Hebammengeburt am Frauenspital Bern laut Studie eine sichere Option

Die Uni-Frauenklinik in Bern bietet seit 2006 als erstes Schweizer Spital hebammengeleitete Geburten an: Falls Frauen das wünschen und keine Komplikationen zu erwarten sind, wird auf ärztliche Intervention verzichtet. Laut Studie bewährt sich das Modell. Bei den untersuchten 532 hebammengeleiteten Geburten im Zeitraum 2006 bis 2019 war in 43 Prozent der Fälle eine ärztliche Intervention nötig, ein Kaiserschnitt war nur bei 5,6 Prozent erforderlich.

red/Agenturen

Die Geburt eines Kindes ist für Eltern ein prägendes Erlebnis, „tiefgreifend, feierlich, mit Hoffnungen, Ängsten und Freuden verbunden“, wie die Insel Gruppe in einer Mitteilung vom Dienstag schreibt. Viele Eltern wünschten sich deshalb eine möglichst natürliche und persönliche Geburt.

Die geplante Hebammengeburt im Spital hat gemäss Mitteilung gegenüber der Hausgeburt (3 Prozent der Entbindungen schweizweit) den Vorteil, dass im Notfall schnell Ärzte und medizinische Geräte zur Hand sind. Bei den untersuchten 532 vorausgeplanten, hebammengeleiteten Geburten im Zeitraum 2006 bis 2019 war in 43 Prozent der Fälle eine solche Intervention nötig, so die Studie.

Eine Ärztin oder ein Arzt wird beispielsweise dann einbezogen, wenn das Fruchtwasser trüb ist - ein Zeichen dafür, dass das Kind den Darm entleert hat, weil es unter Stress steht. Auch der Wunsch nach einer Periduralanästhesie zur Schmerzlinderung oder die medikamentöse Beschleunigung beziehungsweise Einleitung der Geburt kann ein Grund dafür sein, Arzt oder Ärztin anzufordern.

Ein Kaiserschnitt war nur in 5,6 Prozent der untersuchten Fälle erforderlich. Und sogar nur 1 Prozent der Neugeborenen mussten nach einer als Hebammengeburt geplanten Entbindung auf die Intensivpflegeabteilung.

Minutiöse Vorabklärung zur Risikominderung

Noch ist der Anteil an hebammengeleiteten Geburten an der Gesamtzahl der Entbindungen gering: Im untersuchten Zeitraum waren 2,6 Prozent der Geburten am Berner Frauenspital geplante Hebammengeburten auf Wunsch der Frauen. Das Modell hat also noch reichlich Potenzial.

Doch nicht immer kann dem Wunsch nach einer Hebammengeburt entsprochen werden: „Sowohl der Gesundheitszustand und allfällige Vorbelastungen der Mutter, die Entwicklung des Fetus, wie auch der Verlauf der Schwangerschaft werden mit definierten Kriterien abgeklärt“, heisst es in der Mitteilung.

Kostenersparnis noch unklar

Ein starkes Argument für die hebammengeleitete Geburt ist für viele werdende Mütter neben der „Natürlichkeit“ der menschliche Aspekt: „Insbesondere die Hebammengeburt mit einer Beleghebamme, welche die Frau bereits während der Schwangerschaft betreut und dann in der Klinik die Entbindung leitet, erfreut sich bei den schwangeren Frauen zunehmender Beliebtheit“, wird die Leitende Hebamme Andrea Messer zitiert.

Noch unklar ist gemäss Mitteilung, ob die Hebammengeburt in der Klinik auch kostengünstiger ist als die unter Leitung eines Gynäkologen oder einer Gynäkologin: Um das abzuklären sei eine vertiefte ökonomische Analyse im Gang.