Booster-Impfung schützt auch Krebspatienten

Krebspatienten werden dringend drei Teilimpfungen gegen Covid-19 empfohlen. Den Effekt des „Boosters“ haben jetzt Onkologen und Hämatologen aus Wien und Meran in Südtirol in einer Studie belegt. Am geringsten wirkt die Impfung offenbar bei Personen, die bestimmte hämatologische Therapien erhalten, welche die B-Lymphozyten beseitigen. Krebshilfe und Onkologen schlagen deshalb Alarm: Die Impfpflicht-Verordnung konterkariere Empfehlungen für Patient:innen!

red/Agenturen

„Die meisten Krebspatienten, mit denen wir zu tun haben, lassen sich gegen Covid-19 impfen. Das wird auch dringend angeraten“, sagte Matthias Preusser, Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie der MedUni Wien (AKH) gegenüber der APA. Bisher gab es aber kaum Daten, wie sich die dritte Teilimpfung auf den Schutz gegen SARS-CoV-2 bei diesen Patienten auswirkt.

Eine Autorengruppe der Abteilung am Wiener AKH und Wissenschafter der Hämato-Onkologischen Tagesklinik am Franz Tappeiner Spital in Meran in Italien untersuchten die Immunantwort der Patienten (26 aus Wien und 413 aus Meran) über die drei Teilimpfungen hinweg. Es handelte sich insgesamt um 439 Patienten und 41 Angehörige des Krankenpflegepersonals.

14 Prozent der Krebskranken hatten bereits vor der Impfung eine SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht. Nur bei fünf (1,1 Prozent) war das noch der Fall nach zumindest einer Teilimpfung. Allerdings, so die Autoren: „Die begleitenden Untersuchungen zeigten einen Abfall der Antikörper-Titer drei bis sechs Monate nach der zweiten Impfung bei den Patienten mit Tumorerkrankungen und bei Kranken mit hämatologischen Erkrankungen (...).“

Booster-Impfung schützt auch Krebspatienen

Die dritte Teilimpfung brachte wieder einen Anstieg der Antikörper gegen das S-Protein von SARS-CoV-2. Im Grunde ist das ja auch der Hauptgrund für die Empfehlung zur dritten Teilimpfung bei nicht an Krebs Erkrankten. Der Vergleich mit der Kontrollgruppe der Angehörigen des Krankenpflegepersonals zeigte allerdings, dass Krebskranke offenbar insgesamt eine etwas schlechtere Immunantwort nach der Impfung aufbauen. Lokale Reaktionen an der Impfstelle (47 Prozent), Müdigkeit (knapp 16 Prozent) und kurzzeitige Fieberreaktionen (zehn Prozent) waren die häufigsten Beschwerden nach der dritten Teilimpfung.

Die Studie, die im European Journal of Cancer  veröffentlicht wurde, belegte aber auch das anhaltend größte Problem mit den Impfungen bei Patienten mit bestimmten Blutkrebsformen: Jene, welche eine medikamentöse Therapie erhalten, die bösartige B-Lymphozyten beseitigt, zeigen ein besonders schlechtes Ansprechen auf die Covid-19-Impfung. B-Zellen produzieren in Form von Plasmazellen Antikörper.

Preusser: „Man hat gehofft, dass man diese Patienten mit der dritten Teilimpfung über diesen Mangel hinwegbringen könnte. Das ist aber nicht der Fall. Da wird man weiterhin besonders auf das Einhalten von Hygienemaßnahmen dringen müssen. Aber mit den neuen Medikamenten, monoklonalen Antikörpern oder auch im Fall des Falles mit den neuen oralen Covid-19-Therapien gibt es hier neue Möglichkeiten.“

Krebshilfe und Onkologen: Die Impfpflicht-Verordnung konterkariert Empfehlungen für Patient:innen

Bemerkenswert wirkt für Experten die in der Impfpflicht-Verordnung offenbar vorgesehene weitgehende Ausnahme für Krebspatienten. „Gerade Menschen mit bösartigen Erkrankungen sollten besonders auf ihren Impfschutz achten“, sagte Preusser. Aber die meisten täten das ohnehin und wie die Studie klar zeigt, ist die Impfung für Krebspatienten nicht nur wirksam, sondern auch sicher.

Auch Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Hilbe, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie (OeGHO), zeigt sich verärgert: „Seit mittlerweile einem Jahr weisen wir auf die Wichtigkeit der Impfung gegen SARS-CoV-2 für Krebspatient:innen eindringlich hin, es wurde eine klare Empfehlung ausgegeben. Denn verschiedene Studien zeigen klar, dass das Risiko für Krebspatient:innen für einen schweren Verlauf bzw. an einer SARS-CoV-2-Infektion zu versterben, deutlich höher ist als dies bei Personen ohne Krebserkrankung der Fall ist. In der Verordnung zum Impfpflichtgesetz (Anmerkung: vom 7.2.) sind nun aber genau jene Menschen von der Impfpflicht ausgenommen, die einen klaren Vorteil von der Impfung haben. Die Diskrepanz dieser Botschaften hat zu einer großen Verunsicherung bei den Patient:innen geführt.

„Wir wissen mittlerweile auch, dass Krebspatient:innen unter Therapie größtenteils eine ausreichende Immunantwort entwickeln. Und selbst wenn dies vereinzelt nicht der Fall ist, so schadet die Impfung keinesfalls. Die Vorteile einer Corona-Impfung für Menschen mit Krebserkrankungen überwiegen das Risiko einer eventuell nicht ausreichenden Immunantwort bei immunsupprimierten Patient:innen deutlich,“ so der renommierte Krebs-Experte Univ.-Prof. Dr. Christoph Zielinski.  

„Seit der Bekanntgabe laufen die Telefone in unseren Krebshilfe-Beratungsstellen heiß,“ so Krebshilfe-Präsident Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda. „Und ehrlich gesagt, ist das kein Wunder. Denn noch vor einem Jahr wurden Krebspatient:innen vom Nationalen Impfgremium als Hochrisikopatient:innen für die Impfung priorisiert.“   

Wir appellieren an die gesundheitspolitisch Verantwortlichen, diese Verunsicherung auszuräumen. Wir stellen klar, dass weiterhin unsere gemeinsame Empfehlung gilt, dass sich Patient:innen mit einer Krebserkrankung zu ihrem eigenen Schutz gegen eine SARS-CoV-2-Infektion impfen lassen sollen,“ betonen Hilbe, Sevelda und Zielinski.

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Booster Impfung Corona
Vollständig Geimpfte bilden nach Infektion kreuzneutralisierende Antikörper, ähnlich wie nach der dritten Impfung, so die Studienergebnisse.
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