Reduzierte Antikörperreaktion gegen südamerikanische Gelbfieber-Viren

Seit über 80 Jahren gibt es eine Impfung gegen Gelbfieber. Die Impfstoffe basieren von jeher auf einem afrikanischen Stamm des Virus. Es gibt allerdings auch südamerikanische Virenvarianten - und gegen die haben die durch die Impfung ausgelösten Antikörper nur eine stark reduzierte Wirkung, zeigt die in New York tätige österreichische Virologin Denise Haslwanter mit Kollegen im Fachjournal „Cell Host & Microbe“.

red/Agenturen

Gelbfieber ist eine durch Mücken übertragene Virusinfektion, an der jährlich etwa 200.000 Menschen in Afrika und Südamerika erkranken und bis zu 60.000 sterben. Die Weltgesundheitsorganisation WHO verfolgt eine globale Strategie zur Ausrottung, einerseits durch die Impfung, andererseits durch die Kontrolle der Gelbfiebermücke (Aedes aegypti), die auch Dengue- und Chikungunyafieber übertragen kann. Doch in den vergangenen Jahren hat Gelbfieber wieder stark zugenommen. So gab es in Brasilien zwischen 2017 und 2019 einen großen Ausbruch.

Der heute eingesetzte Gelbfieberimpfstoff wurde 1937 vom aus Südafrika stammenden Bakteriologen Max Theiler entwickelt, wofür er 1951 mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde. Es handelt sich um einen Lebendimpfstoff, der auf einem afrikanischen Gelbfieber-Virusstamm (17D) basiert. Seit den 1960er-Jahren kennt man aber auch südamerikanische Virusvarianten. „Bisher wurde angenommen, dass der Impfstoff ähnlich gut gegen den afrikanischen und den südamerikanischen Stamm wirkt - und das lebenslang“, erklärte Denise Haslwanter vom Albert Einstein College of Medicine in New York gegenüber der APA.

Eigentlich arbeitete die aus Tirol stammende, seit 2018 am Einstein-College tätige Forscherin gemeinsam mit dem Leiter ihrer Forschungsgruppe, Kartik Chandran, an einer Antikörper-Therapie gegen Gelbfieber und stieß dabei auf Widersprüche. „Als wir dem nachgegangen sind, zeigte sich eine stark reduzierte Reaktion der durch den Gelbfieberimpfstoff induzierten Antikörper gegen die südamerikanischen Viren“, so Haslwanter. Beim Vergleich mit afrikanischen Viren entdeckten sie zwei Stellen im Hüllprotein des südamerikanischen Virus, die für diese Resistenz verantwortlich sind. „Es war überraschend, dass das über Jahrzehnte noch niemanden aufgefallen ist.“

Die Wissenschafter sagen nicht, dass der Impfstoff in Südamerika weniger wirksam ist als in Afrika - „dafür gibt es keine Beweise, und wir haben die Wirksamkeit des Impfstoffs in unserer Studie auch gar nicht untersucht“, betonte die Virologin. Es sei nämlich durchaus möglich, dass auch eine geringere Aktivität der Antikörper ausreicht, um eine Virusinfektion zu blockieren. Zudem sollten andere Mechanismen der Immunantwort, etwa Effektor-T-Zellen, dadurch nicht beeinträchtigt sein.

Dennoch würden die Studienergebnisse „eine Überprüfung des aktuellen Impfstoffs im Hinblick auf eine Anpassung rechtfertigen“, betonte Haslwanter. Sie verweist in diesem Zusammenhang auf neuere Studien, die den lebenslangen Schutz nach der üblichen Einzeldosis infrage gestellt und eine regelmäßige Auffrischung empfohlen haben.

Angesichts der verringerten Antikörperaktivität gegen südamerikanische Stämme wäre es plausibel, dass die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen diese Stämme schneller nachlässt, meint sie. Das würde Auffrischungsimpfungen noch wichtiger machen. Es seien jedenfalls weitere Studien erforderlich, um die Prävalenz von Impfdurchbrüchen und Krankheiten festzustellen. Notfalls könnten auch nur Personen mit sehr niedrigem Titer aufgefrischt werden.

Allerdings sei die derzeitige Titer-Bestimmung, die auf der Messung der neutralisierenden Aktivität von Antikörpern basiert, „ungenügend“, da sie auf der Verwendung des afrikanischen Virusstamms basieren. Labore in Südamerika sollten daher die Art und Weise, wie diese Messung durchgeführt wird, neu bewerten, empfehlen die Wissenschafter. Die Verwendung eines südamerikanischen Virusstamms dafür sollte hier eine realistischere Bewertung ermöglichen.

Die Forscher ziehen auch Parallelen zur aktuellen Diskussion über die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 und seine Varianten. „Unsere Arbeit zeigt die Notwendigkeit, Impfstoffe nicht nur gegen die ursprünglichen oder im Labor angepassten Virusstämme, sondern auch gegen aktuell im Umlauf befindliche regionale Stämme oder Varianten zu testen und immer wieder anzupassen“, so Haslwanter.