical School Houston/Texas/USA) und der japanische Wissenschafter Tasuku Honjo (Universität Kyoto) teilen sich den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie und Medizin. Dies gab das Nobelpreiskomitee am Montag in Stockholm bekannt.

Die Forscher werden für Entdeckungen ausgezeichnet, welche zur modernen Immuntherapie gegen Krebserkrankungen führten. Die moderne Immuntherapie, welche in den vergangenen Jahren die Behandlung mancher Krebserkrankungen - vor allem von Tumorleiden wie Lungenkrebs - revolutioniert hat, beruht auf dqer sogenannten Checkpoint-Blockade.

Mit monoklonalen Antikörpern gegen Oberflächenmerkmale von Tumor- oder Immunzellen (CTLA-4, PD-1 oder PD-L1) gelingt es, die Immunabwehr von Patienten wieder gegen die bösartigen Zellen zu aktivieren. Damit kann bei manchen Krebserkrankungen bei etwa 20 Prozent der Behandelten eine langfristige Kontrolle des Leidens erreicht werden. Die Auszeichnung ist mit neun Millionen Schwedischen Kronen (rund 870.000 Euro) dotiert. 2017 erhielten den Medizin-Nobelpreis drei US-Forscher - Jeffrey C. Hall, Michael Rosbash und Michael W. Young. Dies erfolgte für die Aufklärung der Mechanismen der biologischen „Inneren Uhr“ von Lebewesen.

„Paradigmenwechsel in der Krebstherapie“

„Krebs tötet Millionen Menschen jedes Jahr, er ist einer der größten Gesundheitsherausforderungen“, schrieb das Nobelpreiskomitee. „Während der 1990er-Jahre untersuchte James P. Allison an der Universität von Kalifornien in Berkeley, das T-Zell-Protein CTLA-4. Er war einer von mehreren Wissenschaftern, welche die Beobachtung machten, dass CTLA-4 als 'Bremse' für die T-Immunzellen fungiert.“

Tasuku Honjo von der Kyoto Universität wiederum hatte 1992 ein anderes Protein auf der Oberfläche von T-Immunzellen entdeckt. „Entschlossen, seine Rolle aufzuklären, führte er eine Serie von eleganten Experimenten über mehrere Jahre an seinem Institut an der Kyoto Universität durch. Die Ergebnisse zeigten, dass PD-1 - ganz ähnlich wie CTLA-4 - als Hemmschuh für die T-Zellen wirkt“, merkte das Nobelpreiskomitee an.

Wiener Onkologen zeigten sich am Montag gegenüber der APA hoch erfreut über die Zuerkennung des Medizin-Nobelpreises an die beiden Forscher aus den USA und Japan. „Diese Immuntherapie mit Immuncheckpoint-Inhibitoren hat zu einem Paradigmenwechsel in der Krebstherapie geführt. Jahrzehntelang hatte man mit anderen Immuntherapien bei Krebs nur mäßige Effekte erzielt. Die Immuncheckpoint-Blockade stellte erstmals auf diesem Gebiet einen Durchbruch dar und ist rasch zu einem Behandlungsprinzip - zunächst bei Melanom, dann bei Lungenkrebs, Nierenzellkarzinomen und anderen Krebserkrankungen - geworden“, sagte Matthias Preusser, nunmehr Professor für Internistische Onkologie von MedUni Wien/AKH, gegenüber der APA.

Basis für ähnliches Immuntherapieprinzip entdeckt

„Durch Anderson und die Entdeckung von CTLA-4 und dessen Funktion konnte mit 2010 erstmals eine Immuntherapie beim fortgeschrittenen Melanom mit dem monoklonalen Antikörper Ipilimumab durchgeführt werden. Allison ist 'wahnsinnig' gescheit. Er ist ein hoch genialer Wissenschafter. Die erste Publikation von Anderson dazu stammte aus dem Jahr 2004. Begonnen hat das aber schon in den 1990er-Jahren“, sagte Christoph Zielinski, Preussers Vorgänger und Koordinator des Comprehensive Cancer Center (CCC) von MedUni Wien und AKH.

Tasuku Honjo wiederum habe mit PD-1 die Basis für ein ganz ähnliches Immuntherapieprinzip durch das „Lösen“ der „Bremsen“ entdeckt, welche die T-Zellen von Krebspatienten daran hindern, aktiv zu werden, sagte Zielinski. „Mit 'Nivolumab' stand ab 2012 die erste Immuntherapie mit einem PD-1-Hemmer gegen Lungenkrebs zur Verfügung. Diese Therapien werden jetzt bei fast allen Krebserkrankungen untersucht und spielen eine Rolle. Honjo ist ein toller Wissenschafter, ein sehr vornehmer, eleganter Herr - ein toller Typ.“