Coronakrise

Omikrons bevorstehender Höhepunkt von Testdebatte begleitet

Österreich ist nach Ansicht des Epidemiologen Gerald Gartlehner mit der Omikron-Welle bei der Durchseuchung „angelangt“. Man habe ein „relativ unkontrolliertes Geschehen in Österreich“. Das Glück sei aber, dass Omikron „nicht sehr“ krankmachend sei und man „relativ gut“ durch diese Welle komme. Zudem ist eine Debatte nach einem Überdenken des aktuellen Corona-Testregimes auf Bundesebene entstanden. Unter anderem spricht sich nun mit dem Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer auch ein prominenter roter Politiker für einen Paradigmenwechsel beim Testen aus. Die Ampel bleibt indessen tiefrot.

red/Agenturen

Omikron hat Österreich wie erwartet fest im Griff. Das zeigt auch die Corona-Ampel, die diese Woche tiefrot bleibt. Wie aus dem Arbeitsdokument der Ampel-Kommission hervorgeht, hat sich die für die Farbgebung maßgebliche Risikozahl in allen Bundesländern ein weiteres Mal verschlechtert. Allerdings flacht sich der Anstieg in Salzburg, Tirol und Wien, wo sich Omikron besonders früh ausgebreitet hat, ab.

Für den Epidemiologen Gartlehner wird sich auch nicht viel durch die neue Omikron-Variante BA.2 ändern. Erste Daten aus Dänemark würden zeigen, dass die neue Variante zwar doppelt so infektiös sei wie die jetzige Omikron-Variante, aber sie sei nicht krankmachender.

Gartlehner meint, dass man deshalb mit der Impfpflicht zuwarten könnte. „Als die Impfpflicht beschlossen wurde, war die Situation ganz, ganz anders.“ Der Epidemiologe: „Wir werden mit Ende der Omikron-Welle eine Immunität in der Bevölkerung haben, die wir nie zuvor hatten.“ Gegen eine Impfpflicht spricht aus Sicht des Experten auch, dass man noch nicht wisse, ob die derzeitige Impfung gegen eine Welle im Herbst schützt.

„Keine wirkliche Teststrategie“

Gartlehner stellte auch die Gratis-Tests infrage: Alle, die sich nicht an das Gesetz halten und ungeimpft bleiben würden, würden dennoch gratis Tests vom Staat bekommen, um einkaufen oder in die Gastro zu gehen. „Und das alleine ist schon widersprüchlich.“ Es gebe „keine wirkliche Teststrategie“. Jeder teste, „wie er oder sie das will“. Das führt dem Experten zufolge dazu, dass für diejenigen, die es wirklich brauchen, die Testergebnisse zu spät zur Verfügung stehen.

Auch seitens der Politik wurden Rufe nach einem Überdenken des aktuellen Testregimes laut.Tirols SPÖ-Chef Georg Dornauer etwa „glaubt nicht, dass es noch Sinn macht völlig symptomlose Menschen sehr kostenintensiv, flächendeckend zu testen“, wie er bei einer Pressekonferenz meinte.

Er glaube auch nicht, dass das „langfristig leistbar sein wird“. Grundsätzlich „sollte, müsse und wird“ die Politik „nach der Beendigung dieser Omikron-Welle, wo Experten aktuell von einem Zeithorizont von zwei bis drei Wochen ausgehen, schon grundsätzliche Paradigmenwechsel andenken“, fand Tirols oberster Roter.

SPÖ uneins bei der Testkostenfrage

„Jeder Steuerzahler und jede Steuerzahlerin wird zurück zu einem gewissen Pragmatismus zurückfinden wollen“, gab Dornauer zu Bedenken und erinnerte an die Anschaffung der Abfangjäger 2003/2004, als Kosten von rund zwei Milliarden Euro Steuergeld im Raum standen. „Darüber wird noch bis zum heutigen Tag politisiert und diskutiert.“ Die Tests hätten bekanntlich bereits jetzt diese „Zwei-Milliarden-Marge“ erreicht.

Deshalb sei die Politik „auch gut beraten“, Tests nur mehr dort, wo es „sinnstiftend“ sei „in einer gewissen Selbstverantwortung“ zu Verfügung zu stellen, sagte Dornauer und führte den „berühmten Besuch bei der Oma bis hin zur kritischen Infrastruktur oder im Falle von Symptomen“ als konkrete Beispiele ins Treffen. Über eine mögliche Kostenpflicht wolle er indes „derzeit noch nicht nachdenken“.

Der stellvertretende SPÖ-Klubvorsitzende Jörg Leichtfried pochte indes in einer Aussendung am Mittwoch darauf, dass Tests „weiterhin notwendig“ seien. Sie sollten deshalb „weiter kostenfrei sein - für die persönliche und die gesellschaftliche Sicherheit“, so Leichtfried.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hatte sich am Wochenende für ein Ende der breiten Corona-Testung und ein Aus für die Gratis-Tests ausgesprochen. Tests sollen nur noch so lange kostenlos sein, wie sie für gewisse Zutritte notwendig sind, so der schwarze Landeschef. Eine Kostenpflicht könne er sich ab dem 15. März vorstellen, also dem Datum, ab dem die Impfpflicht auch kontrolliert werden soll.

Die Corona-Ampel en detail

Blickt man auf den 14-Tage-Trend, ist der Fallanstieg in Salzburg und Tirol mit zehn Prozent am Geringsten. Dahinter folgt Wien mit 19 Prozent. Überall sonst geht es noch steil nach oben, speziell im Süden, der als letzter Landesteil von Omikron breitflächig „besucht“ wird. Das Plus in der Steiermark beträgt 62 Prozent, im Burgenland 57 Prozent und in Kärnten 48 Prozent.

Die sogenannte Risikozahl, die neben Zahl der Infektionen auch Alter der Betroffenen und Impfstatus einbezieht, bleibt aber in Tirol mit 4.897 am höchsten. Um in den orangen Bereich des noch immer hohen Risikos zu kommen, bräuchte es eine Zahl unter 100. Dem ist man nicht einmal im Burgenland mit 1.402 nahe. Wien hat mittlerweile die zweit niedrigste Risikozahl und das trotz des weiter stärksten Test-Aufkommens von fast 138.000 auf 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Schlusslicht Oberösterreich liegt bei knapp 56.000.

Tendenziell ungünstig ist, dass der Fallanstieg bei den Über-65-Jährigen mit 51 Prozent klar über dem der Gesamt-Bevölkerung mit 31 Prozent ist. Insgesamt machen die Senioren jedoch immer noch nur sechs Prozent der Gesamtfälle aus.

Auf insgesamt fünf angestiegen ist die Zahl der Bezirke bzw. Regionen, wo die Fallzahlen in den vergangenen 14 Tagen rückläufig waren, allesamt im Westen wie Kitzbühel, Landeck oder St. Johann im Pongau. Dennoch hat Landeck die höchste 14-Tages-Fallzahl gefolgt von Rohrbach im Mühlviertel. Die niedrigste Inzidenz hat abgesehen von der Statutarstadt Rust der niederösterreichische Bezirk Gmünd.

Nur noch 14 Prozent der Fälle werden abgeklärt. Der Anteil der asymptomatischen Infektionen liegt bei knapp einem Drittel.

 

Rote Ampel
Österreichs Corona-Zahlen bleiben tiefrot, allerdings ist der 14-Tage-Trend leicht rückläufig.
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