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Corona-Mutation

EU-Gesundheitsbehörde: Omikron könnte schon in Monaten dominieren

Die neue Omikron-Variante des Coronavirus breitet sich wie erwartet in immer mehr Ländern aus. Nach Angaben einer Schweizer Virologin ist Omikron schon länger rund um den Globus unterwegs, wurde aber erst jetzt entdeckt. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC vermutet sie schon in wenigen Monaten als dominierende Variante in Europa. Am Freitag teilte die WHO mit, dass bisher keine Todesfälle infolge einer Infektion mit dieser Coronavirus-Variante gemeldet worden sind.

red/Agenturen

Die Omikron-Variante des Coronavirus ist schon vor ihrer Entdeckung um die Welt gereist. Das erklärt die Berner Virologin Emma Hodcroft in einem Zeitungsinterview. „Beim Sequenzieren der Viren sehen wir immer viele Mutationen, aber es ist nicht immer klar, ob sie ein Virus zu einer neuen Variante machen“, sagte Hodcroft im am Freitag veröffentlichten Interview.

Erst wenn auf eine Häufung aufmerksam gemacht werde, werde gezielt nach einer Variante gesucht. Im Fall von Omikron habe ein Virologe in London als erster darauf aufmerksam gemacht, dass B.1.1.529 eine ungewöhnlich hohe Zahl an Mutationen am Spike-Protein habe, berichtete Hodcroft. Erst dann hätten nationale Forschungsequipen die Suche aufgenommen, und das Team in Südafrika habe eine Häufung gefunden.

„So erklärt sich auch, warum nun nach und nach andere Länder melden, sie hätten Omikron-Nachweise, die teilweise noch früher als jene in Südafrika datieren“, sagte Hodcroft. In anderen Ländern habe es aber offenbar bisher keine deutliche Häufung gegeben. Die Fälle zeigten nur, „dass die Mutation schon um die Welt gereist ist, bevor sie entdeckt wurde“.

Bei WHO bisher keine Todesfälle gemeldet

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind bisher keine Todesfälle infolge einer Infektion mit der Coronavirus-Variante Omikron gemeldet worden wie WHO-Sprecher Christian Lindmeier am Freitag in Genf mitteilte. Die WHO sammelt demnach die Daten über die Verbreitung der neuen Coronavirus-Variante und wertet sie aus. Er habe aber "noch keine Berichte über Todesfälle im Zusammenhang mit Omikron gesehen", fügte Lindmeier hinzu.

„Sämtliche Erkenntnisse“ zur Ausbreitung von Omikron würden von der WHO gesammelt, betonte der WHO-Sprecher. Dies werde dazu führen, dass sich das Wissen mit der Zeit erweitere, vor allem wenn die betroffenen Länder gezielt nach der Omikron-Variante suchten. So werde es eine Ansammlung von Wissen, aber „hoffentlich nicht über Todesfälle“ geben. Die WHO schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Omikron weltweit ausbreitet als „erhöht“ ein. Sie hat die Variante bereits als „besorgniserregend“ eingestuft und das Risiko durch Omikron als „sehr hoch“ eingeschätzt.

Omikron „gewiefter“ als Delta

Basierend auf mathematischen Modellen der Behörde gibt es Anzeichen dafür, dass Omikron innerhalb der nächsten Monate über die Hälfte aller Corona-Infektionen im Europäischen Wirtschaftsraum verursachen könnte. Das schrieb die in Stockholm ansässige EU-Gesundheitsbehörde ECDC am Donnerstag in einer aktualisierten Einschätzung zur Bedrohungslage durch die neue Virus-Variante.

Zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) zählen neben den 27 EU-Staaten noch Norwegen, Island und Liechtenstein. Mehr als ein Dutzend dieser Länder haben bislang Omikron-Fälle nachgewiesen. Ursprünglich war die Variante zunächst in Botsuana und Südafrika registriert worden.

Das ECDC wies weiterhin darauf hin, dass es nach wie vor eine Reihe von Unsicherheiten hinsichtlich der Übertragbarkeit, des Schweregrads von Erkrankungen und mögliche Auswirkungen auf die Immunabwehr gibt. Vorläufige Daten deuteten jedoch darauf hin, dass Omikron gegenüber der Delta-Variante klar im Vorteil sei.

