Coronavirus

Kärntner Mediziner fordern „Solidarität mit Kindern"

Verantwortliche aus dem Gesundheitsbereich in Kärnten haben am Donnerstag erneut appelliert, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen - auch aus Solidarität mit den Kindern, die noch nicht geimpft werden können. Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) meinte vor Journalisten, auch Kinder könnten sich mit schweren Folgen infizieren und seien betroffen von Maßnahmen wie Lockdowns: „Es sollte wie ein Schutzwall funktionieren, das Umfeld der Kinder sollte geimpft sein.“

red/Agenturen

Robert Birnbacher, Vorstand der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landeskrankenhaus Villach, meinte, Kinder und Jugendliche hätten derzeit nur drei Optionen: Die Kontakte zu reduzieren, sich dem Virus auszusetzen oder die Impfung. Kontakte zu reduzieren sei für Jugendliche jedenfalls eine große Einschränkung. Was die Erkrankungen angeht, so verlaufen die meisten Infektionen im Kinder- und Jugendalter zwar mild, dennoch bekäme ein Erkrankter von 1.000 in dieser Gruppe eine schwere Zweiterkrankung, die Organe und das Herzkreislaufsystem schädigt und die Patienten auf die Intensivstation bringt. Bleibe noch die Impfung: „Es ist sehr erfreulich, dass die Daten darauf hinweisen, dass es im Herbst möglich sein wird, dass Impfstoffe für Kinder unter zwölf Jahren verfügbar sein werden.“

Bleibt die Frage, wie man Kinder und Jugendliche zur Impfung motivieren könne. Hier verwies Prettner auf die laufende Werbekampagne, die sich gezielt an jüngeres Publikum richtet. Außerdem wird derzeit erhoben, wie viele impfbereite Jugendliche ab zwölf Jahren über die Schulen erreicht werden könne. Eine nicht unwesentliche Rolle würden auch freie Impfangebote ohne Anmeldung spielen, wie die derzeit vor allem in Klagenfurt und Villach angeboten werden. Mit Stand Donnerstag hatten in Kärnten 28,9 Prozent der Altersgruppe von zehn bis 19 Jahren eine Erstimpfung bekommen, 23,8 Prozent sind vollimmunisiert.

Datenlage: Kinder unter 12 sprechen gut auf Impfung an

Eltern, die bereits jetzt ihre Kinder unter zwölf Jahren impfen lassen wollen, obwohl es dafür noch keine Zulassung gibt, gebe es immer wieder erklärte, Peter Kurnik von der Ärztekammer und selbst Kinderarzt: „Das ist etwas, wo man ausführlichst darüber sprechen muss.“ Die Datenlage, die sich in Studien andeutet, scheine so zu sein, dass Kinder unter zwölf gut ansprechen und „ein ähnliches Nebenwirkungsprofil haben dürften.“ Bevor es die Zulassung gibt, dürfe man aber nicht sagen „impft eure Kinder früher“. Im Einzelfall sei das bei Risikokindern zu besprechen - das komme auch bei anderen Medikamenten vor, bei denen es keine genügenden Studien für Kinder gibt und die daher für diese nicht zugelassen sind.

Auf die Frage, wie es mit Nebenwirkungen der Corona-Impfung für Kinder und Jugendliche aussieht, meinte Birnbacher, es stimme, dass es bei Personen unter 25 Jahren zu statistisch signifikant mehr Fällen an Herzmuskelentzündungen gekommen sei: „Diese sind aber alle folgenlos ausgeheilt.“ Und außerdem sei das Risiko, nach einer Corona-Infektion eine Herzmuskelentzündung zu erleiden, 200 Mal höher als nach einer Impfung.