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Coronavirus

Erster US- Fall: Omikron breitet sich weiter global aus

In den USA ist erstmals eine Infektion mit der Coronavirus-Variante Omikron entdeckt worden. Die Variante sei im Bundesstaat Kalifornien bei einer Person entdeckt worden, die am 22. November aus Südafrika zurückgekehrt sei, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC mit. Dort hat es laut Behörden in den vergangenen zwei Wochen einen „exponentiellen Anstieg“ der Fälle gegeben. Der Impfstoffhersteller Moderna stellt unterdessen einen speziell auf Omikron adaptierten Booster mit März in Aussicht.

red/Agenturen

Die mit der Omikron-Variante infizierte Person sei vollständig geimpft, habe milde Symptome, sei in Quarantäne und bereits auf dem Weg der Besserung, so . Alle engen Kontakte seien kontaktiert und negativ getestet worden, so die CDC. Die Virusprobe sei von der University of California in San Francisco untersucht worden; die CDC habe daraufhin noch einmal bestätigt, dass es sich um die Omikron-Variante handle.

US-Präsident Joe Biden hatte angesichts der neuen Variante bereits vor einigen Tagen vor übertriebener Angst gewarnt und erneut zum Impfen aufgefordert. Die USA hatten Reisebeschränkungen für Einreisen aus den Ländern des südlichen Afrikas verhängt, Biden hatte aber bereits eingeräumt, dass diese die Ankunft der Variante in den USA „nicht verhindern“ könnten.

Provinz Gauteng am Stärksten betroffen

Das südafrikanische Institut für Infektionskrankheiten (NICD) hat den raschen Anstieg der Corona-Fälle angesichts der neuen Omikron-Variante als „beunruhigend“ bezeichnet. In den vergangenen zwei Wochen habe es einen „exponentiellen Anstieg“ der Fälle in Südafrika gegeben, von zunächst 300 täglichen Neuinfektionen im Wochendurchschnitt auf 1.000 in der vergangenen Woche und zuletzt auf 3.500, sagte die NICD-Vertreterin Michelle Groome am Mittwoch.

Mit Botsuana, Ghana, Nigeria und Südafrika sei Omikron mittlerweile in vier Ländern des Kontinents nachgewiesen, sagte am Donnerstag John Nkengasong von der Gesundheitsorganisation der Afrikanischen Union (Africa CDC). In ganz Afrika seien in der vergangenen Woche 52.300 Neuinfektionen gezählt worden - das ist ein Anstieg um 105 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. 31.000 Neuinfektionen entfielen auf Südafrika. Noch unbekannt ist laut Nkengasong, wie viele Menschen sich mit der neuen Omikron-Variante angesteckt haben.

In Südafrika zeigten fast 80 Prozent aller DNA-sequenzierten Corona-Testergebnisse eine Infektion mit der Omikron-Variante an, sagte Anne von Gottberg, Mikrobiologin am Nationalen Institut für übertragbare Krankheiten in Johannesburg. „Es sieht daher so aus, als ob Omikron im Land vorherrscht“, sagte Gottberg. Zudem deuteten erste Analysen darauf hin, dass die Anzahl der Reinfektionen in Südafrika ansteige. „Wir schließen daraus, dass die Bevölkerung anfälliger für Omikron als Delta sein könnte“, so Gottberg. Es gebe allerdings Anzeichen, dass der Krankheitsverlauf bei Omikron weniger schwerwiegend sei, wenn es sich um eine Reinfektion handele oder der Patient geimpft sei.

Impfquote in Afrika bei sieben Prozent

„Wir sind definitiv besorgt wegen der Lage im südlichen Afrika“, sagte Nkengasong. Dabei verbessere sich gerade die Versorgungslage mit Impfstoffen, die aber nicht schnell genug verabreicht würden. In Afrika sind erst sieben Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Der Kontinent hat mittlerweile 417,5 Millionen Dosen beschafft, von denen aber erst 235,8 Millionen verabreicht worden sind. Insgesamt wurden bisher in Afrika laut CDC rund 8,6 Millionen Infektionen dokumentiert, von denen mehr als 223.000 tödlich waren. Die Dunkelziffer dürfte nach Angaben von Experten auf dem Kontinent mit seinen 1,3 Milliarden Menschen jedoch höher liegen.

