| Aktualisiert:
Corona-Impfung

Deutsche Mediziner setzen große Erwartungen in Auffrischungsimpfungen

Die Medizin-Experten aus Deutschland setzen große Erwartungen in die Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus: Der Schutz könne nach einer dritten Impfung sogar höher liegen als nach der zweiten, sagte der Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie an der Berliner Charité, Leif Erik Sander, am Mittwoch in Berlin. „Deswegen gehe ich fest davon aus, dass sich für die mRNA-Impfstoffe über kurz oder lang ein Drei-Dosis-Regime etablieren wird und wir im Verlauf auch allen Erwachsenen eine Booster-Impfung anbieten werden“.

red/Agenturen

Er verwies darauf, dass Studien aus Israel einen nach der dritten Impfung um das 20fache erhöhten Schutz belegten. Auf der anderen Seite gibt es nach seinen Angaben gerade bei Älteren klare Erkenntnisse über einen nachlassenden Impfschutz: Menschen über 70 wiesen sechs Monaten keine neutralisierenden Antikörper gegen die Delta-Variante mehr auf. Die nachlassende Schutzwirkung sei „vollkommen erwartbar“.

Sander äußerte sich auf der Presskonferenz mit dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und dem Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. Dabei warb der Minister erneut für sein Vorhaben, allen Menschen in Deutschland eine Booster-Impfung anzubieten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hatte sich demgegenüber zurückhaltender geäußert und dabei auf die bisherige Empfehlung der Ständigen Impfkommission verwiesen, die insbesondere Menschen ab 70 die Auffrischung empfiehlt.

70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einmal geimpft

Mehr als 55 Millionen Menschen sind inzwischen in Deutschland vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das geht aus Zahlen des Robert Koch-Instituts vom Mittwoch hervor. 57,8 Millionen Menschen (69,5 Prozent) haben mindestens eine Impfung verabreicht bekommen, 55,6 Millionen (66,8 Prozent) sind vollständig geimpft. 2,2 Millionen Menschen haben zusätzlich bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten.

Beim Stand der Covid-19-Impfungen gibt es weiterhin erhebliche regionale Unterschiede: Unter den Bundesländern verzeichnet Bremen mit 81,2 Prozent den höchsten Anteil Erstgeimpfter. 14 weitere Bundesländer haben die 60-Prozent-Marke geschafft, lediglich Sachsen steht mit 59 Prozent unter dieser Marke. Bremen zählt mit 78,4 Prozent ebenfalls den höchsten Anteil an vollständig geimpften Einwohnern. Sachsen ist hier mit 56,8 Prozent am Ende der Rangliste.

70 Prozent der Bevölkerung in Deutschland einmal geimpft

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist derzeit am Sinken. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Mittwochmorgen mit 146,6 an. Am Vortag hatte der Wert bei 153,7 gelegen, vor einer Woche bei 118,0.

Wegen des Feiertags Allerheiligen in fünf Bundesländern wurden zuletzt womöglich weniger Infektionen gemeldet. In den Tagen davor war die Inzidenz stets merklich gestiegen - das aber mit etwa gleichbleibender, nicht zunehmender Dynamik. Weitere mögliche Gründe für die sinkenden Neuinfektionszahlen nannte das RKI zunächst nicht.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI am Dienstag mit 3,29 an (Montag: 3,46). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 4.315.100 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 96.027.

Booster Auffrischungsimpfung
Vorrangig Risikopersonen sollen den Booster vorerst erhalten - etwa Personen ab 60, Immungeschwächte sowie Menschen mit Grunderkrankungen und Schwangere.
Pixabay