Coronavirus

Italienische Ärzt:innen treten Anfang März in den Streik

Die italienischen Ärzt:innen haben für den 1. und 2. März einen Streik angekündigt. Hausärzte werden an diesen Tagen ihre Praxen schließen. Der Protest richtet sich gegen die „unerträgliche Arbeitsbelastung, mangelnden Schutz sowie überbordende Bürokratie" rund um die Corona-Pandemie, hieß es in einem Schreiben der Ärztevertretungen SMI und SIMET am Dienstag.

red/Agenturen

Die Ärzt:innen kritisierten den Beschluss der Regierung, Familien von Kollegen nicht zu entschädigen, die an Covid 19 gestorben sind. „Dies ist ein Schlag ins Gesicht seitens des Staates, insbesondere für die Waisen dieser Ärzt:innen", hieß es.

Die Gewerkschaften fordern auch eine ernsthafte Politik der Fairness. „Bei dieser Pandemie, die die ganze Welt erfasst hat, sind es die Ärztinnen, die den höchsten Preis zahlen müssen. Das Recht auf Arbeit muss mit dem Recht auf ein Familien- und Privatleben vereinbar sein", heißt es in der Mitteilung von SMI und SIMET, der italienischen Ärztegewerkschaft und dem italienischen Verband der Hausärzte. Eine Demonstration ist vor dem Gesundheitsministerium in Rom am 2. März geplant.

„Wir wollen unsere Rolle und unsere Berufswürde zurückgewinnen, um die uns anvertrauten Patient:innen bestmöglich behandeln zu können. Wir streiken, weil wir mehr Ärzt:innen vor Ort brauchen: Heute gibt es in unserem Land mehr als drei Millionen Bürger ohne Hausarzt. Die ärztlichen Bereitschaftsdienste werden entweder geschlossen oder wegen Personalmangels zusammengelegt. Viele Krankenwagen haben keinen Arzt an Bord. Wir wollen, dass junge Ärzt:innen für diesen Beruf gewonnen werden", heißt es abschließend.

Berufswahl nicht infrage gestellt, eher Arbeitsplatz

Italien ist mit einem Exodus von Ärzt:innenn aus Krankenhäusern konfrontiert. Trotz der geringeren Belastung des Gesundheitswesens angesichts rückgängiger Infektionszahlen ist das Unbehagen der Ärzt:innen in den Spitälern immer noch sehr groß, warnte der Präsident des Ärzt:innenverbands (FNOMCeO), Filippo Anelli, dieser Tage.

„Trotz der 30.000 außerordentlichen Neueinstellungen von Gesundheitspersonal ist die Situation für die Krankenhäuser und die Ärzt:innen vor Ort immer noch schwierig. Vor Jahren haben wir schon vorausgesagt, dass es bis 2025 50.000 Ärzt:innen weniger in den Krankenhäusern und 30.000 weniger Hausärzte geben würde. Heute haben viele Bürger bereits keinen Hausarzt mehr, und die Notaufnahmestationen sind unterbesetzt. Nur 28,4 Prozent der Krankenhausärzte möchten weiterhin im nationalen Gesundheitsdienst beschäftigt sein", warnte Anelli.

Nach Anellis Angaben stellen die Ärzt:innen ihre Berufswahl nicht infrage, aber nur 28,4 Prozent möchten in einer öffentlichen Einrichtung arbeiten; 26 Prozent würden es vorziehen, im Ausland zu arbeiten, 19 Prozent möchten in Pension gehen. 14 Prozent würden gern in einer privaten Einrichtung arbeiten und 13 Prozent möchten selbstständig sein.

Das italienische Gesundheitspersonal ist auch wegen des Abzugs nicht geimpften Personals aus den Kliniken überbelastet. In Italien sind 2.254 Ärzt:innen und Zahnärzte vom Dienst suspendiert worden, weil sie sich trotz gesetzlicher Pflicht nicht gegen das Coronavirus impfen ließen.

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Positive Auswirkungen hatte Corona auf die Unfallstationen in den Spitälern. Von März bis Mai 2020 gab es um die Hälfte weniger hospitalisierte Verunfallte, in den Sommermonaten dagegen kaum Unterschiede zu den Zahlen in den Vorjahren.
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