Corona

Personalausfall macht Vorarlbergs Spitälern sehr zu schaffen

Die hohen Corona-Ausfälle verschärfen die Personalsituation in Vorarlbergs Spitälern. Derzeit könnten 350 Mitarbeitende coronabedingt nicht arbeiten, das sind rund 5,8 Prozent der Beschäftigten, so die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) am Freitag. Nicht dringende Operationen werden verschoben. "Die Leute kommen aus dem Dauereinsatz nicht mehr raus", so Zentralbetriebsratsvorsitzender Thomas Steurer zur APA. Es gebe verstärkt Anfragen zu Versetzung und Kündigung.

red/Agenturen

Anders als die Personalausfälle bedeute der zusätzliche Aufwand durch Corona-Erkrankte trotz des hohen Infektionsgeschehens derzeit kein kritisches Element, so die KHBG in einer Stellungnahme zur APA. Zu den 350 coronabedingten Ausfällen kommen laut Steurer noch sonstige Krankenstände sowie zahlreiche offene Stellen. Die Krankenhausbetriebsgesellschaft meldete am Freitag insgesamt 500 Mitarbeitende als nicht einsatzfähig. „Derzeit ist ein hoher Druck im System, die Situation in den Spitälern ist angespannt", hieß es. Man sei zum fünften Mal im Krisenmodus, die Mitarbeitenden seien „durch das Verschieben von Diensten und Operationen enorm gefordert - und das quer durchs gesamte Unternehmen und durch so gut wie alle Abteilungen", so die KHBG.

Ab kommender Woche könnten im LKH Feldkirch voraussichtlich für eine Woche nur 75 Prozent der Operationen durchgeführt werden. Verschoben würden nur nicht-dringliche Eingriffe. „Die Pandemie existiert, sie ist nicht vorbei. Wer Maske trägt, applaudiert quasi den Spitalmitarbeitenden", hieß es seitens der KHBG. Spitalambulanzen sollten weiter nur im Notfall, mit Überweisung oder Termin aufgesucht werden.

"Solange die Mitarbeiter füreinander einspringen, geht es. Sie tun es nicht als Gefallen für den Arbeitgeber, sondern den Patienten zuliebe. Wenn sie nur ihren Dienstplan erfüllen würden, wäre es schwierig", betonte Steurer und sah den Fachpersonalmangel als grundsätzliches Problem. Vorarlberg sei bei der Zahl der Pflegestellen auf hundert Patienten seit Jahren bundesweit Schlusslicht. Das räche sich: In der Langzeitpflege seien derzeit 200 Betten gesperrt, weil in den Heimen das Personal fehle. Teilweise müssten Patienten darum länger im Spital bleiben. Besonders betroffen vom Personalmangel seien die Landeskrankenhäuser Rankweil und Feldkirch.

Auch ein erwartetes Sinken der Infektionszahlen bedeute keine Entspannung. Im Sommer würden die aufgeschobenen Operationen nachgeholt, dazu kämen dann die Urlaube, berichtete Steurer vom „Dauereinsatz". Diese permanente Überbelastung hielten viele nach zwei Jahren Pandemie nicht länger durch. „Viele Mitarbeitende überlegen, wie es weitergeht. Wir hatten noch nie so viele Anfragen zu Versetzungen und Kündigungen wie derzeit", so der Betriebsrat. Das Hauptverschulden liege bei der Politik, die es seit Jahren versäume, Ausbildungsplätze zu schaffen, den Beruf zu attraktivieren und Erleichterungen für Quereinsteiger zu bieten.