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„Sparen kann Ihr Leben kosten“

Ärztekammer präsentiert Imagekampagne

Die neuen Sujets der aktuellen Kampagne sowie eine eigens dafür gebrandete Straßenbahn sollen auf die derzeit wieder akuten Probleme in Wiens Spitälern aufmerksam machen. „Wir Spitalsärzte arbeiten derzeit am äußersten Limit“, betont Ärztekammer-Vizepräsident Wolfgang Weismüller. Die Zeit für Patientinnen und Patienten käme zu kurz.

red/Agenturen
Kampagne
Ärztekammer-Vizepräsident Wolfgang Weismüller vor einer der beiden gebrandeten Straßenbahnen.
Stefan Seelig /Ärztekammer für Wien
„Wir Spitalsärzte arbeiten am äußersten Limit" warnt der Vizepräsident der Kammer und Obmann der Kurie der angestellten Ärzte, Wolfgang Weismüller: „Wenn man am Limit arbeitet, dann passieren Fehler."

Im Jänner 2019 startete die Ärztekammer mit der großflächigen Imagekampagne „Wiener Spitalsärzte leisten mehr“, um die Wienerinnen und Wiener über die Leistungen der Spitalsärzte zu informieren. Seitdem sind neben den bereits bekannten Problemen zu den Ruhezeiten weitere hinzugekommen, die die Arbeit der Ärztinnen und Ärzte massiv erschweren und immer weniger Zeit für die Patientinnen und Patienten erlauben.

„Wir Spitalsärzte arbeiten am äußersten Limit", warnte der Vizepräsident der Kammer und Obmann der Kurie der angestellten Ärzte, Wolfgang Weismüller, am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Er verdeutlichte auch, was passiere, wenn es zu keiner Personalaufstockung in den Spitälern komme: „Wenn man am Limit arbeitet, dann passieren Fehler." Das heißt, die Fehlerwahrscheinlichkeit würde steigen. Zudem müssten Stationen geschlossen werden, wenn Diensträder nicht aufrechterhalten werden können.

Einer der Gründe für den eklatanten Personalmangel sei der Sparkurs des Krankenanstaltenverbundes (KAV) im Jahr 2015 gewesen, wo Personal reduziert worden sei, führte der Kammer-Vizepräsident aus. „Im Wiener Krankenanstaltenverbund fehlt nach wie vor eine dringend notwendige Personalbedarfsberechnung auf 40 Stunden.“ Würde es diese nämlich geben, wäre auch transparent sichtbar, dass mindestens 300 Spitalsärzte auf Vollzeitbasis im KAV zusätzlich aufgenommen werden müssten, weiß Weismüller. Auch die Einführung des viel kritisierten Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes hatte Auswirkungen. Dabei erfolgte eine deutliche Reduzierung der erlaubten ärztlichen Arbeitszeit. Zudem würden - als „neues Phänomen" - gut ausgebildete Fachärzte die Spitäler verlassen, berichtete Weismüller weiters.

Aufgrund einer bevorstehenden Pensionierungswelle droht nun eine nochmalige Verschlechterung der Situation: „Ein Drittel aller Wiener Spitalsärzte gehen in den nächsten zehn Jahren in Pension." Dabei handle es sich um Leute mit „enormem Fachwissen", so der Vizepräsident, um medizinische Leistungsträger.

Spitäler müssen attraktivere Arbeitsplätze werden

Damit es nicht soweit kommt, fordert die Kammer nun in einem ersten Schritt neben den zumindest 300 ausgebildete Fachärzte mehr eine Anhebung des Grundgehaltes für Mediziner um zunächst 30 Prozent, um die Abwanderung in den niedergelassenen Bereich weniger attraktiv zu machen. Denn im Schnitt würde ein niedergelassener Facharzt das Doppelte verdienen, veranschaulichte Weismüller.

Außerdem müsse das Krankenhaus als Arbeitsplatz wieder attraktiver gemacht werden. Derzeit sei die Infrastruktur veraltet, die Bürokratie überbordend und es fehle die Wertschätzung seitens des Arbeitgebers, bemängelte Weismüller. Aus diesem Grund bedürfe es einer „Infrastrukturmilliarde", um die Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen zu verbessern.

„Ausbildung und Fortbildung müssen auch in Wien wieder ernst genommen werden“, fordert Weismüller. Ein Zeichen seitens des Arbeitsgebers wäre hier die Unterstützung der Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten. Ein „Fortbildungstausender“ pro Spitalsarzt jedes Jahr – so wie es in anderen Bundesländern üblich ist – ist für Weismüller eine geeignete Maßnahme, um den Standort Wien zu attraktivieren und die Qualität der Versorgung zu sichern.„Zusätzlich brauchen wir eine Verbesserung der Ausbildungsqualität mit einer strukturierten Ausbildung, in der der Dienstgeber zeitliche Ressourcen sowohl für Ausbildner als auch für Auszubildende schafft“, erklärt Weismüller.

Konkret müssten hier gemäß Weismüller vom Dienstgeber garantierte Fortbildungstage für Turnusärzte eingeführt werden, „analog zu jenen, wie sie bereits Fachärzte im Spital haben“. Auch eine fortlaufende Anstellung der Ausbildungsärzte für Allgemeinmedizin während der verpflichtenden Lehrpraxis müsse endlich ermöglicht werden. Zusätzlich mahnte Weismüller die Einführung der Zentralen Notaufnahmen ein, die es auch vier Jahre nach der Einigung mit der Stadtregierung noch immer nicht gebe.

„Wir wollen mit der Kampagne dringend davor warnen, welche Gefahren auf unsere Patienten zukommen könnten“, so Weismüller. „Nachdem wir zu Beginn des Jahres die Stärken unseres Berufs im Fokus hatten, zeigen wir nun die Kehrseite der Medaille, nämlich, mit welchen schwierigen Arbeitsbedingungen Spitalsärzte tagtäglich zu kämpfen haben – und was das für die Patienten bedeuten kann.“

Die aktuellen Sujets mit den Schwerpunkten „Sparkurs“, „Wartezeit“, „Ärztemangel“ und „Nachwuchs“ sollen mit klassischen Plakaten, Megaboards, Infoscreens, digitalen City-Lights, Inseraten in relevanten Hochglanzmagazinen sowie via Social Campaigning in Social Media verbreitet werden und entsprechende Aufmerksamkeit generieren, um die derzeit größten Probleme im Spitalswesen anzusprechen.

„Ein Drittel aller Wiener Spitalsärzte gehen in den nächsten zehn Jahren in Pension“, so Weismüller. Dabei handle es sich um Leute mit „enormem Fachwissen", so der Vizepräsident.