Grund und Therapie gefunden

Komplikationen bei Bauchfelldialyse

Neben der klassischen Hämodialyse kann als Nierenersatztherapie auch eine Bauchfelldialyse durchgeführt werden. Diese ist jedoch wegen eines Versagens des Bauchfells oft nur für begrenzte Zeit einsetzbar. Forschende der MedUni Wien fanden nun den Grund dafür. Eine am angeschlossenen Christian Doppler (CD) Labor entwickelte Dialyselösung mit zugesetztem Lithium kann die Entwicklung zudem verhindern und Komplikationen reduzieren, hieß es am Montag in einer MedUni-Aussendung.

red/Agenturen

Eine der wichtigsten Aufgaben der Nieren ist es, Stoffwechselprodukte aus dem Blut zu filtern. Sind die Nieren dazu nicht mehr in der Lage, muss das Blut mittels Dialyse (Blutwäsche) künstlich gereinigt und entwässert werden, wurde in der Mitteilung erläutert. Ein Teil der Patientinnen und Patienten setzt die flexible Methode der Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse/PD) ein, bei der die Membran des Bauchfells als Filter verwendet wird.

Vorteil gegenüber der Hämodialyse ist die Möglichkeit, diese selbstständig zu Hause durchzuführen, was die Lebensqualität erhöht. Zusätzlich kann durch diese gefäßschonende Form der Entfernung von überschüssigem Wasser und gelösten harnpflichtigen Stoffen eine Restfunktion der Nieren oft besser erhalten werden. Allerdings können die in der Bauchfelldialyse eingesetzten Lösungen Fibrose, Gefäßschäden und Entzündungen auslösen.

Zahl der chronischen Nierenerkrankung oder Verlust der Nierenfunktion steige weltweit

Studienerstautorin Rebecca Herzog und ihr Team identifizierten in Analysen αB-Crystallin als Schlüsselprotein. Durch die Zugabe von Lithiumchlorid wurde αB-Crystallin aber verringert, die Verdickung des Bauchfells reduziert und die Expression von Fibrosemarkern in den Mesothelzellen verringert, berichtete die MedUni. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine Zugabe von Lithiumchlorid die Peritonealdialyse-Therapie beim Menschen verlängern könnte“, erläuterte Herzog.

Das neuartige Konzept der Zytoprotektion durch Zusätze zu PD-Lösungen entstammt der Forschung an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni. „Unserem Konzept folgend, PD-Flüssigkeiten mit zytoprotektiven Zusatzstoffen zu ergänzen, fanden wir in unserer aktuellen Studie heraus, dass Lithiumchlorid (LiCl) das Überleben der Zellen bei ansonsten schädlicher Exposition mit PD-Lösungen verbessert“, sagte Klaus Kratochwill, Leiter des CD-Labors für Molekulare Stressforschung in der Peritonealdialyse. Die Studienergebnisse wurden im Fachblatt „Science Translational Medicine" als Cover-Story veröffentlicht.

Innovative Lösungen sollen helfen, das Bauchfell (Peritoneum) möglichst lange zu erhalten, um den Dialysepatientinnen und -patienten ein weitestgehend normales Leben bzw. Wartezeit auf eine Transplantation zu ermöglichen, betonte die MedUni. Die Zahl der Menschen mit chronischer Nierenerkrankung oder Verlust der Nierenfunktion steige weltweit und damit auch die Zahl derer, die eine Nierenersatztherapie benötigen. Der Verlust der Nierenfunktion betrifft ungefähr drei Millionen Menschen. Die steigenden Zahlen von fünf bis acht Prozent pro Jahr sind zum Teil auf das zunehmende Vorkommen von Bluthochdruck, Diabetes und Alterung zurückzuführen.

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Die Zahl der Menschen mit chronischer Nierenerkrankung oder Verlust der Nierenfunktion steige weltweit und damit auch die Zahl derer, die eine Nierenersatztherapie benötigen. Der Verlust der Nierenfunktion betrifft ungefähr drei Millionen Menschen. Die st
P. Stanka