Coronavirus

Persönliche Freiheit durch Pandemie weniger wichtig geworden

Die Corona-Krise hat das gesellschaftliche Zusammenleben verändert und Teile des Wertekataloges verschoben. So ist den Österreichern etwa das Gut „Persönliche Freiheit“ weniger wichtig als vor der Pandemie, die Solidarität mit Alten und Kranken hoch, das Verständnis für Arbeitslose und Zuwanderer jedoch gesunken, zeigt eine am Montag präsentierte Umfrage unter 1.000 Österreichern des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) und der Kommunikationsagentur Pick & Barth.

red/Agenturen

Fürsorglich Abstand halten, auf Mitmenschen achten, für Nachbarn einkaufen gehen. „Grundsätzlich gibt es viel Bereitschaft in der Bevölkerung, sich für eine Sache zu engagieren“, attestierte Eva Zeglovits, IFES-Geschäftsführerin, den Österreichern. Knapp die Hälfte der Befragten (45 Prozent) stimmten „sehr“ beziehungsweise „eher“ zu, dass es in Ordnung sei, die Freiheitsrechte des Einzelnen einzuschränken, wenn es um den Schutz der Gesundheit geht.

Nur FPÖ-Wähler zeigten sich laut Umfrage diesbezüglich skeptisch und stimmten „gar nicht“ oder „eher nicht“ zu (54 Prozent). „Menschen, die mit der Demokratie unzufrieden sind, schätzen den Wert der persönlichen Freiheit hoch ein, Zufriedene sind hingegen eher bereit, sich persönlich zurückzunehmen“, kommentierte Zeglovits das Ergebnis der Umfrage.

Gefühl der Selbstbestimmtheit niedriger als vor der Pandemie

Die Solidarität mit Alten, Kranken und Menschen mit Behinderung blieb hingegen auch nach der Pandemie in seiner ganzen gesellschaftlichen Breite auf konstant hohem Niveau (85 Prozent). Das zeigt ein Vergleich der aktuellen Umfrage mit der European Value Study aus dem Jahr 2018. „Mit Arbeitslosen und Zuwanderern ist die Solidarität seit Pandemiebeginn aber um sechs beziehungsweise zehn Prozentpunkte zurückgegangen“, merkte Zeglovits an. Dabei zeigten sich jüngere Menschen häufiger solidarisch mit Zuwanderern als ältere, Ärmere häufiger solidarisch mit Arbeitslosen als Reichere.

Das Gefühl, die eigene Zukunft selbst in der Hand zu haben und selbstbestimmt leben zu können, ist unterdessen während der Pandemie von 17 Prozent auf zehn gesunken. „Besonders Menschen mit geringerem Einkommen haben hier das Gefühl weniger Einfluss auf Selbstbestimmtheit zu haben“, sagte Zeglovits. Ältere und Jüngere zeigten sich laut Expertin im Vergleich zu Menschen mittleren Alters aber tendenziell optimistischer, was die Zukunft angeht.

Verglichen mit vor der Pandemie hätte sich die Gewichtung der Werte sonst kaum verändert, meinte Zeglovits. Am wichtigsten sei den Österreichern demnach weiterhin ein „respektvoller Umgang miteinander“ (60 Prozent), die „Gleichberechtigung von Mann und Frau“ (52 Prozent) und „Chancengleichheit und Fairness“ (46 Prozent). „Materieller Wohlstand“ ist laut Umfrage hingegen lediglich zwölf Prozent äußerst wichtig.