Gerichtssache

Falsche Ärztin vor Gericht: „Meine Nase ist immer schwärzer geworden“

Mit einem erschütternden Zeuginnenauftritt ist am Donnerstag am Wiener Landesgericht für Strafsachen der Prozess gegen eine falsche Beauty-Ärztin fortgesetzt worden, die zwischen November 2020 und April 2021 in Wien fast zwei Dutzend Kundinnen laut Anklage „auf schmerzhafte und technisch gröblich unsachgemäße sowie nicht sorgfältige Weise“ behandelt haben soll. Eine der Betroffenen war eine Frau, die sich im Februar 2021 um 350 Euro von der Angeklagten behandeln hatte lassen.

red/Agenturen

„Sie ist mir empfohlen worden“, schilderte die junge Frau dem Schöffensenat (Vorsitz: Julia Matiasch). Anlässlich ihres Geburtstags habe sie sich „im Sonderangebot Lippen und Nase“ machen lassen. Die Angeklagte habe sich als 29-jährige Ärztin mit einem Sohn ausgegeben. Dass nichts davon der Wahrheit entsprach, habe sie erst später herausgefunden.

Kaum habe sie das Behandlungszimmer betreten, „ist es gleich zur Sache gegangen“, berichtete die Zeugin. Ein Aufklärungsgespräch habe nicht stattgefunden. „Sie hat mich aufgeschlitzt. Auf den Lippen ist das Blut schon geronnen“, setzte die junge Frau fort und begann - zunächst lautlos - zu schluchzen. Auf der Nasenspitze habe sie „kein Gefühl gehabt“. Nach der Behandlung sei sie „gepflastert“ worden und habe die Pflaster einige Stunden oben behalten müssen. Wenige Stunden später „hat es schon angefangen, dass an meiner Nase die Haut abgegangen ist. Es hat schon angefangen, dass meine Nase abgestorben ist“.

An den folgenden Tagen hätten sich Entzündungen gebildet, auch Kopfschmerzen seien aufgetreten: „Dann hat es begonnen anzuschwellen. Meine Nase ist immer schwärzer geworden.“ Sie habe zunächst ihre Hausärztin und dann die vermeintliche Ärztin kontaktiert: „Ich war komplett fertig mit den Nerven. Ich leide bis heute an den psychischen Folgen.“ Sie habe ihr Geld zurückverlangt und auch den Großteil - 250 Euro - retourniert bekommen. Sie habe befürchtet, mit einer kaputten Nase durch ihr weiteres Leben gehen zu müssen.

„Alles voller Blut“ nach dem Aufwachen

Als sie dann am Morgen aufwachte und „alles voller Blut“ war, habe sie sich in die Notaufnahme des AKH begeben. Dort habe man ihr beschieden: „Ihre Nase ist kurz davor abzusterben.“ Als sie auch noch zur Kenntnis nehmen musste, dass die Angeklagte gar keine Medizinerin war, „ist für mich erst recht eine Welt zusammengebrochen“.

„Ich kann keinen Ärzt:innen mehr vertrauen. Immer wenn ich in den Spiegel schaue und meine Nase sehe, muss ich das denken, was passiert ist“, klagte die Zeugin. Als die Verteidiger sie etwas forscher befragten, bekam die Frau einen Weinkrampf. Ihre Befragung musste unterbrochen werden, die Zeugin lief schluchzend aus dem Verhandlungssaal und wurde von ihrer Cousine getröstet.

Dieser Fall ist als schwere Körperverletzung mit Dauerfolgen angeklagt. In der Anklageschrift ist diesbezüglich von „auffallenden Veränderungen und schweren Komplikationen“ und „erheblichen Vernarbungen und Veränderungen des Gewebes“ die Rede. Die entstandenen Verunstaltungen werden als „psychisch belastend und entstellend“ und „irreversibel“ bezeichnet.

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Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat bei diversen Themen das letzte Wort.
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