Corona-Impfung bescherte Pfizer 2021 Umsatz- und Gewinnsprung

Der US-Pharmakonzern Pfizer ist dank seiner Corona-Impfung wieder die Nummer eins der umsatzstärksten Pharmakonzerne weltweit. 2021 hat der Hersteller seine Verkaufserlöse auf 81,3 Mrd. Dollar (71 Mrd. Euro) fast verdoppelt, wie das Unternehmen am Dienstag in New York mitteilte. Unter dem Strich erzielte der Pharmariese im abgelaufenen Jahr knapp 22 Mrd. Dollar Gewinn, nach rund 9,2 Mrd. Dollar im Jahr 2020.

red/Agenturen

Für heuer peilt das Management zwar Rekordzahlen an, kalkuliert allerdings für das Vakzin mit einem Umsatzrückgang. Und auch sonst konnte der Ausblick nicht wirklich überzeugen. An der Börse geriet die Pfizer-Aktie kurz nach dem Handelsauftakt unter Druck. Zuletzt verlor die Aktie fast fünf Prozent. Das Papier hatte im Dezember ein Rekordhoch bei knapp 62 Dollar erreicht, hat seitdem aber rund 17 Prozent eingebüßt.

Ausblick enttäuscht

Der Quartalsbericht des Pharmakonzerns sei gemischt ausgefallen, schrieb Analyst Chris Schott von der US-Bank JPMorgan. Wichtiger sei aber der Ausblick und hier hätten die Ziele eher enttäuscht.

Nach der Trennung von seinen patentfreien Medikamenten, die Pfizer in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Generikaspezialisten Mylan eingebracht hatte, war der Umsatz der Amerikaner 2020 geschrumpft. Seinerzeit hatte der Schweizer Konkurrent Roche den weltweiten Umsatzchampion gestellt. Doch durch den gewaltigen Sprung beim Erlös ist Pfizer wieder zurück an der Weltspitze.

2021 spülte der gemeinsam mit der deutschen Firma BioNTech vermarktete Corona-Impfstoff den Amerikanern knapp 37 Mrd. Dollar Umsatz in die Konzernkassen. Damit stand das Präparat mit dem Handelsnamen Comirnaty für rund 45 Prozent der gesamten Verkaufserlöse von Pfizer - und übertraf die ursprünglichen Erwartungen des Managements deutlich. Im Laufe des Jahres hatte die Unternehmensspitze ihre Erlösprognosen für Comirnaty immer weiter angehoben.

Die Impfung und die erst seit kurzem erhältliche Covid-Pille Paxlovid herausgerechnet, betrug das Wachstum aus eigener Kraft noch sechs Prozent. Hierzu trugen auch einige Medikamente gegen Krebs und seltene Krankheiten sowie der Blutgerinnungshemmer Eliquis bei. Deutliche Umsatzeinbußen musste der Konzern jedoch unter anderem bei der wichtigen Pneumokokken-Impfung Prevenar und einigen Medikamenten gegen entzündliche und Immunkrankheiten hinnehmen, das Krankenhausgeschäft lag leicht unter dem Vorjahr.

Umsatzziele weiter hoch

Das Management um Konzernchef Albert Bourla will bei Pfizer heuer noch ein Schauferl drauflegen: Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll sich auf 6,35 bis 6,55 Dollar verbessern, nach 4,42 Dollar in 2021. Der Umsatz soll auf 98 bis 102 Mrd. Dollar klettern, was laut Mitteilung ebenfalls ein Rekordniveau in der Pfizer-Geschichte wäre. Analysten hatten hingegen bereits mehr als 106 Mrd. Dollar auf dem Schirm.

Die Umsatzziele für Comirnaty hob Pfizer zwar, die Impfung soll 2022 aber lediglich 32 Mrd. Dollar beisteuern. In diesen Prognosen sind bisher die Bestellungen mit Stand Ende Jänner berücksichtigt, womöglich könnte sich hieran noch etwas ändern.

Große Erwartungen mit Paxlovid

Inzwischen haben die Amerikaner mit Paxlovid zudem ein weiteres Produkt am Markt, das nach Einschätzung von Beobachtern eine große Rolle in der Pandemie spielen wird. Schon jetzt hat der Konzern Verträge abgeschlossen, die den Angaben zufolge im laufenden Jahr 22 Mrd. Dollar Umsatz einbringen werden. JPMorgan-Experte Schott glaubt, dass die Konzernziele für Paxlovid im Laufe der kommenden Monate noch anziehen könnten. Im Schlussquartal 2021, in dem die Pille erst auf dem US-Markt zugelassen war, kam das Mittel dort auf 76 Mio. Dollar.

In Europa hatte die Europäische Kommission Ende Jänner grünes Licht gegeben. Das Mittel gilt als sehr effektiv und soll gerade bei Menschen mit Vorerkrankungen das Risiko sehr schwerer Krankheitsverläufe deutlich senken. Heuer will Pfizer von Paxlovid-Pillen für bis zu 120 Millionen Behandlungen herstellen. 20 Millionen hat bereits die US-Regierung bestellt. Der Konzern vergibt inzwischen auch Lizenzen an Generikahersteller, damit günstigere Kopien des Medikaments auch ärmere Länder erreichen - von diesen Umsätzen soll nichts an die Amerikaner abfließen.