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„Im Gedenken der Kinder": Kinderärzte als NS-Täter

An der Universität Salzburg ist ab kommender Woche die deutsche Wanderausstellung „Im Gedenken der Kinder“ über die Verbrechen von Kinderärzten in der NS-Zeit zu sehen. Die Dokumentation erinnert auf 30 Bild- und Texttafeln an die medizinischen Grausamkeiten und das Leid der bis zu 10.000 Kinder und Jugendlichen, die im Zuge der Kinder-„Euthanasie“ und im Rahmen der Aktion „T4“ zwischen 1939 bis 1945 im so genannten Dritten Reich umgebracht worden sind.

red/Agenturen

Betroffen waren etwa Kinder mit angeborenen Fehlbildungen oder Erkrankungen wie Trisomie 21, später wurden vereinzelt auch schwer erziehbare „Gemeinschaftsunfähige“ ermordet. Medizinisches Personal wurde verpflichtet, bei Neugeborenen Meldung zu erstatten, wenn der Verdacht eines „erb- und anlagebedingten schweren Leidens“ vorlag. Kinder und Jugendliche wurden oft Opfer grausamer Experimente - etwa in dem sie vorsätzlich mit Tuberkulose infiziert wurden, um Impfstoffe zu testen. Viele wurden ermordet, um Ärzten als wissenschaftliche Forschungsobjekte zu dienen - Ärzte, die wie der Wiener Heinrich Gross nach dem Krieg vielfach Karriere machten.

Im Fokus der Ausstellungen stehen zum Beispiel Erklärungen zum sogenannten „Reichsausschuss“-Verfahren, aber auch die ideologische Vorgeschichte hinsichtlich der Tötung von kranken und behinderten Menschen. Die 2010 von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin konzipierte Schau wurde in den vergangenen Jahren stetig erweitert und führt in Form eines selbsterklärenden Rundgangs in das Thema ein.

An die Salzach geholt hat die Dokumentation der Fachbereich Geschichte der Universität Salzburg und die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde gemeinsam mit einer Reihe von Partnerorganisationen. Einen spezifischen Salzburg-Schwerpunkt, etwa zur Rolle der Christian-Doppler-Klinik in der NS-Zeit, gibt es nicht. Österreich-Bezug hat die Ausstellung dennoch: beispielsweise wenn die berüchtigte „Kinderfachabteilung“ in der Jugendfürsorgeanstalt „Am Spiegelgrund“ in Wien ins Licht gerückt wird.

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