Betreuung

Klasnic fordert gratis Hospiz- und Palliativpflege in ganz Österreich

Wie ein Gips auf der Notambulanz bei einem Armbruch soll auch eine Hospiz- und Palliativbetreuung für die Betroffenen gratis sein, sagte Waltraud Klasnic vom Dachverband Hospiz Österreich Mittwochvormittag vor Journalisten. Auch die Angehörigen dürfe man dafür nicht zur Kasse bitten. Stattdessen sollten die Sozialversicherungen, Länder und der Bund jedem Menschen in Österreich eine bestmögliche Versorgung im letzten Lebensabschnitt finanzieren.

red/Agenturen

Im Jahr 2020 starben in Österreich laut Statistik Austria 91.599 Menschen. Etwa jeder fünfte bräuchte eine spezialisierte Hospiz- oder Palliativbetreuung. Palliativpflege versorgt Menschen, bei denen keine Aussicht auf Heilung besteht, um ihre Schmerzen und Angst vor dem Tod zu lindern und ihnen einen würdevollen letzten Lebensabschnitt zu ermöglichen. Dies kann im eigenen Wohnumfeld der Betroffenen geschehen und in speziellen Einrichtungen (Hospizen).

Derzeit gibt es hierzulande keine flächendeckende Finanzierung, weshalb die Betroffenen oder Angehörige vor allem außerhalb der größeren Städte dafür teils zur Kasse gebeten werden, kritisierte die ehemalige Landeshauptfrau der Steiermark (ÖVP) Klasnic. Sie forderte daher ein Gesetz, das eine „Regelfinanzierung“ durch Sozialversicherungen, Länder und den Bund gewährleistet. Die Betroffenen sollten solch ein Angebot in Anspruch nehmen können, ohne sich in dieser schwierigen Lebenssituation auch noch finanzielle Sorgen aufbürden zu müssen.

Klasnic vertraut auf die Politik

Die Einführung einer langfristig gesicherten, öffentlichen Finanzierung der Hospiz- und Palliativversorgung würde seit 2004 in jedem Regierungsprogramm aufgelistet, ist aber bis heute von keiner Regierung umgesetzt worden, erklärte Klasnic. Sie habe aber „Vertrauen in die Politik“, dass dies nun endlich geschehe. Damit könnte bundesweit ein bedarfsdeckendes, niederschwelliges Betreuungsangebot jeweils in Wohnnähe der Betroffenen realisiert werden.

Für einen geplanten „Vollausbau“ der Hospiz- und Palliativversorgung bis 2025 in Österreich bräuchte es „zusätzlich zu den bisher ausgegebenen 140 Millionen Euro insgesamt noch 160 Millionen“, sagte Klasnic bei der Pressekonferenz anlässlich des „Welt Hospiz- und Palliativpflege-Tages“, der am 9. Oktober angesetzt ist: „Das muss uns ein würdevolles Ende des Lebens wert sein“. Damit könne man laut Dachverband Hospiz Österreich einen Fehlbedarf im Vergleich zu heute etwa von insgesamt 260 Palliativbetten, fünf Tageshospizen und 130 Hospizteams decken.