Gynäkologie

Präeklampsie als Risiko für werdende Mutter und Kind

Bei rund zwei Prozent der Schwangeren tritt eine Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) auf, die ein hohes Gesundheitsrisiko für die werdende Mutter und das Kind bedeuten kann. „Es gibt weltweit pro Jahr 70.000 Fälle, wo die Frau verstirbt“, sagte die Gynäkologin Sabine Enengl am Dienstag beim Apothekerkongress in Schladming. Bei Schwangeren, die an Covid-19 erkrankt sind, seien sogar sieben bis zehn Prozent von Präeklampsie betroffen. Fachärzte raten zur Corona-Impfung.

red/Agenturen

Präeklampsie ist „auch in unseren Breiten“ eine der häufigsten Todesursachen mütterlicherseits, berichtete Enengl. Charakteristisch sind hoher Blutdruck ab 140/90 mmHg und Eiweiß im Urin (Proteinurie), seit dem Jahr 2018 wird das Krankheitsbild aber auch durch jeden - auch vorbestehenden - Bluthochdruck in der Schwangerschaft mit mindestens einer neu auftretenden Organstörung oder Störung an der Plazenta definiert, erläuterte die Oberärztin vom Kepler Universitätsklinikum Linz.

Bei der werdenden Mutter kann die Präeklampsie Krampfanfälle (Eklampsie) und Nierenversagen auslösen, betonte Enengl. Symptome sind zuvor neben Bluthochdruck möglicherweise Oberbauch- oder Kopfschmerzen, Übelkeit, Augenflimmern, Unwohlsein, Thoraxschmerzen, Atemnot oder Ödeme. Beim Kind kann es zur Fehlgeburt kommen oder die Herbeiführung einer Frühgeburt notwendig machen.

Risikofaktoren neben einer SARS-CoV-2-Infektion sind laut der Medizinerin vor allem Lebensstilfaktoren, etwa eine Schwangerschaft bei älteren Frauen und Krankheiten wie Adipositas, Diabetes oder chronischer Bluthochdruck. Die Ursache sei jedoch nicht vollständig geklärt, warum eine Schwangere eine Präeklampsie entwickelt und die andere nicht. „Die Geburt ist die einzige kausale Therapie“, hielt Enengl fest. Ganz so einfach sei es aber nicht, „das Kind zu holen“, je nach Dringlichkeit per Geburtseinleitung oder Kaiserschnitt.

Nachsorge wichtiger Teil der Behandlung

Der Entbindungszeitpunkt ist abhängig von der Schwangerschaftswoche (SSW) sowie dem Zustand von Mutter und Kind. SSW 37 ist die Grenze der Frühgeburt. „Ab da sind wir recht großzügig mit der Entbindung“, sagte die Fachärztin. Kritisch sei die SSW 24, „wenn wir vorher eine Präeklampsie mit schwerem Verlauf haben, dann ist eine Entbindung durchzuführen, um das Leben der Mutter zu retten, auf Kosten des Lebens des Kindes. Das Kind wird nicht lebensfähig sein“, erläuterte Enengl.

Bei einem milden Verlauf der Präeklampsie kann die Schwangerschaft auch fortgeführt werden, „wenn Nutzen und Risiko das erlauben“, sagte die Medizinerin. Der Blutdruck lässt sich in stationärer Therapie mit Medikamenten senken und Krampfanfälle mit Magnesiumsulfat verhindern. Das Ungeborene kann zudem mit einem Arzneimittel per Spritze zur Entwicklung der Lungenreife auf eine Frühgeburt vorbereitet werden. Auch eine ambulante Therapie ist laut Enengl bei milden Verläufen möglich.

„Ganz wichtig ist bei einer Schwangerschaftsvergiftung auch die Nachsorge“, betonte die Expertin. Für drei Monate nach der Geburt sollte ein Blutdrucktagebuch geführt und regelmäßige Kontrollen sowie alle fünf Jahre eine Gesundenuntersuchung absolviert werden. Nach einer Präeklampsie bestehe ein erhöhtes Risiko für Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall und Diabetes. Außerdem liegt die Gefahr, dass die Erkrankung bei einer weiteren Schwangerschaft wieder auftritt, bei 17 bis 18 Prozent, sagte Enengl.

Ihr Kollege am Kepler Universitätsklinikum, Joachim Pömer, berichtete ebenfalls bei der Apotheker-Fortbildung, dass auch leichte Covid-19-Verläufe eine Schwangerschaftsvergiftung auslösen können. Die Impfung sei sicher in Bezug auf die Fruchtbarkeit bei Mann und Frau und für das ungeborene Kind. Das Nationale Impfgremium (NIG) und die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) empfehlen die Covid-Schutzimpfung in der Kinderwunschphase und während Schwangerschaft oder Stillphase, betonte der Gynäkologe.

 

Frau schwanger
Geringer war der Effekt während der Omikron-Welle: Hier zeigte sich ein Schutzeffekt bei Babys von geimpften Müttern innerhalb der ersten vier Lebensmonate von 33 Prozent im Vergleich zu den Babys von Müttern ohne SARS-CoV-2-Impfung.
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