Corona-Impfungen

Deutschland übt scharfe Kritik an Herstellern

In den Bemühungen um Impfstoffspenden für ärmere Länder hat die deutsche Regierung scharfe Kritik an den Impfstoffherstellern geübt. Bürokratische Hürden, Preisfestsetzungen und wenig planbare Liefermengen würden dafür sorgen, dass die Spenden nicht wie gewünscht erfolgen können, schreibt das Gesundheitsministerium in einem Brief an die neue EU-Gesundheitsberhörde Hera.

red/Agenturen

„Während sich in vielen Mitgliedstaaten derzeit Impfstoff-Überschüsse aufbauen, zeichnet sich global eine Notfallsituation bei den Verteilungen ab - bei der einigen Ländern droht, große Mengen an wertvollen Impfstoffen wegwerfen zu müssen, während diese in anderen Teilen der Welt dringend gebraucht werden“, warnte Staatssekretär Thomas Steffen in dem Brief an Hera-Direktor Pierre Delsaux.

Man treffe bei den Spenden auf „anhaltend bürokratische, logistische und rechtliche Probleme“, beklagte Steffen. Die Hersteller wollten EU-Mitgliedstaaten und Empfängerländern Bedingungen für die Nutzung der Impfstoffe diktieren, „was eine schnelle Antwort auf internationale Anfragen nach Hilfe fast unmöglich macht“. Zudem störten die Änderungen in den Liefermengen und die Verfallsdaten der Impfstoff-Dosen eine verlässliche Planung.

Steffen begründet sein Warnschreiben damit, dass alle spendenden EU-Staaten in einer ähnlichen Situation seien. Deshalb rufe das deutsche Gesundheitsministerium die EU-Kommission auf, den Druck auf die Hersteller zu erhöhen, sich bei den Spenden und dem Weiterverkauf flexibler zu zeigen. Dies schließe auch ein, dass man die zu restriktiven Bedingungen neu verhandeln müsse, die beim Ankauf der Impfstoffe vereinbart worden seien. Die EU-Kommission hatte die Verhandlungen über die Bestellung der Corona-Impfstoffe für die EU-Länder geführt.

Covax: Deutschland zweitgrößter Geldgeber

Deutschland will heuer 100 Millionen Impfdosen gespendet haben. Steffen sagte dazu, dass von diesen nur bis zu maximal 50 Millionen Dosen von den Herstellern AstraZeneca und Johnson & Johnson stammen könnten. Grund seien die Lieferankündigungen der Hersteller. Diese Vektor-Impfstoffe gelten als leichter transportierbar und lagerbar. Man müsse auch mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und vor allem von Moderna spenden.

Das Auswärtige Amt hatte am 9. Oktober angegeben, dass Deutschland bis dahin gut 13 Millionen Dosen an 15 Länder gespendet habe. Davon wurden 7,3 Millionen bilateral abgegeben und 5,7 Millionen Impfdosen über die internationale Impfallianz Covax. Davon wiederum gingen zuletzt unter anderem 790.000 Dosen an Bangladesch, 386.400 nach Ghana, 300.000 nach Botswana, 272.640 an die Elfenbeinküste und 117.120 an Ägypten.

Zu den Spenden der Impfdosen kommt die deutsche Finanzierung für Covax. Dort ist Deutschland der zweitgrößte Geldgeber. Der deutsche Beitrag soll den Ankauf und die Weitergabe von mehreren hundert Millionen Impfdosen ermöglichen. Die Bundesregierung unterstützt zudem den Aufbau von Impfstoff-Fabriken etwa von Biontech in Afrika, lehnt aber eine Freigabe der Impfstoff-Patente ab.