Equal Care Day

Frauen übernehmen auch 2022 Großteil der Pflege

Noch immer lastet die Care-Arbeit privat wie beruflich großteils auf den Schultern des weiblichen Geschlechts: In der Pflege arbeiten über 80 Prozent Frauen, nur rund zwei Prozent der Kindergartenpädagogen sind männlich, so das Sozialministerium am heutigen Equal Care Day. 63 Prozent der unbezahlten Care-Tätigkeiten leisten Frauen, stellte auch die Grüne Frauensprecherin Meri Disoski in einer Aussendung fest. Einkommen und Selbstständigkeit von Frauen würden darunter leiden.

red/Agenturen

Dass auch Männer Care-Arbeit übernehmen, soll laut Sozialministerium in Zukunft selbstverständlich werden. Dafür werde die geschlechtssensible Buben- und Burschenarbeit durch Förderungen von rund einer Million Euro seit letztem Jahr weiter ausgebaut. Beim „Boys' Day“ werden Burschen außerdem Pflegeberufe nähergebracht. Auch das EU-Projekt „Caring Masculinities in Action“, das Fachleute in der Pädagogik sensibilisieren und gewaltfördernden Männlichkeitsmodellen entgegenwirken soll, unterstützt das Sozialministerium. Mit einer Million Euro wird außerdem die bundesweite Männerberatung gefördert, um Gender-Rollen bei Männern zu verändern.

Disoski setzte indes bei den Frauen an. Diese würden 32 Stunden pro Woche mit unbezahlter Care-Arbeit - Kindererziehung, Pflege- und Hausarbeit - zubringen, Männer nur 16 Stunden. Bruttolebenseinkommen und die spätere Pension von Frauen würden dadurch sinken, die ökonomische Abhängigkeit vom Partner und die Gefahr der Altersarmut hingegen steigen. „Mit modernen Elternteilzeit- und Elternkarenz-Modellen und einem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr können wir den rechtlichen Rahmen dafür schaffen“, sagte sie, die Vorschläge seien dem Koalitionspartner bekannt.

Großeltern betreuen ihre Enkel oft kostenlos, denn viele berufstätige Eltern - vor allem Frauen - seien wegen früher Schließ-Zeiten von Kinderbetreuungseinrichtungen auf sie angewiesen, hob Bedrana Ribo, Sprecherin der Grünen für Pflege und Senioren, in einer Aussendung hervor. Senioren würden der Gesellschaft damit viel Geld ersparen. Müssen Senioren oder andere Angehörige selbst gepflegt werden, fällt diese Arbeit wiederum meistens den Frauen zu. „Diese Frauen sind zu 50 Prozent über 60 Jahre alt, also häufig bereits selbst in Pension“, sagte Ribo. Sie begrüßte die Einführung der Community Nurses, die unter anderem diese Gruppe entlasten sollen.

Spannungsfeld: „Teilzeit-Falle“ und Care-Arbeit

„Das muss sich ändern“, befand SPÖ-Frauensprecherin Eva-Maria Holzleitner zum dem Kreislauf von „Teilzeit-Falle“ und Care-Arbeit, in dem sich viele Frauen befänden. Dafür müsse die ganztägige Kinderbetreuung flächendeckend ausgebaut und ein Rechtsanspruch auf eine kostenlose Ganztagsbetreuung eingeführt werden. Zudem müssten Frauen auch Vollzeit arbeiten können wenn sie das wollen - wozu ein Rechtsanspruch auf Vollzeit nach Teilzeitphasen und eine generelle Arbeitszeitverkürzung beitragen würden, die es Frauen und Männern erleichtert, bezahlte und unbezahlte Arbeit gerecht aufzuteilen, betonte die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende in einer Aussendung.

FPÖ-Frauen- und Seniorensprecherin Rosa Ecker kritisierte, dass Care-Arbeit nicht genügend honoriert wird. Väterkarenz sei in der Gesellschaft nicht ausreichend angekommen, eine junge Familie könne es sich nicht leisten, dass der Vater in Karenz geht. „Frauen, die Care-Arbeit verrichten, sei es die Pflege von Angehörigen oder die Kinderbetreuung, ersparen der Allgemeinheit Kosten“, sagte sie. „Frauen und Familien soll und muss die Möglichkeit gegeben werden, selbst zu entscheiden, wie sie ihre Betreuungspflichten aufteilen und organisieren. Wir müssen diese Frauen für ihre Betreuungsarbeit, egal ob für die Kinder oder Angehörigenpflege, ausreichend absichern, damit sie später eine entsprechende Pension erhalten.“ Die volle Anrechnung für Pensionszeiten und -höhe sei überfällig.

NEOS-Frauensprecherin Henrike Brandstötter verwies auf die ökonomischen Auswirkungen der ungleichen Arbeitsverteilung auf Frauen und die Gesamtwirtschaft: „Denn der Anteil der unbezahlten, durch Frauen verrichtete Arbeit beträgt 30 Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts. Das sind fast 120 Milliarden Euro, die uns durch die Lappen gehen, weil sich klassische Rollenbilder hartnäckig halten.“ Auch sie forderte ausreichend Kinderbetreuungsplätze sowie einen Rechtsanspruch darauf ab dem ersten Lebensjahr.