Angesichts dieser Lage regte ECDC-Direktorin Andrea Ammon einen mehrschichtigen Ansatz an, um die weitere Omikron-Ausbreitung zu verlangsamen: Dazu zählen die Impfung derjenigen, die noch nicht oder erst einmal geimpft worden sind, sowie Auffrischdosen für alle über 40. Nicht-pharmazeutische Interventionen - dazu zählen zum Beispiel das Tragen einer Maske, das Abstandhalten und Lüften - hätten sich ebenfalls als wirksam erwiesen.

USA befürchtet neuen Schub der Pandemie

Auch die US-Behörden befürchten, dass die Ausbreitung der Seuche könne durch die neue Virus-Variante einen neuen Schub bekommen könnte. Die in Kalifornien entdeckte erste Infektion mit der neuen Variante war Mittwochabend (MEZ) bekannt gegeben worden - betroffen war eine Person, die am 22. November aus Südafrika zurückgekehrt sei, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Mittwoch mit.

Am Donnerstag meldete Indien die ersten zwei Omikron-Fälle. Im südlichen Bundesstaat Karnataka seien zwei Männer im Alter von 46 und 66 Jahren positiv auf die Corona-Variante getestet worden, teilte ein Vertreter des Gesundheitsministeriums mit. Nun würden auch all ihre Kontakte ersten und zweiten Grades getestet.

Erste Fälle in Frankreich

In Europa wurde am Donnerstag die erste Omikron-Infektion in Frankreich selbst - also außerhalb seiner Überseegebiete - nachgewiesen . Die Gen-Sequenzierung der Probe eines Mannes aus der Region Île-de-France habe ergeben, dass dieser mit der neuen Variante infiziert sei, erklärte die regionale Gesundheitsbehörde. Bereits am Dienstag hatte Frankreich den ersten Omikron-Fall im Überseegebiet La Réunion gemeldet.

In Frankreich wird nun befürchtet, dass Omikron zu Beginn des neuen Jahres die Pandemie dominieren werde. „Wir werden wahrscheinlich ein zunehmendes Ansteigen der Omikron-Variante sehen, die die Delta-Variante wahrscheinlich Ende Jänner überholen wird“, sagte der Regierungsberater Jean-Francois Delfraissy am Donnerstag dem TV-Sender BFM.

Omikron in Mallorca nachgewiesen

Auch auf der bei Österreichern und Deutschen beliebten Urlaubsinsel Mallorca wurde ein erster Fall der neuen Virusvariante nachgewiesen. Die Mutation des Coronavirus sei bei einer 20-jährigen Schweizerin festgestellt worden, die von Südafrika über Frankfurt auf die Insel gereist sei, berichtete die „Mallorca-Zeitung“ am Donnerstag. In Deutschland sei ein Corona-Test der vollständig geimpften Reisenden noch negativ ausgefallen, bei einem weiteren Test auf Mallorca dann aber positiv. Mit ihrem Begleiter, dessen Test negativ gewesen sei, müsse die Frau nun zwei Wochen in Quarantäne. Auf dem spanischen Festland waren schon in den vergangenen Tagen zuvor mehrere Omikron-Fälle registriert worden.

Omikron - Weiterer Verdachtsfall in Niederösterreich

In Niederösterreich ist ein weiterer Verdachtsfall der Corona-Variante Omikron aufgetreten. Es handelt sich nach Angaben des Landes um einen Mann aus dem Bezirk Mödling, der einen aus Südafrika zurückkommenden Wiener vom Flughafen Wien in Schwechat abgeholt hatte. Beide wurden positiv getestet. Die Sequenzierung durch die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) läuft, ein Ergebnis wird in den nächsten Tagen erwartet, wurden Online-Medienberichte bestätigt.

Ein Omikron-Fall in Niederösterreich ist bereits bestätigt. Der Betroffene, ein Asylwerber aus Südafrika, ist nach Angaben des NÖ Sanitätsstabes im Asylquartier in Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) aufhältig.

Coronavirus Weltkarte
Um die kritische Infrastruktur aufrechtzuerhalten, greifen immer mehr Regierungen zu neuen Maßnahmen. Angesichts drohender Personalengpässe werden derzeit vor allem die Quarantäne-Regeln für Infizierte und Kontaktpersonen angepasst.
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