Coronavirus

Forscher machen SARS-CoV-2-Fänger für Virus attraktiver

Die Idee, dem SARS-CoV-2-Erreger durch die Gabe eines Medikaments ein anderes Ziel als die menschlichen Zellen anzubieten, verfolgt ein Team des Wiener Unternehmens Apeiron mit dem Genetiker Josef Penninger mit seinem Wirkstoff APN01. Forscher haben nun einen Weg gefunden, die künstliche Eintrittspforte für das Virus in die Zelle - den ACE2-Rezeptor - für den Erreger noch attraktiver zu gestalten, indem Zuckerketten entfernt wurden, die das Anbinden des Erregers hemmen.

red/Agenturen

Hinter dem weiter in klinischer Erprobung befindlichen Wirkstoff mit dem Namen APN01 versteckt sich ein biotechnologisch hergestelltes menschliches Angiotensin Converting Enzym 2 (rhACE2). Daran kann das Spike-Protein von SARS-CoV-2 ebenso binden, wie an die gleiche Struktur auf der Oberfläche menschlicher Zellen. Dockt das S-Protein aber an das vom Medikament angebotene Ziel an, kann sich das Virus nicht mehr auf eine Zelle stürzen. So die Idee hinter der Entwicklung, die der Oberösterreicher Penninger, Leiter des Life Sciences Institute (LSI) der University of British Columbia in Vancouver (Kanada), angestoßen hat.

Ein weitreichendes Wissenschafterteam mit Beteiligung von Universitäten aus Wien, Graz, Schweden, Kanada und vom Unternehmen Apeiron hat sich nun die Zuckerketten genauer angesehen, mit denen das ACE2-Protein ausgestattet ist. In einer Studie im Fachmagazin „eLife“ zeigen die Forscher in 3D-Simulationen, dass einige dieser Zuckerstrukturen das Andocken des Virus bremsen.

„Zuckerbemse“ gelöst

Was im Falle von ACE2 auf menschlichen Zellen durchaus wünschenswert ist, mindert die Wirkung des medikamentös verabreichten rhACE2. Denn das Ablenkungsmanöver mit dem künstlichen SARS-CoV-2-Fänger oder der ausgeklügelten Rezeptorattrappe funktioniert dann am besten, wenn der Erreger dort möglichst freie Bahn beim Andocken hat.

Wissenschafter von der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien um den Projektverantwortlichen Johannes Stadlmann haben nun diese Art „Zuckerbremse“ am Wirkstoff entfernt, heißt es am Mittwoch in einer Aussendung der Uni. Dass dies die Wirksamkeit erhöht, wurde in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Graz und dem Karolinska Institut in Schweden bei Infektionsstudien in Zellkulturen gezeigt. Der Erreger konnte tatsächlich besser an die Attrappe binden und wurde insgesamt besser neutralisiert. Das könne eine Covid-19-Therapie mit den Wirkstoff verbessern, schreiben die Wissenschafter.

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