Nkengasong zeigte sich besorgt mit Blick auf die Feiertage zum Jahresende und befürchtet angesichts zahlreicher Zusammenkünfte zu Weihnachten oder Neujahr einen starken Anstieg der Corona-Zahlen. Die Africa CDC will die Zahl der Tests auf dem Kontinent in den kommenden Monaten von aktuell 82 Millionen auf 200 Millionen steigern. Insgesamt sind bisher elf Länder in der vierten Infektionswellen - Mauritius geht laut der Africa CDC in seine fünfte. Die CDC versucht, die Mittel der afrikanischen Staaten zu bündeln und Maßnahmen im Kampf gegen die Pandemie zu koordinieren.

Viele Länder verhängen Einreisestopps

Die Omikron-Variante, die zunächst insbesondere bei jungen Menschen festgestellt worden sei, verbreitet sich den Angaben zufolge nun zunehmend auch unter älteren Menschen. Die rasche Ausbreitung auch in anderen Ländern hat Regierungen weltweit in Alarmbereitschaft versetzt. Viele Länder haben wegen Omikron einen Einreisestopp für Passagiere aus Ländern des südlichen Afrikas verhängt.

UN-Generalsekretär Antonio Guterres bezeichnete diese Einreisesperren am Mittwoch als ungerecht und unwirksam. „Mit einem wirklich grenzenlos agierenden Virus sind Reisebeschränkungen, die ein Land oder eine Region isolieren, nicht nur zutiefst ungerecht und strafend, sondern auch unwirksam“, sagte er vor Journalisten. Er nannte es einen „Skandal“, dass der Kontinent Afrika für seine niedrigere Impfquote verurteilt werde.

Es sei „unfair“ und „unmoralisch“, dass Südafrika nun dafür bestraft werde, dass es die Entdeckung der neuen Omikron-Variante öffentlich gemacht habe. Länder dürften „nicht kollektiv dafür bestraft werden, dass sie entscheidende wissenschaftliche und gesundheitsbezogene Informationen identifiziert und mit der Welt geteilt haben“.

Internationale Impfsolidarität vehement gefordert

Auch der der Kommissionschef der Afrikanischen Union (AU), Moussa Faki Mahamat, verurteilte die „Stigmatisierung“ des afrikanischen Kontinents. Er rief zu internationaler Solidarität auf, um weitere Impfungen für die Länder zu ermöglichen. Einreisesperren seien nicht der richtige Weg, um auf die Entdeckung der neuen Virusvariante zu reagieren.

„Ich rufe alle Regierungen auf, stattdessen wiederholte Tests für Reisende sowie andere geeignete und wirklich wirksame Maßnahmen in Betracht zu ziehen“, sagte auch Guterres. „Dies ist der einzige Weg, um das Übertragungsrisiko zu verringern und gleichzeitig Reisen und wirtschaftliches Engagement zu ermöglichen“, fügte er hinzu.

Der US-Pharmakonzern Moderna könnte unterdessen nach eigenen Angaben eine gezielte Auffrischungsimpfung für Omikron ab März entwickelt und für einen Zulassungsantrag in den USA bereit haben. Moderna-Präsident Stephen Hoge sagt am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters, der ganze Vorgang könne drei bis vier Monate dauern. „Die Omikron-spezifischen Booster kommen realistischerweise nicht vor März und vielleicht eher im zweiten Quartal.“

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die zunächst im Süden Afrikas entdeckte Omikron-Variante als „besorgniserregend“ eingestuft. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass Omikron die Wirksamkeit der Impfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte. Welche genauen Auswirkungen die Mutante hat, steht noch nicht fest. Mittlerweile sind in etlichen Ländern - darunter auch Deutschland - Fälle der Variante entdeckt worden.

 

Coronavirus Ausbruch Covid-19
Omikron, die neue „variant of concern" des Sars-CoV-2 Virus, sorgt weiterhin für erhöhte Alarmbereitschaft.
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