Rauchen

Internationale Experten „erstaunt“ Österreichs Tabakpolitik

„Entwicklung geht in die Gegenrichtung zur Entwicklung anderswo“, stellten Experten beim Europäischen Gesundheitsforum in Bad Hofgastein fest.

red/Agenturen

Am Rande des Europäischen Gesundheitsforums in Bad Hofgastein (European Health Forum, 3. bis 5. Oktober) äußerten sich auch internationale Experten zu Österreichs Tabakpolitik. „Die österreichische Entscheidung (das geplante Gastro-Rauchverbot zu kippen; Anm.) wurde international mit Erstaunen aufgenommen.

Überwältigende Beweislage

Sie geht in die entgegengesetzte Richtung zur Entwicklung überall anderswo. Am Beginn war die wissenschaftliche Evidenz über den Effekt von umfassenden Rauchverboten begrenzt. Aber mittlerweile ist die Beweislage überwältigend. Sie retten Leben und haben entweder keinen Effekt auf die Bar- und Restaurantumsätze oder fördern sie sogar“, stellte Martin McKee von der London School of Hygiene fest.

„Mehr als vier von fünf Menschen sind Nichtraucher und wollen nicht in verrauchten Lokalen sitzen, nach Rauch stinken, wenn sie herauskommen, und ihre Lunge schädigen. Überall anderswo haben die Gastronomen begriffen, dass die beste Strategie für mehr Kunden ist, sich an die Mehrheit der Bevölkerung zu wenden und nicht an eine zunehmend kleine Minderheit, die - traurig zu sagen - auch noch ausstirbt“, fügte der britische Experte hinzu.

Geschockt von vielen „Raucherzonen“

Sir Michael Marmot, ehemals Vorsitzender der World Medical Association (WMA) und bekannt für seine klaren sozialmedizinischen Analysen, stimmte zu: „Die größte Gefahr besteht (durch Rauchen in Lokalen; Anm.) natürlich für die Beschäftigten. Aber ganz klar ist, dass auch jeder Nichtraucher, der in so ein Lokal kommt, Probleme zu erwarten hat. Das gilt besonders für ältere Menschen und Personen mit Herz- oder Lungenerkrankungen. Es gibt jede Menge Beweise dafür, dass Rauchverbote recht schnell die Herzinfarktraten reduzieren. Das liegt daran, weil schon weniger Rauchbelastung als durch eine Zigarette am Tag signifikante Effekte auf die Blutgefäße hat.“

McKee nahm wie sein Kollege Marmot an der jährlich stattfindenden Konferenz im Gasteinertal teil. Seiner Schilderung nach waren viele der Teilnehmer geschockt, als sie die vielen „Raucherzonen“ sahen: „Während ich oft nach Österreich komme, waren das andere Redner nur selten. Ohne dass man sie gefragt hätte, haben sie gemeint, wie schockiert sie gewesen seien, als sie Raucherzonen auf den Flughäfen gesehen hätten.“ Der Plan, die Tabaksteuer nicht mehr zu erhöhen, führe auch zu der Frage, ob es hier intransparente Verbindungen zwischen Tabakindustrie und Politik gebe.

Rauchverbot
Über die Aufhebung des Rauchverbots in der Gastronomie hätte schon im Dezember entschieden werden sollen, das wurde aber verschoben.
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